Sonja Fischer holte Weltmeister-Titel

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DIEPERSDORF — Sonja Fischer ist Weltmeister. Das dreiköpfige deutsche Nationalteam der Friseure, zu dem die Diepersdorferin seit sechs Jahren gehört, holte bei der WM in Chicago, an der sich 52 Nationen beteiligten, Gold. Das letzte Mal war der Titel vor 20 Jahren nach Deutschland gegangen.
Als einzige ihres Teams hatte sich Sonja Fischer gleichzeitig für die Einzelwertung Full Fashion Look angemeldet, eine Kategorie, bei der das Modell von Kopf bis Fuß und in Bewegung auf dem Laufsteg bewertet wird. Hier holte sie mit ihrem Modell, dem 15-jährigen Manuel Zänger von der Röthenbacher Geschwister-Scholl-Hauptschule, Silber. Erster wurde mit nur einem Punkt Vorsprung ein Italiener. Sie ist damit der erste deutsche Friseur überhaupt, der gleichzeitig Weltmeister im Team und Vize-Weltmeister Full Fashion wurde.
Bereits im Mai 2007 hatte Sonja Fischer den höchsten Einzeltitel der Welt erreicht: Europacup-Champion of the World. An der WM, die zweijährig stattfindet, hatte sie nur deswegen noch einmal teilgenommen, weil der Nationaltrainer sie ausdrücklich darum gebeten hatte. Im Team war sie Kapitän und prägte auch maßgeblich die Frisur, die alle drei Modelle in Chigago präsentierten.
So ganz kann sie ihr Glück noch gar nicht fassen, denn die Anstrengungen der letzten beiden Wochen stecken ihr in den Knochen: vier Tage hartes Abschluss-Training im Wella-Studio in Darmstadt, der neunstündige Flug an den Michigan-See, weiteres Trainieren und Nachfärben im Hotel, schlaflos-aufgeregte Nächte vor den Wettbewerben. Hinzu kam: Am Abend vor dem Abflug hatte sie sich bei ihrem letzten Kunden so böse in den Finger geschnitten, dass der Leinburger Arzt Dr. Gossler sie noch auf die Schnelle nähen musste. Mit einem verbundenen Finger und einer Packung Schmerztabletten war sie ins Flugzeug gestiegen.
„Ich hatte Herzflattern und war einfach nur erleichtert“, beschreibt Sonja Fischer, eben von Chicago zurückgekehrt, ihr Gefühl, als bei der Siegerehrung der Moderator ganz zum Schluss „The new World-Champion is Germany“ brüllte. „Wir im Team haben uns dann nur starr angeschaut. Wir waren unter Schock und gleichzeitig voller Freude.“ Fremde Menschen klopften ihr auf die Schultern, erzählt sie, und sagten, es sei unglaublich, dass man mit einem verletzten Finger so arbeiten könne. „Es war aber auch wirklich die Hölle.“ Fünf Tage war sie in Chicago, viel gesehen hat sie nicht von der Stadt. „Einmal im Hard Rock Café Hamburger essen und Cocktail trinken, und kurz vor dem Rückflug auf dem Sears-Tower.“
Immerhin hatte sie von ihrem Hotelzimmer aus einen Blick auf das Wolkenkratzermeer und den Michigan-See, schmunzelt Sonja Fischer, die unmittelbar nach der Landung in Nürnberg ihre Arbeit im Salon wieder aufnahm. Dort geben sich mittlerweile die Gratulanten die Klinke in die Hand: Viele langjährige Stammkunden freuen sich mit „ihrer“ Star-Friseurin und bringen Blumen vorbei.
Bürgermeister Joachim Lang und Landrat Helmut Reich hatten gestern ebenfalls einen Strauß im Gepäck. „Sie machen unsere Region und diese Gemeinde bekannt“, bedankten sich die beiden bei Sonja Fischer. Denn: „Einen Weltmeister hatten wir noch nie in Diepersdorf“, wie Lang es formulierte.

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