Regina Fischer

Mit 80 noch an der Schere

Friseurmeisterin Regina Fischer arbeitet an Katharina Bocks Brautfrisur. | Foto: SF de luxe2019/09/Diepersdorf-Friseur-Fischer-80.jpg

DIEPERSDORF – 2019 feiert Deutschland 100 Jahre Wahlrecht für Frauen. Und in Diepersdorf feiert Regina Fischer ihren 80. Geburtstag. Eine Frau, die nie viel über Gleichstellung und Emanzipation gesprochen hat, aber ihr Leben lang danach und dafür gelebt hat. Sie hat einfach mal Gleichstellung gemacht und das in einer Zeit, als Frauen noch die Unterschrift ihres Mannes brauchten, um überhaupt arbeiten gehen zu dürfen.

In der Nachkriegszeit besuchte die kleine Gina die Volksschule in Diepersdorf, half brav in Haus und Garten oder auf dem Acker, brachte stets sehr gute Noten und besuchte mit Freude den Englischunterricht in Leinburg. Später machte Fischer ihre Lehre im örtlichen Friseurladen, ging in Lauf zur Berufsschule, stach mit ihrer Kreativität heraus und ein Lehrer meinte, sie hätte absolut das Zeug zur Preiskämmerin. So nannte man damals Wettbewerbsfriseure, die an Meisterschaften teilnahmen.

Erst Hochzeit, dann Meisterschule

Mit 15 Jahren lernte sie ihren Mann Hans Fischer kennen, ein Bauernsohn aus Leinburg, der in Nürnberg als Schriftsetzer in einer Verlags-Druckerei arbeitete und Frauen nicht nur mit „Kirche, Küche, Kinder“ assoziierte. Mit 21 Jahren heiratete Regina ihren vier Jahre älteren Hans und meldete sich auch gleich in der Meisterschule in Forchheim an. Auch ihre beiden Kinder Wolfgang und Sonja, die beide Friseure wurden, machten dort Jahre später ihre Meisterschule.

Die Anfänge in der heimischen Küche

In der Küche ihres Elternhauses fing sie mit einem kleinen Friseurladen an, aber schon bald kaufte sie sich mit ihrem Mann eine Straße weiter ein Grundstück und baute ein Haus mit einem, für damalige Verhältnisse, sehr großen Salon und richtete diesen ein, wie Salons in der Stadt aussahen. Die Buchhaltung nahm sie freilich selbst in die Hand und schwor sich, niemals von einem Mann finanziell abhängig zu werden.

Bis zum heutigen Tag ist die Friseurin bekannt für ihre Hochsteck-Frisuren zu besonderen Anlässen. Sie kauft oder baut Immobilien und kontrolliert selbst vor Ort, dass auf der Baustelle alles nach Plan läuft. „Häuser planen ist wie Frisuren kreieren: Statik, Formen, Optik, mathematisches Denken – eine Symbiose aus Kunst und Mathematik“, findet sie.

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