Nur „Wahlkampfthema“ß

Luftfilter: Kreisräte sind skeptisch

130 Kilo wiegen die nicht gerade dezenten mobilen Raumluftfilter. Ob sie in einem Klassenzimmer die Virenlast maßgeblich senken, ist unklar. | Foto: Hippel2021/07/luftfilter-in-der-schule-nn-archiv-scaled.jpg

Nürnberger Land. Mobile Raumluftfilter in Schulen und Kitas – dieses Thema beschäftigt im Moment alle Kommunen im Nürnberger Land (die PZ berichtete) und auch den Landkreis selbst, als Träger der weiterführenden Schulen. Aufgrund der Brisanz des Beschlusses – alle Schulräume sollen nach dem Willen des Bayerischen Kabinetts zum Schulbeginn mit Filtern ausgestattet sein – wurde das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung des Kreisausschusses am vergangenen Montag gesetzt.

Kreiskämmerer Werner Rapp präsentierte einen Sachstandsbericht zur Information der Räte. Dieser listet auf, dass in sieben von zwölf Schulen, die vom Landkreis getragen werden, wie zum Beispiel die Realschule Röthenbach, noch keine Art von Luftreinigung eingebaut ist.
In neueren Schulen, wie dem Gymnasium Altdorf, sorgen „Raumlufttechnische Anlagen“ (RLT) für die Zufuhr von Frischluft und das Absaugen der Aerosole inklusive Bakterien und Viren. Insgesamt zählt das Amt 626 Schulräume, zieht man die Räume mit RLT ab, bleiben 378 Räume. Laut Rapp sind die zwei Maximalpositionen, die völlige Ablehnung der Filterkästen oder die Ausstattung aller rund 600 Schulräume. Ein Mittelweg könne die Ausstattung der Räume ohne technische Anlagen sein.

Keine Studien zur Wirksamkeit

Noch im Mai hatte der Kreistag die Anschaffung mobiler Filter abgelehnt. Damals orientierten sich die Räte an der Einschätzung des Umweltbundesamtes, das die Filter nur als Ersatzmaßnahme empfiehlt, falls regelmäßiges Lüften oder die Installation technischer Anlagen nicht möglich ist.

Es liegen laut dem Umweltbundesamt keine belastbaren Studien vor, die die Wirksamkeit der Raumluftfilter unter realen Bedingungen, also im Klassenzimmer, belegen. „Diese Einschätzung ist unseres Wissens immer noch aktuell“, sagte Rapp. In ganz Bayern seien die Schulen bisher vorsichtig mit mobilen Filtern, unter zehn Prozent der Räume seien mit ihnen ausgestattet. Noch habe der Freistaat sowohl Fragen zur Förderung als auch das nötige Vorgehen in Sachen Ausschreibung nicht geklärt. Zu den möglichen Kosten präsentierte Rapp geschätzte Zahlen. Allein die Ausstattung aller 600 Räume würde den Landkreis – ohne die nötige Planung durch eine Fachfirma – 2,4 Millionen Euro kosten. Für Wartung und Betrieb seien pro Jahr um die 170 000 Euro zu zahlen.

Rapp machte keinen Hehl daraus, dass eine Umsetzung der Ausstattung bis Ende September völlig unrealistisch ist. Außerdem seien Fachfirmen nicht erpicht darauf, Schulräume auf ihre Eignung für Luftfilter zu prüfen. „Die Studien widersprechen sich und die Fachfirmen wissen nicht, nach welchen Anforderungen sie sich überhaupt richten sollen.“

Im Verlauf der anschließenden Diskussion äußerten mehrere Kreisräte ihren Unmut über das überfallartige Vorgehen der bayerischen Regierung. Der Burgthanner Bürgermeister Heinz Meyer (CSU) machte seine Meinung klar: „Die Filter sind ein Wahlkampfthema, nach dem 26. September wird sich das alles entspannen.“ Er bat seine Kollegen um Gelassenheit. „Bringt uns Gemeinden nicht in Zugzwang, wir können das finanziell nicht leisten.“

Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg (FW) ergänzte: „Jeder hier hat den Wunsch, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten und es geht auch nicht um jeden Euro, sondern darum, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, statt Sicherheit zu simulieren.“ Ilg wies auf eine Aussage des bayerischen Kultusministers Michael Piazolo hin: „Luftfilter sind keine Garantie für Präsenzunterricht.“

Die SPD-Kreisrätin Andrea Lipka forderte die Ausschussmitglieder dazu auf, das Thema nicht von Vornherein mit negativem Blinkwinkel anzugehen. „Wir sollten nicht bei unserem festgezurrten Beschluss bleiben. Wir müssen uns dem Thema neu stellen.“

Zum Ende der Diskussion setzten die Räte die Luftfilter auf die Tagesordnung der Kreistagssitzung am kommenden Montag. Als nächste Schritte will das Landratsamt Rücksprache mit Schulleitern und Elternbeiräten halten, Klassenräume besichtigen und offene Fragen klären.

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