Weltmeisterin im Irish Dance

Rebecca Popp ganz oben auf dem Podest: In Berlin wurde sie erneut Weltmeisterin.2011/05/poppwm2_New_1306329123.jpg

LEINBURG – Rebecca Popp aus Leinburg wurde Weltmeisterin im Irish Dance in der Altersklasse der unter 30-Jährigen. Bei der WM in Berlin verteidigte sie damit ihren Titel aus dem Vorjahr. Dieser Sieg bildete den idealen Abschluss ihrer Wettkampfkarriere, da die 27-Jährige nun nur noch als Tanzlehrerin im Einsatz ist.

Obwohl sie als amtierende Weltmeisterin in der Bundeshauptstadt antrat, sah sie sich nicht in der Favoritenrolle. „2010 in Malaga waren andere Teilnehmer am Start, und von Jahr zu Jahr ändert sich vieles. Zudem ist es auch Glücks- und Nervensache, ob man gut durch alle Tänze kommt“, beschreibt Popp die Ausgangslage.

Insgesamt zeigten etwa 150 Teilnehmer, die vor allem aus England, Irland, aber auch aus der Ukraine und Weißrussland angereist waren, ihr Können in Berlin. In der Alterklasse zwischen 25 und 30 waren es elf Starterinnen.

„Der Titelgewinn hat mich 2010 genauso überrascht wie dieses Jahr, und es ist schon ein sehr emotionaler Moment, wenn man als neue Weltmeisterin aufs Treppchen gerufen wird“, beschreibt die 27-Jährige ihre Gefühlslage.

Anstrengender Weg

Der Weg bis zum Sieg war anstrengend. Am Freitag waren die Europeans, dort musste man in den Kategorien Softshoe (sozusagen „leise Schuhe“, ähnlich wie Ballettschuhe) und Hardshoe (Steppschuhe) in den Rhythmen Slip Jig und Treble Jig tanzen und ein so genanntes Traditional Set zeigen (eine traditionelle, relativ einfache Choreographie auf eine festgelegte Melodie, die alle Teilnehmer der jeweiligen Altersgruppe tanzen). Die besten 50 Prozent durften dann noch ein so genanntes „Modern Set“, das heißt schwierige Schritte auf eine bekannte Melodie, tanzen.

Samstag war ein „ganz normaler Wettkampf“, so Popp. Hier gingen auch Tänzer auf die Bühne, die sich nicht für die Europeans und Worlds qualifiziert hatten. Am Sonntag schließlich mussten alle auf die Rhythmen „Reel“ und „Hornpipe“ tanzen sowie ein anderes „Traditional Set“ zeigen. Die besten 50 Prozent waren zudem bei einem zweiten „Modern Set“ gefordert.

Sehr intensiv hatte sich Rebecca Popp, die im Nebenberuf als Tanzlehrerin arbeitet, auf die WM im eigenen Land vorbereitet. „Ich habe nach meinen Unterrichtsstunden an sieben Tagen die Woche noch selbst trainiert und mir am Wochenende auch von verschiedenen anderen Tanzlehrern auf die Füße schauen lassen.“

Hauptberuflich arbeitet sie Vollzeit bei Siemens in Erlangen, unterrichtet allerdings jeden Abend: drei Mal die Woche in Nürnberg, sowohl im Ballettförderzentrum als auch in der Tanzfabrik, ein Mal in Regensburg und ein Mal in Neumarkt. „Am Wochenende gebe ich an verschiedenen Orten Workshops oder bilde mich selbst bei anderen Tanzlehrern fort und gebe Privatunterricht“, erzählt sie.

Rebecca Popp fühlt sich als Tanzlehrerin und hat vor, langfristig in diesem Beruf tätig zu bleiben und mehr Schüler zu gewinnen. „Dabei möchte ich künftig vor allem mehr Kinder und Jugendliche ansprechen, da Irish Dance ein Sport ist, der für sie eigentlich sogar besser geeignet ist als für Erwachsene. Willkommen sind aber alle Altersgruppen.“

Früh vom Tanzfieber gepackt

Schon mit vier Jahren hatte sie mit Ballett begonnen und sich als Kind und Jugendliche durch verschiedene Tanzstile „gearbeitet“. „Neben Jazz und Ballett habe ich auch amerikanischen Stepptanz und Hip Hop ausprobiert, bis ich schließlich beim Kunstturnen hängengeblieben bin und mich damit ein paar Jahre vergnügt habe“, erinnert sie sich an die Anfänge.

Aber schließlich hat es sie dann doch wieder zum Tanzen gezogen. 2003 entdeckte Popp den Irischen Tanz für sich, der seither nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken ist. „Von Anfang an hat mich die Musik hierbei begeistert, die einfach fröhlich und mitreißend ist. Aber auch die Tatsache, dass man sich beim Tanzen richtig auspowern kann, hat mich schon immer angesprochen.“

Neben dem guten Basisunterricht an der Tanzfabrik lernte die 27-Jährige Irischen Tanz vor allem im Rahmen von Workshops. Seit 2006 ist sie nun an der Scoil Rince Celtus in Duisburg und Dortmund bei Sean Gavan, bei dem sie regelmäßig an Workshops und Unterrichtsstunden teilnimmt. „Dort habe ich fast alles gelernt, was ich über Irischen Tanz weiß“, sagt sie.

Gavan ist der Gründer der World of Irish Dance Association, also der Organisation, die auch die WM ausgetragen hat. Als Tanzlehrer gibt er regelmäßig Workshops in ganz Europa. Er war einer derjenigen, die den Irischen Tanz als Sportart auf dem europäischen Festland überhaupt erst populär gemacht haben. Bei den World Championships in Berlin bewies er sein Können mit sieben Titeln in den Solo- und Gruppentänzen.

Alternative zum Samba

Der Irische Tanz ließ Rebecca Popp auch während eines einjährigen Aufenthalts in Brasilien nicht los. Sie vermisste ihn so sehr, dass sie begann, ihn in diesem südamerikanischen Land, das eher für Samba bekannt ist, anderen Tanzbegeisterten beizubringen. Wieder zurück in Deutschland wollte sie das Unterrichten nicht mehr missen und gibt seit dem Jahr 2008 Stunden.

All ihre Mühen und Trainingseinheiten haben sich gelohnt: Der erneute WM-Titel war ein optimaler Abschluss ihrer Wettkampfkarriere. Denn als ausgebildete Tanzlehrerin – die erforderlichen Prüfungen absolvierte sie direkt vor der Weltmeisterschaft in Berlin – darf sie an weiteren Titelkämpfen nicht mehr teilnehmen.

M.R.

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