Umweltausschuss empfiehlt keine Anhebung

Müllgebühren sollen bis 2022 konstant bleiben

Der Neunkirchener Wertstoffhof – hier ein Container mit alten Möbeln – muss ausgebaut werden.
Der Neunkirchener Wertstoffhof – hier ein Container mit alten Möbeln – muss ausgebaut werden. | Foto: Sichelstiel2018/10/wertstoffhof-neunkirchen-as-mull-deponie-mobel-container.jpg

 

  • Der Umweltausschuss des Landkreises Nürnberger Land empfiehlt, die Müllgebühren in den nächsten vier Jahren auf konstantem Niveau zu halten.
  • Für die typische Kombination aus 60-Liter-Restmülltonne und 240-Liter-Papiertonne würden dann weiterhin 14,51 Euro monatlich fällig – wenn man über keinen eigenen Kompost verfügt, denn dann gibt es einen Nachlass.
  • Ein großer Kostenfaktor für den Landkreis sind die Wertstoffhöfe in Neunkirchen und Altdorf. Sie müssen demnächst ausgebaut werden.

 

NÜRNBERGER LAND — Die Müllgebühren im Nürnberger Land sind ein Streitthema. Landkreisbürger zahlen mehr für ihren Abfall als ihre Nachbarn etwa in Neumarkt oder Amberg-Sulzbach. Dafür gibt es auch mehr Service, meint das Landratsamt. Immerhin sollen die Gebühren in den nächsten vier Jahren konstant bleiben – wenn der Kreistag der jetzt beschlossenen Empfehlung des Umwelt­ausschusses folgt.

Recht viel Spielraum hat der Landkreis nicht. Laut Kommunalabgabengesetz sollen Gebühren nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen berechnet werden, die Einnahmen also die Ausgaben decken. Und beim Abfall sind die Ausgaben hoch, was vor allem an der sogenannten Müll­ehe mit der Stadt Nürnberg liegt. Erst vor gut einem Jahr wurde sie bis 2037 verlängert.

Die Nürnberger entsorgen in ihrer Verbrennungsanlage in Sandreuth den Restmüll aus dem Landkreis. Sie verlangen dafür mit derzeit 148 Euro pro Tonne deutlich mehr als ihre Kollegen in Schwandorf, die 108 Euro wollen – doch die dortige Anlage ist ausgelastet und „Abfalltourismus“, also ein Verfrachten des Restmülls in weiter entfernte Anlagen, kommt für die Kreis­politik nicht in Frage.

Nürnberg verlangt weniger für Verbrennung

Immerhin: Ab 1. Januar 2019 sinken die Preise in Sandreuth auf 120 Euro pro Tonne. Das spart dem Landkreis jährlich – bei etwa 24 000 Tonnen Müll, die in Nürnberg verbrannt werden – eine halbe Million Euro. Das ist einer der Gründe, warum die Abfallgebühren in den nächsten vier Jahren konstant bleiben könnten. Die Kalkulation dafür ist aber „durchaus ambitioniert“, wie Michael Oberleiter, der Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft im Landrats­amt, sagt. Insgesamt gehe sie von lediglich einem Prozent Kostensteigerung bei den Ausgaben bis 2022 aus, das sei die „unterste Grenze“.

Doch bereits das der Abstimmung im Kreistag vorgeschaltete Votum des Umweltausschusses macht deutlich, dass die Fraktionen eine Gebührenerhöhung vermeiden wollen. Das ist ein politisches Signal: In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik an den im Nürnberger Land vergleichsweise hohen Preisen. Bereits 2015 hatte man sich deshalb auf eine Senkung um 20 Prozent geeinigt, gleichzeitig aber die Gebühren für die Wertstoffhöfe angehoben. Die Kalkulation gilt immer für vier Jahre, der nächste Berechnungszeitraum dauert von 2019 bis 2022.

Die Gebührenunterschiede sind groß

Während der Landkreisbürger, der über keinen eigenen Komposthaufen verfügt, für die typische Kombination aus 60-Liter-Restmülltonne und 240-Liter-Papiertonne 14,51 Euro monatlich zahlt, muss sein Nachbar in Amberg-Sulzbach 8,25 Euro berappen. Im Landkreis Neumarkt werden fünf Euro im Monat fällig, plus vier Euro zusätzlich für die Biotonne. Diese ist im Nürnberger Land bereits im genannten Tarif beinhaltet. In Amberg-Sulzbach gibt es kein eigenes Biotonnen-System, sondern Sammelstellen für organische Abfälle.

Laut Sachgebietsleiter Oberleiter liegen die Preisunterschiede auch am unterschiedlichen Service, weshalb Vergleiche für ihn hinken. Ein weiteres Beispiel: Im Nürnberger Land werden dem Bürger alle Gefäße gestellt, ab 2019 voraussichtlich auch die großen 700- und 1100-Liter-Container. In Neumarkt und Amberg-Sulzbach müssen Restmülltonnen selbst beschafft werden. Außerdem, berichtet Oberleiter, stünden in den beiden Vergleichslandkreisen Gebühren­erhöhungen an.

Wertstoffhöfe Neunkirchen und Altdorf werden erweitert

Ein großer Kostenfaktor für den Landkreis sind notwendige Erweiterungen der Wertstoffhöfe in Neunkirchen und Altdorf. Beide seien, heißt es aus dem Sachgebiet Abfallwirtschaft, an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Für den Ausbau fallen in Altdorf einer ersten Schätzung zufolge 1,07 Millionen an, in Neunkirchen dürften es 3,2 Millionen Euro werden. Hier hat der Landkreis bereits eine 3000 Quadratmeter große Erweiterungsfläche gekauft.
Weil die Bauarbeiten eigentlich schon für den Zeitraum 2015 bis 2019 vorgesehen waren, gibt es bereits ausreichend hohe Rücklagen. Das ist ein weiteres Argument für konstante Gebühren.

Stimmt der Kreistag der Beschluss­empfehlung zu, wird die kostenlose Sammlung landwirtschaftlicher Folien ab nächstem Jahr nicht mehr angeboten, Bauern müssen dann selbst zum Wertstoffhof fahren. Außerdem steigt der Preis für zusätzliche Restmüllsäcke von 2,50 Euro auf dann vier Euro.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel