Vor einem Jahr Felssturz in Neuhaus

Fast herrscht wieder Normalität

Bürgermeister Josef Springer (rechts) macht sich ein Bild vom geplanten Aussichtspodest, das die Abbruchstelle der Burgmauer schließen und künftig den Zugang zum Turm des Bergfrieds ermöglichen soll. Foto: K. Möller2014/05/5_2_1_2_20140528_FELSEN.jpg

NEUHAUS – Vor genau einem Jahr – in der Nacht zum 28. Mai – stürzten gegen 1.30 Uhr vom Felsen der Burg Veldenstein in Neuhaus etwa 300 Tonnen Gesteinsbrocken, Geröll und Teile der Wehrmauer auf die Staatsstraße 2163. Ein drei Meter breiter Steinbrocken prallte gegen ein Wohnhaus. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Trotzdem steckt einigen der 17 Anwohner der Schreck dieser regnerischen Nacht noch in den Gliedern. Nach 365 Tagen ist dank sofort einsetzender Sicherungs- und Reparaturarbeiten fast Normalität in die Plecher Straße zurückgekehrt.

Experten mussten zunächst die Ursache dieses Felssturzes ermitteln, bevor eine Spezialfirma für Hangsicherungen aus Kufstein mit den Sicherungsarbeiten beginnen konnte. Nach gründlichen Untersuchungen, bei denen modernste Lasermesstechnik eingesetzt wurde, war man sich einig: Fröste der Vergangenheit haben den Burgfelsen brüchig gemacht. Die starken Regenfälle in den vorangegangenen Tagen lösten dann den Abbruch aus. Die Fachleute waren überzeugt, dies wäre wohl in absehbarer Zeit auf jeden Fall passiert.

Da man in der Nacht zum 28. Mai diese Ursache noch nicht kannte, so Bürgermeister Josef Springer, herrschte unter den Helfern eine große Ratlosigkeit. Niemand wusste, was noch passieren könnte. Sorgenvoll fragte man sich, ob der tonnenschwere, keilförmige Fels unterhalb des Bergfrieds stehen bleiben wird. Und was würde dann mit dem Turm passieren? Heute weiß man, dieser Fels ist sicher und setzt sich in den Burghof fort. Eine Erkenntnis, die auch die nachfolgenden Planungen für die Burgreparatur erleichterte.

Katastrophentouristen

Unerträglich fand Springer den Andrang rücksichtsloser Katastrophentouristen. Erfreulich die Besuche von Landrat Armin Kroder oder Finanzminister Markus Söder, die so ihre Anteilnahme an dem Geschehen bekundeten. Das besondere Lob des Bürgermeisters gilt allen, die die Folgen dieser Schreckensnacht beseitigten und abarbeiteten. Seien es die Rettungskräfte, insbesondere die Neuhauser Feuerwehr, die Behörden oder die Immobilienverwaltung des Freistaates Bayern.

Hervorragende Arbeit leisteten die Spezialisten der österreichischen Baufirma, die sofort nach den Aufräumarbeiten mit den Vorbereitungen für die Bespannung des Osthangs der Burg mit einem doppelten Sicherheitsnetz begannen. Ohne Absicherung durch ein Seil und den Einsatz von Spezialmaschinen waren die meisten Arbeiten nicht zu bewältigen. 130 Tage nach der Unglücksnacht wurden die letzten Stahlplatten und -muttern zur Netzsicherung im Berg verankert.

Nach ihrer Sanierung konnte die Straße nach Plech – der Neuhauser Zubringer zur A9 – ab September wieder einseitig durchfahren werden. Nach der sehnsüchtig erwarteten endgültigen Freigabe Anfang Oktober war der Felssturz für die meisten Bürger von Neuhaus praktisch abgehakt.

Sanierung kostete eine Million

Rund eine Million Euro kosteten dem Freistaat die Sicherungs- und Sanierungsarbeiten für Hang und Straße. Die ursprünglich veranschlagte Summe von 750.000 Euro erhöhte sich auch dadurch, weil starke Regenfälle im August viel Schlamm vom inzwischen kahlen Berghang in die Keller gegenüberliegender Häuser schwappten. Für dieses Problem musste noch Abhilfe geschaffen werden. Die Kosten für die Beseitigung der Schäden betroffener Häuser übernahm der Freistaat. Anfang Juli konnten fast alle evakuierten Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren. Nach Aussage Springers erfolgte eine kulante Schadensregulierung, was natürlich hilft, die Schrecken dieser Nacht aufzuarbeiten. Lydia Bremstahler, die seit über 50 Jahren in der Plecher Straße lebt, findet ihr seelisches Gleichgewicht vor allem wieder, weil doch alles wie durch ein Wunder so gut ausgegangen ist. Allerdings kann sie ihre Enttäuschung darüber nicht verbergen, dass zugesagte Reparaturmaßnahmen für die Fassade ihres Hauses einfach gestrichen wurden.

Der erste Schritt für die Reparatur der Burgmauer, bei der die Denkmalpfleger auf einen originalgetreuen Wiederaufbau verzichten, ist getan. Das Fundament für das geplante Aussichtspodest wurde fertiggestellt. Ende Juni beginnt der Bau der stählernen Aussichtsplattform, die gut zwei Meter über die Felskante hinausragen und eine herrliche Aussicht garantieren soll. Dem im letzten Jahr ausgefallenen Veldensteiner Burgfestival am 25. und 26. Juli steht nichts mehr im Wege. Der Handwerkermarkt auf dem Burgareal öffnet am 7. September.

In Hinblick auf die weitere Zukunft der Burg Veldenstein führt das Staatliche Bauamt nach historischer Kartierung aller Gebäudesubstanzen derzeit eine Machbarkeitsstudie im Hinblick auf die Einrichtung eines Gast- und Beherbergungsbetriebes durch. Dabei werden nicht nur das ehemalige Hotel, sondern auch das Verwaltungsgebäude und der Nord-Ost-Turm einbezogen. Die Planungen stehen vor dem Abschluss, so dass die erforderlichen Mittel für dieses Projekt in naher Zukunft in den bayerischen Haushalt eingestellt werden können.

Bürgermeister Springer ist froh, dass nur Sachschäden entstanden sind. Das war für Neuhaus Glück im Unglück. Schon ein anderer Zeitpunkt dieses Felssturzes hätte weit schlimmere Folgen nach sich ziehen können. Noch ein erfreulicher Nebeneffekt: Das Ereignis hat sich als Triebfeder hinsichtlich der Planungen für die Nutzung der Neuhauser Burg erwiesen.

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