Wilder Müll nimmt zu

Manche scheren sich einen Dreck um ihren Dreck

Sieben Bilder, wie sie die PZ zurzeit mehrmals in der Woche erreichen: unerlaubt entsorgter Müll an Glascontainer-Stellplätzen, mitten im Wald oder sogar neben dem Spielplatz. Die einzelnen Fotos entstanden in Schnaittach, Neunkirchen und Lauf. | Foto: Schuster; Privat. Montage: Filler2021/03/mullproblem-collage-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Macht Corona Menschen zu Müllsündern? Fakt ist: Die Fälle von „wild“ entsorgtem Abfall an Glascontainern und im Wald haben in der Pandemie zugenommen. Die Bauhof-Mitarbeiter kommen mit dem Aufräumen kaum hinterher.

„Wir könnten fast täglich die Container abfahren“, sagt Thomas Bleisteiner, der Leiter des Laufer Bauhofs, und schnauft hörbar durch. Sammelten seine Leute früher an den innerstädtischen Glascontainern einmal pro Woche den verbotenerweise abgestellten Sperrmüll ein, so müssen sie inzwischen an manchen Stellen zweimal pro Woche ran, um Farbkübel, Elektrogeräte oder Matratzen aufzuladen und zur Kreismülldeponie zu bringen. „Unsere Sammelbehälter reichen dafür schon lang nicht mehr aus“, meint Bleisteiner. Ein Kampf gegen Windmühlen, denn manchmal stehe schon am nächsten Tag wieder alles voll.

Davon kann auch Neunkirchens Bürgermeister Jens Fankhänel ein Lied singen. Jeden Donnerstag macht der Bauhof an den Glascontainern sauber, „nach zwei bis drei Tagen liegt wieder was da“. Zweimal konnte man zuletzt „Müllsünder“ ermitteln. „Aber das sind Glückstreffer.“ Ein großer Problemfall ist in Neunkirchen der Parkplatz am Bahnhof, wo sich in abgemeldeten Autos und auf einem abgestellten Hänger Berge von Müllsäcken türmen. Zwar hat die Gemeinde das Gelände gekauft, zuständig ist aber laut Fankhänel noch die Bahn. Man stehe mit dem Unternehmen im Kontakt deshalb, die kostspielige Müllentsorgung sei nicht Aufgabe der Gemeindemitarbeiter.

Illegale Müllablagerungen werden zum Problem

Ein Riesenproblem, allerdings nicht erst seit Corona, sei die illegale Müll­ablagerung in Röthenbach, meint der dortige Bauhofleiter Thomas Müller-Rühl. Motorblöcke, ja ganze Küchen finden seine Mitarbeiter speziell an den Altglas- und Altmetallcontainern. Schwerpunkte sind der Freibad- und der Obi-Parkplatz. In das eigentlich vorgesehene kleine Fahrzeug für die Straßenreinigung passe der ganze Unrat nicht mehr hinein. „Die Bevölkerung müsste mehr sensibilisiert sein für das Problem“, findet Müller-Rühl. Sprich: nicht wegschauen, sondern Müllsünder ansprechen und auch bei der Polizei oder beim Landratsamt melden.

„Das ist kein Kavaliersdelikt“, pflichtet Edwin Düthorn bei, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Lauf, wo im letzten halben Jahr zehn Anzeigen wegen unerlaubter Müllentsorgung eingingen. Vor allem handelte es sich dabei um Fälle, wo Eternit-Platten einfach im Wald abgelagert wurden. Um Verursacher zu ermitteln, müssen Polizisten schon mal im Müll wühlen. „Die Kollegen suchen natürlich nach Anhaltspunkten, etwa Dokumenten mit Adressen. Manchmal werden sie auch fündig“, so Düthorn.

Beim Landratsamt wird illegale Müllentsorgung ebenfalls gemeldet und verfolgt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Waren es 2018 und 2019 130 beziehungsweise 133 Fälle, wurde die Behörde 2020 168 Mal wegen Unrat in Wald und Flur eingeschaltet. Wegen des Lockdowns habe ein „Run“ auf die Natur stattgefunden, der hinterlassene Müll sei leider eine negative Folge, so Pressesprecher Rolf List.

Ständig volle Mülleimer

Ein Problem, mit dem auch Leinburg zu kämpfen hat. Nicht nur an den Altglascontainern – und hier besonders am Busparkplatz hinter der Diepersdorfer Schule – werde der Unrat entsorgt, auch die gemeindlichen Mülleimer seien ständig voll, so Bürgermeister Thomas Kraußer „Statt 14-tägig leert sie der Bauhof jetzt jede Woche“. Auf dem Radweg nach Winn hätten Privatleute vier Säcke mit Abfall zusammengesammelt. Kraußer verweist auf den gemeindeeigenen Wertstoffhof der Kategorie B, der ganz normal geöffnet ist, und auf die Möglichkeit der Sperrmüllabholung. „Wer seinen Unrat legal entsorgen will, hat genug Möglichkeiten.“


Wer allerdings Sperrmüll, Elektrogeräte, Bauschutt und anderes am Kreis-Wertstoffhof A in Neunkirchen loswerden möchte, braucht dafür nach wie vor einen Termin. Tatsächlich verringerte sich hier die Menge des abgegebenen Mülls von 17 988 Tonnen im Jahr 2019 (was jedoch ein Spitzenwert war) auf 14 918 Tonnen 2020. Ab Mitte März 2020 war der Wertstoffhof für private Anlieferungen rund vier Wochen ganz geschlossen. Außerdem finden dort Baumaßnahmen statt, was die Betriebszeiten zusätzlich reduziert.

In den eingeschränkten Öffnungszeiten dort den Hauptgrund für das zunehmende „wilde“ Müllproblem zu sehen, greift laut Pressesprecher Rolf List aber zu kurz. Denn auf der anderen Seite hätten die gemeindlichen Wertstoffhöfe ihre Kapazitäten oft ausgeweitet. Außerdem sei deutlich häufiger Sperrmüll beantragt worden: Von 11 500 im Jahr 2019 erhöhte sich die Zahl der Anträge 2020 auf 14 000.

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