Klärwerk kommt Leinburgern teuer

Eine Komplett-Sanierung steht an: Die Kläranlage am südwestlichen Diepersdorfer Ortsrand. Foto: Buchner-Freiberger2012/02/38926_klaeranlagediepbelebungsbecken_New_1330441264.jpg

DIEPERSDORF — „Da kommt was auf uns zu.“ Der Schlusssatz von Bürgermeister Lang nach der Sitzung des Leinburger Gemeinderats am Montag fasste die Stimmung zusammen. Kurz zuvor waren die Räte informiert worden, dass die Sanierung der 20 Jahre alten Diepersdorfer Kläranlage unumgänglich ist und mit rund fünf Millionen Euro zu Buche schlagen wird – zusätzlich zu 4,7 Millionen Euro, die ohnehin in den nächsten Jahre für die Instandsetzung des maroden Kanalsystems fällig werden.

Finanzieren müssen all diese Maßnahmen die rund 6500 Leinburger, denn laut Gesetz ist die Gemeinde verpflichtet, Sanierungen im Abwasserbereich auf die Bürger umzulegen: sei es in Form einer Ergänzungsabgabe, sei es durch die Erhöhung der Abwassergebühren oder durch eine Kombination aus beidem. Das „Wie“ war in der Sitzung aber noch kein Thema, im Mittelpunkt stand vielmehr eine umfassende Information der Gemeinderäte durch Michael Rekitt von der Ingenieurgesellschaft Richter und Michael Steinbauer von der Partner-Firma „Steinbauer Consult“.

Und dabei machte sich im Saal ziemliche Ernüchterung breit. Denn die „Mängelliste“ an der Kläranlage am südwestlichen Ortsrand von Diepersdorf ist lang: Die Rohre und Belüfterkerzen im Belebungsbecken sind laut Michael Steinbauer „am Ende“. Die Folge: Es wird zu viel Luft eingepumpt, was wiederum zu einem hohen Energieverlust führt. Der Beton an der Umrandung des Nachklärbeckens ist durch das aggressive Abwasser korrodiert, die Schlammpumpe funktioniert nicht mehr. Für die Belüftungsaggregate ist im Keller des Betriebsgebäudes viel zu wenig Platz, die Schaltwarte ist komplett veraltet und, und, und…

Die technischen Mängel sind aber nicht das einzige Problem. Vielmehr arbeitet die 20 Jahre alte Kläranlage, in die das Abwasser aller Leinburger Ortsteile eingeleitet wird, bevor es gesäubert in den Finsterbach abgegeben wird, auch von den Kapazitäten her am Limit. Ausgelegt ist sie auf knapp 9000 „Einwohnergleichwerte“. Eine Größe, die sich aus dem Verbrauch sowohl der Privathaushalte als auch der Industrie- und Gewerbetriebe zusammensetzt. Dieses Maximum ist derzeit fast erreicht, die daraus resultierenden Probleme machen sich vor allem im Nachklärbecken bemerkbar. Es ist nicht tief genug, die Sedimente können sich nicht richtig absetzen.

Und: Leinburg wächst. Besonders in Diepersdorfs Neubaugebieten wird zurzeit rege gebaut. Noch stärker wirkt sich jedoch die Abwassereinleitung durch die Bolta-Werke aus. Mit der Fertigstellung des neuen Werks IV erwartet man von dem Unternehmen 50 000 Kubikmeter Abwasser pro Jahr – zusätzlich, wohlgemerkt. Denn insgesamt wird Bolta dann 180 000 Kubikmeter einleiten. Das ist ein knappes Drittel der gesamten Leinburger Abwassermenge, die bei etwa 650 000 Kubikmetern liegt. „Aber wir müssen das auch positiv sehen, denn schließlich ist die Bolta damit bei weitem unser größter Wasser-Kunde“, betonte Bürgermeister Joachim Lang.

Die Werte des geklärten Abwassers, das machte Referent Michael Steinbauer deutlich, sind in Diepersdorf nach wie vor sehr gut. Wegen der veralteten Anlagen müsse man jedoch jederzeit mit einem kompletten Betriebsausfall rechnen. „Deshalb haben wir keine Wahl. Wir müssen die Sanierung schnellstmöglich angehen“, so Joachim Lang. Auch weil das „Wasserrecht“ für Leinburg, das immer für 20 Jahre erteilt wird, im November vergangenen Jahres ausgelaufen ist. Die vorgeschriebene Überprüfung sei mit dem „TÜV“ beim Auto vergleichbar.

Michael Steinbauer schlug den Gemeinderäten vor, im Rahmen der Sanierung unter anderem eine zweite „Abwasserstraße“ (mit Belebungs- und Nachklärbecken) zu bauen. Dies sei zum einen nötig, um die Kapazitäten auf 12 000 „Einwohnergleichwerte“ auszubauen, zum anderen, weil die alten Becken im laufenden Betrieb gar nicht saniert werden können und man die Anlage ja nicht einfach für ein paar Wochen „vom Netz“ nehmen kann.

Insgesamt haben die Ingenieure rund 4,7 Millionen Euro für die Instandsetzung veranschlagt, eine Summe, „die natürlich nochmal genau auf Einsparmöglichkeiten hin überprüft wird“, wie Michael Steinbauer sagte. Mit der Sanierung könnte 2013 begonnen werden, die Kosten würden dann über die nächsten vier bis fünf Jahre verteilt anfallen.

Eigener Kanal für Bolta?

Nur ein Thema am Rande war diesmal der Generalentwässerungsplan für die Gemeinde Leinburg. Die umfangreiche Sanierung der Kanäle, Regenüberlauf- und -rückhaltebecken wird in den nächsten Jahren ebenfalls rund fünf Millionen Euro kosten. Michael Rekitt schlug vor, für das neue Bolta-Werk IV einen separaten Kanal zu bauen, weil das Unternehmen Regen- und Schmutzwasser getrennt sammelt.

Letzteres müsste dann nicht mehr über das Rückhaltebecken am Eingang der Kläranlage geführt werden, sondern könnte direkt ins Klärwerk geleitet werden. Der Ausbau des Rückhaltebeckens könnte damit kleiner als geplant ausfallen. Ein Vorschlag, der nun gegengerechnet werden soll.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger