Nähen für guten Zweck

Maske statt Schlabberlätzchen

Nähen, was das Zeug hält. Freiwillige Näherinnen wie Barbara Wild legen sich ins Zeug, damit die Mitarbeiter des Intensiv-Pflegedienstes zumindest einen gewissen Schutz bei ihrer Arbeit erfahren dürfen. | Foto: PEPELJNJAK/stock.adobe.com2020/03/NL-Mundschutz-Adobe-scaled.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Ein hilfsbereites Netz an freiwilligen Näherinnen fertigt Gesichtsschutzmasken
 für einen Intensiv-Pflegedienst, dem die Schutzvorkehrungen ausgehen. Nachahmer werden gesucht.

In der Krise rücken die Leute näher zusammen. Keine neue Weisheit, aber eine, die sich auch in der aktuellen Situation bewahrheitet: Statt Baby-Klamotten, Vorhänge oder Maßgarderobe zu nähen, setzen sich derzeit Freizeit- und Profi-Näherinnen an ihre Maschinen und fertigen Mund-Nasen-Schutz-Masken für den Pflegebereich um die Wette. Das wichtige Utensil ist knapp, die Hersteller-Firmen und Exporte aus dem Ausland kommen mit dem Liefern nicht hinterher, aber der Bedarf explodiert.

Barbara Wild aus Engelthal ist eine der Unterstützerinnen, tatsächlich sogar eine gelernte Schneiderin, die vor etwa 30 Jahren den Beruf des „Bekleidungsfertigers“ gelernt hat. „Doch den braucht man nicht mehr, weil ja alles im Ausland genäht wird“, bedauert sie. Umso mehr hat sie sich vom Aufruf der Intensivpflegedienst Hoffnung durch Pflege GmbH mit Sitz in Ansbach angesprochen gefühlt, den ihre Tochter auf Facebook entdeckt hat. Dort hat man auf Initiative von Christine Schuy, die in der Organisation für Hygiene und Arbeitsschutz zuständig ist, dazu aufgerufen, die gefragten Infektionsschutztücher auf privater Basis zu nähen. „Wir brauchen etwa 1000 Masken“, so Schuy, die sich über die überwältigende Resonanz freut: „Über 20 Mitarbeiter und Externe haben sich gemeldet, sie nähen in ihrer Freizeit und ehrenamtlich nun Masken.“ Auch Barbara Wild wandte sich an Katrin Baltzer, die Leiterin des Pflege-Dienstes, und war ganz schnell Mitglied des Teams.

Organisation über WhatsApp

Die Näherinnen haben sich in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen, in der man die Arbeit organisiert und sich über Schnitte, Stoffe und Technik austauscht. Schuy begleitet sie in ihrer Funktion als Hygiene-Fachkraft und berät die Ehrenamtlichen. Denn ein paar Vorgaben müssen dabei beachtet werden, damit die handwerklich hergestellten Masken auch ihre Funktion erfüllen: „Genäht wird mit dem, was da ist: alte Bettwäche, T-Shirts, Tischdecken … egal, ob Kinderbettwäsche oder rosa Damast aus den 50ern. Einzig: Der Stoff darf nicht zu dünn oder zu dick sein und muss vor allem kochfest und heiß zu bügeln sein, damit man die Masken auch hygienisch aufbereiten kann.“

Denn der Intensiv-Pflegedienst kümmert sich um Klienten, die abgesaugt werden müssen und dabei keimbelastetes Sekret absondern, vor dem sich die Pfleger schützen müssen. Normalerweise gibt es hierfür hochwertige Spezialmasken für die Mitarbeiter, die aber eben zur Neige gehen. „Aber was sollen wir machen, wenn uns die richtigen Masken demnächst ausgehen und nicht rechtzeitig nachgeliefert werden?“, fragt die Hygiene-Beauftragte. „Wir müssen unseren Mitarbeitern ja trotzdem etwas zur Verfügung stellen, was wie eine Barriere zwischen dem Absaugvorgang und dem eigenen Mund und Nase wirkt.“ Deshalb werden nun die Masken in Eigenregie genäht, die man aber, so betont Schuy, eben unbedingt so waschen können muss, dass daran anhaftende Krankheitserreger zuverlässig abgetötet werden, also auf 90 Grad.

Wer wäscht Masken?

Die Engelthalerin Wild ist seit letzter Woche eifrig bei der Sache. 40 Stück sind schon fertig, gerade bereitet die 48-Jährige die Bänder für die nächsten 50 vor, die mit Hilfe einer Bekannten aus dem Ort entstehen. Für die weiteren Arbeitsschritte gibt es schon den nächsten Aufruf auf Facebook, der Freiwillige ansprechen will, die bereit sind, zu waschen und zu bügeln. „Die 1000 Stück, die die Diakonie braucht, kriegen sie zusammen“, ist Wild sicher. Und wenn diese Hausnummer erreicht ist, geht es wohl weiter, denn sie wurde schon von anderen Pflegediensten angeschrieben, ob sie denn gewillt sei, sich auch für die zu engagieren. Ehrensache für die 48-Jährige, die auch an weitere Hobbynäherinnen appelliert, statt der beliebten Baby-Pumphosen, Dreieckstücher und Schlabberlätzchen nun besser Mund-Nasen-Schutz-Masken zu schneidern. „Wenn da jede nur zehn anfertigt, ist schon viel geholfen“, rechnet sie aus.

Als Grund für ihr Engagement nennt sie ihr Verständnis für die aktuelle Notlage im medizinischen Bereich. Aus ihrem eigenen familiären Umfeld weiß sie, wie empfindlich Menschen mit Vorerkrankungen sein können, außerdem macht ihr das Nähen immer noch Spaß. Und so hat sie schon wieder einen Aufruf im Internet gestartet: Mehr Stoff muss her. Ideal ist Baumwollbettwäsche, aber auch jedes andere Gewebe, das kochfest ist, wird verarbeitet. Und nicht nur mehr Stoff, sondern auch weitere Näherinnen, gern auch Näher, werden zur Beseitigung des Versorgungsengpasses benötigt. Interessierte melden sich unter: Barbara Wild, Telefon 0173/3901829.

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