Rummelsberg: Wie Tarzan in luftigen Höhen schwingen

Naturerfahrung und Nervenkitzel im Waldseilpark

Die Zwillinge in Aktion: Tyrem schreitet mutig auf der Hängebrücke voran, Leshan zögert noch, das wacklige Drahtseil zu betreten2015/08/Rummelsberg_Waldseilpark_BBW_2.jpg

RUMMELSBERG – Unter den schattigen Bäumen des Seilparks im Rummelsberger Wald lässt es sich aushalten. Kein schlechter Ort für einen Ferienausflug mit Jugendlichen des Berufsbildungswerks (BBW). Der Park hat von kniffligen Klettereien bis zu schwungvollen Seilfahrten einiges zu bieten.

Wir treffen uns um 16 Uhr vor dem BBW. Drei Jugendliche haben sich für den Ausflug in luftige Höhen entschieden: Ghorban Rezai (15), der die Kletterei bereits zum zweiten Mal angeht, und die Zwillinge Tyrem und Leshan Thurn (16) als Seilpark-Neulinge. Stephen Kursch, Betreuer einer der heilpädagogischen Wohngruppen im BBW, führt die Gruppe an. Mit von der Partie ist auch Wohngruppenbetreuerin Milena Stegmann.

Vom BBW aus geht es zunächst leicht bergauf, auf die Anhöhe, auf der auch das „Anders“ steht – ein inklusiver Hotel- und Restaurantbetrieb, von Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam betrieben. Dort liegt, angepasst an den natürlichen Baumbestand des Waldes, der Seilpark. In einer Höhe von mindestens drei bis stattlichen fünfzehn Metern sind Plattformen aus Holz an die Baumstämme angebracht. Zwischen diesen befinden sich die fünfzig Stationen: schwingende Hängebrücken, wacklige Bretter, Stämme, Balanceseile und verschiedene Seilbahnen. Allein die Seilbahnen sind eine Attraktion: je unterschiedlich befahrbar, im Bottich stehend, an einem Haltegriff hängend oder einfach im Gurt sitzend. Die Herausforderung vor der Fahrt: Mit Schwung von der Plattform abspringen.

Stephen Kursch hat einen Retterschein von ERCA (European Ropes Course Association), dem europäischen Dachverband für Seilgärten. Weil also nicht extra ein Mitarbeiter des Waldseilparks die Betreuung übernehmen muss, kann die Gruppe des BBW in seiner Begleitung kostenlos klettern. Milena Stegmann hat nicht nur keinen Retterschein, sondern auch noch Höhenangst. Skeptisch beäugt sie die Drahtseile und Klettergurte. „Irgendwann“, witzelt Stephen Kursch, „kriege ich dich schon noch dazu“.

Die Jugendlichen müssen nicht lange überredet werden, in den ersten der sechs Parcours einzusteigen. Ghorban runzelt zwar vor jeder Station fragend die Stirn, prescht jedoch gleich voran und ist den anderen meist mehrere Schritte voraus. Die Zwillinge beraten sich auf jeder Plattform. Dort können sich bis zu drei Personen aufhalten, um einander Mut zuzusprechen. „Tyrem, wie hast du das gemacht?“, ruft Leshan seinem Bruder hinterher, der als erster in die Seilbahn gesprungen ist. „Halt dich einfach fest und spring“, erwidert Tyrem. Leshan klammert sich an den Griff, der auf einer Rolle am Drahtseil über ihm baumelt. Zögerlich stößt er sich ab und schwingt sich zur nächsten Plattform. „Puh, geschafft“, verraten seine Augen im Blick auf die zurückgelegte Strecke.

Eine Besonderheit des Seilparks: Einer der sechs Hauptparcours ist mit Rollstuhl erfahrbar. Der „Rolli-Parcours“, wie Stephen Kursch den rollstuhlgerechte Teilabschnitt nennt, ist auch einer der Gründe, warum dem Waldseilpark im Oktober letzten Jahres der Bayerische Miteinander-Preis verliehen wurde. Die Jury bezeichnete den Park als „eine Begegnungsstätte, in der Inklusion für die Besucher zur Selbstverständlichkeit wird“.

„Es ist die zweite Saison. Im März 2014 war die Eröffnung“, so Betriebsleiter Sebastian Völklein. „Ich bin sehr zufrieden mit der Auslastung des Parks. Neben den Jugendlichen des BBW kommen viele Schulklassen.“ Der komplette Seilpark ist für Kinder ab sechs Jahren begehbar und bietet ein abwechslungsreiches Vergnügen.

Den Jugendlichen vom BBW hat der Ausflug gefallen. Tyrem hat den Parcour mit den bis zu 130 Meter langen Seilbahnen gleich zweimal gemacht. Leshan haben die Balanceakte und kniffligeren Passagen am besten gefallen. Und Ghorban würde jederzeit wiederkommen.Julia Hornung

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