Auftakt-Veranstaltung zur Woche der Sonne

Mit dem Stecker an die Garagen-Tankstelle

Da wird der Nissan Leaf betankt. An der Schnellladestation dauert die Akku-Ladung 30 Minuten. Der Wagen hat 250 Kilometer Reichweite. | Foto: Blinten2016/06/e-auto.jpg

SCHWARZENBRUCK – E-Mobilität war das große Thema beim Auftakt zur Woche der Sonne in Schwarzenbruck. Auf dem Plärrer standen Elektro-Autos, -Motorräder und -Fahrräder für Probefahrten bereit. Viele Besucher nutzten gerne das Angebot und drehten mit den lautlosen Fahrzeugen ein paar Runden im Ort.

Ein Knopfdruck und der Wagen startet. Moment mal. Läuft der Motor wirklich? Er läuft, bestätigt Dr. Dieter Schiel, der mich zur Probefahrt in seinem nagelneuen Nissan Leaf eingeladen hat. Der Wagen rollt lautlos aus der Parklücke auf dem Plärrer-Parkplatz, ich schalte an der Mittelkonsole von rückwärts auf vorwärts und los gehts. Über die Hauptstraße mit Tempo 30. Fußgänger nehmen die Annäherung des Fahrzeugs nur über dessen Rollgeräusche wahr. Deshalb  bieten viele Hersteller von E-Autos einen leisen Summton zum Einschalten an, wenn man innerorts langsam unterwegs ist.

An der Obi-Kreuzung fahren wir auf die B 8, der Wagen reagiert erstaunlich spritzig, wenn ich Gas gebe. Ohne Getriebe braucht er keine Gangschaltung, wie beim Automatikfahrzeug gibt es im Fußraum nur Brems- und Gaspedal. Fahren ist so einfach wie in einem Autoscooter.

250 Kilometer Reichweite

Der neue Wagen der Schiels hat mit geladenem Akku eine Reichweite von 250 Kilometern. Dann muss er an die Steckdose. Ist eine Schnellladestation verfügbar, kann es schon nach 30 Minuten Ladezeit weitergehen. „Ich kann also eine Tasse Kaffee trinken, während mein Fahrzeug vollgetankt wird, ideal“, sagt Dieter Schiel. Der Wagen kostet je nach Ausstattung und Finanzierungsmodell um die 30.000 Euro. Dazu gibt es 5000 Euro „Elektro-Bonus“.

Bevor die Besucher der Veranstaltung in Schwarzenbruck ihre Probefahrten unternahmen, nutzten viele die Gelegenheit zur Information bei Maschinenbauingenieur Christian Dürschner, der die verschiedenen Antriebskonzepte erläuterte. Sein Rückblick in die Geschichte warf die Frage auf, warum sich eigentlich das Elektrofahrzeug in der Entwicklung nicht gegen das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor durchsetzen konnte. Das erste E-Auto wurde bereits 50 Jahre vor dem ersten Verbrennungsmotor erfunden: 1839 fuhr der Schotte Robert Anderson schon mit einem E-Auto herum. 1899 wurde dann der 100 km/h Geschwindigkeitsrekord von einem E-Auto geknackt. Bis in die 20er Jahre hinein erlebten Elektromobile eine regelrechte Blütezeit – auch weil sie einfacher zu fahren und vor allem kinderleicht per Knopfdruck zu starten waren. Der Fahrer eines Benziners musste immer mit einem Start-Schwengel umständlich den Motor anwerfen. Dazu braucht er eine gehörige Portion Kraft. Henry Ford, der die erste Massenproduktion von benzingetriebenen Pkw mit seiner Tin-Lizzy in Gang setzte, fuhr privat ein Elektro-Auto. In den 20er Jahren gab es in öffentlichen Fuhrparks elektrisch getriebene Kehrmaschinen, Feuerwehrfahrzeuge fuhren mit Elektroantrieben, und in Berlin gab es hunderte von Eletrodroschken und Paketpostwagen. In England wurden sämtliche Milchlieferwagen auf Elektroantrieb umgestellt – die fahren übrigens bis heute mit Strom.

E-Mobile auf dem Mond

In der Raumfahrt wurden später ebenfalls Elektrofahrzeuge eingesetzt: Drei E-Mobile rollten bei den Apollomissionen über die Mondoberfläche, und in den 2000er Jahren schickte die Nasa elektrisch angetrieben Fahrzeuge auf den Mars.

Und wann ist es auf der Erde so weit, dass nur noch E-Fahrzeuge unterwegs sind? Weltweit gibt es 800 Millionen Pkw, 45 Millionen allein in Deutschland. Hier hat die Politik das ehrgeizige Ziel, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Derzeit fahren nur 25.000 E-Pkw auf deutschen Straßen herum. Das Millionen-Ziel lässt sich vielleicht dann erreichen, wenn auch noch das letzte E-Bike mitgezählt wird.

Wer hat die Nase vorn?

Jedenfalls hat derzeit bereits der Wettbewerb darum begonnen, wer am Ende das größte Stück vom E-Mobil-Kuchen abbekommt: Wer baut in den kommenden Jahrzehnten die meisten Fahrzeuge: Die Europäer? Tesla? Google? Apple? Oder doch die Chinesen?

In Europa war die E-Mobilität in der Vergangenheit auch innerhalb der Autokonzerne immer wieder großes Thema. Bei E-T-A in Altdorf etwa hat man Anfang der 70er Jahre bereits an der Entwicklung elektrischer Antriebe gearbeitet. Der Bote veröffentlichte 1972 darüber einen Beitrag, in dem darüber spekuliert wird, dass bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts innerhalb der deutschen Großstädte nur noch elektrisch getriebene Fahrzeuge unterwegs sein werden.

Dann kam alles ganz anders. Bei Mercedes allerdings blieb man in Sachen E-Mobilität immer dran. So war die erste A-Klasse ursprünglich als E-Mobil geplant. Deshalb ging der legendäre Elch-Test in Schweden seinerzeit schief. Der Wagen kippte in der Kurve um, weil im Zentrum der Karosserie, unterhalb der Sitze, die ursprünglich geplanten Batterie-Elemente für den E-Antrieb fehlten und das Auto als Benziner mit einem falschen Schwerpunkt auf die Straße kam.

Auf dem Plärrer waren neben ausstellenden Firmen mit E-Autos, E-Fahrrädern und E-Motorrädern auch die Energie-Agentur ENA und die Gemeindewerke Schwarzenbruck mit Infoständen präsent.

„Ihr seid Impulsgeber“

Stefan Holl von der Agenda 21 eröffnete zusammen mit Bürgermeister Bernd Ernstberger und Landrat Armin Kroder die Veranstaltung in Schwarzenbruck und heimste stellvertretend für die Gruppe Lob vom Rathauschef und von Kroder ein. Seit zehn Jahren gibt es nun die Woche der Sonne, und Schwarzenbruck ist mit seiner Agenda 21 seit Beginn an engagiert. „Ihr seid Impulsgeber“, sagte Ersntberger. Und Kroder bezeichnete die rührigen Schwarzenbrucker als Speerspitze im Landkreis. Der Landrat wies auch darauf hin, dass Ladetechnik und Stecker für Elektro-Autos von der Laufer Firma ABL Sursum entwickelt wurden, hergestellt und weltweit vertrieben werden.

„Haben wir auch daheim“, bestätigt Dieter Schiel, der die „Tankstelle“ für sein Auto zu Hause in der Garage hat.

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