Gemeinschaftsprojekt der Bund Naturschutzgruppen

Neuer Wohnraum

Das Obere Tor in Altdorf bietet unter anderem Mauerseglern, Turmfalken und Dohlen neuen Wohnraum. | Foto: Alex Blinten2020/05/Altdorf-Oberes-Tor-scaled.jpg

ALTDORF – Dank eines Gemeinschaftsprojektes der Bund Naturschutzgruppen aus Altdorf und Feucht herrscht im Oberen Torturm in Altdorf nun wieder reges Treiben.

Durch das Gemeinschaftsprojekt der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Altdorf mit der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Feucht finden im Oberen Tor wieder Mauersegler, Turmfalken und Dohlen in speziellen Nistkästen Raum zum Brüten und zur Aufzucht ihrer Jungen. Bei der Sanierung von Gebäuden werden häufig alle Spalten und Mauerlöcher verfüllt. Ortgangbretter werden abgedichtet, Öffnungen unter der Dachtraufe mit Lochblechen geschlossen. Neubauten werden mit Wärmedämm-Verbund-Systemen errichtet und besitzen oft sogar luftdichte Außenhüllen um den Wärmeverlust zu minimieren. Was für die Heizkosten und die CO2-Bilanz von Vorteil ist, nimmt vielen Vogelarten den Wohnraum: Sperlinge, Mauersegler, Schwalben, Dohlen, Turmfalken und andere Arten leiden unter Wohnungsnot.

Artenschutz-Maßnahmen an historischen Gebäuden, wie im Oberen Tor in Altdorf, können diese Wohnungsnot lindern. Durch richtiges Anbringen von Nisthilfen werden die Gebäudebrüter gefördert, ohne dass Stadttauben in die Gebäude eindringen und durch ihren Kot Schaden anrichten können. Dank der Kooperation von Robert Niestroj vom Liegenschaftsamt der Stadt Altdorf, dem Mieter des Oberen Tores, Erwin Pröpster, und Uwe Friedel von der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Altdorf, konnte Sebastian Haas von der BN-Ortsgruppe Feucht Nistkästen für Gebäudebrüter in das Obere Tor einbauen.

Nistkästen für Mauersegler und Dohlen

Im obersten Stockwerk des Tores konnten insgesamt neun Mauersegler-Nistkästen installiert werden. Immer drei Nistkästen wurden übereinander in Fensternischen eingepasst und an Boden und Laibung verschraubt. Die Fronten aus Siebdruckplatten sind witterungsbeständig. Sechs Mauersegler-Nistkästen befinden sich auf der Westseite, drei auf der Ostseite. Die Fenstergitter wurden nur vor den Einflugöffnungen ausgeschnitten. Dadurch können Tauben oder andere Vögel nicht in das Gebäude eindringen und den Turm verunreinigen. Der Turm wird weiterhin belüftet. Die Mauersegler gelangen durch die Einfluglöcher nur in die Nistkästen.

Mauersegler-Nistkasten mit geöffneten Kontrollkästen. Foto: Sebastian Haas2020/05/Altdorf-BN-Gebaeudebrueter-1.jpg

Im Stockwerk unter den Mauersegler-Nistkästen wurden insgesamt vier Großraum-Nistkästen für Dohlen installiert. Zwei Nistkästen wurden übereinander auf der Westseite eingepasst, jeweils ein Dohlen-Nistkasten auf der Süd- und Ostseite. Der Nistkasten auf der Südseite wurde im März bereits von Dohlen beflogen. Es ist anzunehmen, dass schon in der ersten Brutsaison 2020 mindestens ein Dohlen-Nistkasten von den Vögeln angenommen wurde. Sebastian Haas ist freier Mitarbeiter der Vogelwarte Radolfzell. Er wird die jungen Dohlen wie auch die Turmfalken und Mauersegler im Oberen Tor jährlich nach den Richtlinien der wissenschaftlichen Vogelberingung individuell markieren. Dadurch kann der Bruterfolg dieser Gebäudebrüter am Oberen Tor dokumentiert und auch langfristig wissenschaftlich ausgewertet werden.

Nistkasten der Turmfalken. Foto: Sebastian Haas2020/05/Altdorf-nistkasten-Turmfalken.jpg

Anflugstange für Turmfalken

Auf Höhe der Dohlen-Nistkästen wurde auf der Süd-Seite des Oberen Tores ein Nistkasten für Turmfalken mit Anflugstange angebracht. Auch dieser Kasten ist in der Fensterlaibung fest verschraubt und zur Gebäudeseite hin geschlossen. Über eine Revisionsluke kann der Turmfalken-Nistkasten sowohl für die Beringung der Jungfalken als auch zur Reinigung geöffnet werden. Die Vogelfreunde bedanken sich bei der Stadt Altdorf und beim Mieter des Oberen Tores, Erwin Pröpster, für das entgegengebrachte Vertrauen und die Kooperationsbereitschaft.

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