Braucht Leinburg einen großen Saal?

Die Variante 2 der noch nicht öffentlich vorgestellten Machbarkeitsstudie sieht im östlichen, hier auf der Skizze rechts oben abgebildeten Flügel der Schule – den man neu bauen müsste – einen großen Veranstaltungsraum vor. Skizze: Fischer2012/01/37233_planalteschuleleinburg_New_1327592764.jpg

LEINBURG — Die alte Schule in Leinburg soll saniert und umgebaut werden. Für alle Parteien steht fest: Jugendtreff und VHS-Kurse müssen hier auch in Zukunft einen Platz haben. Während sich die CSU allerdings für einen großen Veranstaltungssaal ausspricht, sind SPD und Freie Wähler noch unentschieden. Es geht vor allem ums Geld.

Auf den Tisch kommt das Thema im März im Gemeinderat. Das Gremium will, so ist es der politische Wille des Bürgermeisters und der Fraktionen, noch 2012 eine feste Planung für das Gebäude an der Hauptstraße aufstellen, nachdem die Schule schon seit Jahren die Gemüter bewegt. Seit einer groß angelegten Bürgerbefragung durch Studenten der Universität Bayreuth (2008) und einer Machbarkeitsstudie (2009) hat sich in der Angelegenheit nicht viel getan.

Die CSU kritisiert dies und macht nun politischen Druck. Anni Bierlein, die stellvertretende Bürgermeisterin, gibt die Richtung vor: „Wir brauchen einen größeren Veranstaltungsraum in Leinburg“, sagt sie, denn einen solchen gebe es bisher in dem Ort nicht. Dort könne der Gesangverein Konzerte veranstalten, könnten Feiern stattfinden. Platz für bis zu 200 Personen sei wünschenswert.

Überhaupt: Als die letzten Schüler aus dem Gebäude ausgezogen seien – nach Auskunft aus dem Rathaus war das 1991 –, sei ein „Kulturzentrum“ für Leinburg geplant gewesen. Sicher, so ein Vorhaben sei teuer, aber dafür könne man einen Kredit aufnehmen. „Das lässt sich dem Bürger auch vermitteln“, sagt Bierlein.

Stellt sich die Frage: Was macht ein Kulturzentrum aus? SPD und Freie Wähler sind sich mit der CSU darin einig, dass auch nach der Sanierung wie bisher VHS-Kurse in der alten Schule stattfinden sollen, dass der Jugendtreff dort seinen Platz haben soll. Aber ein großer Raum für Veranstaltungen? Sowohl SPD-Fraktionssprecher Matthias Hummel als auch Joachim Lang, der Bürgermeister, betonen unisono, dass sich ihre Fraktionen noch nicht einig seien, dass noch Diskussionsbedarf bestehe. Beide geben sich aber eher skeptisch und zweifeln am Bedarf.

Hummels, wie er sagt, „rein private“ Meinung lautet: „Wir haben die Schulaula in Diepersdorf und die Turnhalle als Veranstaltungsorte. Ich würde zu einer kleineren Lösung tendieren.“ Man müsse nun einfach klären, was am dringendsten gebraucht werde, müsse sich mit der Volkshochschule und den Vereinen zusammensetzen und dann ein Nutzungskonzept entwickeln. „Ich fände auch eine Musikschule nicht schlecht“, sagt der SPD-Mann. Dafür könne man Kontakt zu Studenten der Nürnberger Hochschule für Musik aufnehmen.

Der Bürgermeister, Mitglied bei den Freien Wählern, der dritten Partei im Leinburger Gemeinderat, gibt derweil die Parole aus: „Wir wollen kein Prestigeobjekt.“ Ein Veranstaltungsraum für bis zu 200 Personen sei „eine interessante Sache“, aber der „heiße Punkt“ sei doch die Frage, ob sich das die Gemeinde leisten könne.

Lang rechnet vor: Konzentriert sich Leinburg nur auf den westlichen Flügel, den ältesten Gebäudeteil, der aus dem Jahr 1905 stammt, so kostet das nach ersten Schätzungen eine Million Euro. Den östlichen Flügel aus der Nachkriegszeit könnte man abreißen lassen, eventuell würde ein Investor hier ein Ärztehaus errichten. Die Gemeinde könnte Räume in diesem Bauwerk nutzen. Oder sie baut das Ärztehaus gleich selbst und vermietet es. Einen wirklich großen Saal erhält man auf diese Weise nicht, allerdings spart man viel Geld.

Will man anstelle des Nachkriegsbaus im Osten aber einen Veranstaltungsraum errichten, denn nur dort geht das, so kommen noch einmal Kosten von zwei Millionen Euro hinzu. Den Anbau zu erhalten, ist deshalb problematisch, weil seine Sub­stanz schlecht ist. Außerdem lässt sich dann das Problem der Zufahrt nicht lösen. Diese soll in Zukunft nämlich nicht mehr steil vor der Schule entlang führen, sondern in einer großzügigen Kurve rechts an ihr vorbei, dort, wo heute ein Feldweg verläuft.

Die 2009 erstellte Machbarkeitsstudie des Feuchter Architekten Werner Fischer, der bereits die Reichswaldhalle in seinem Heimatort und die Stadthalle in Fürth geplant hat, sieht drei Varianten vor. 950 Qua­dratmeter Nutzfläche bringt die Generalsanierung der beiden bestehenden Flügel samt Verbindungstrakt. Bei einem zweigeschossigen Neubau neben dem alten Schulhaus rechnet Fischer mit 1100 Quadratmetern und bei einem dreigeschossigen Neubau mit 1500 Quadratmetern. Die letzten beiden Varianten sehen neben einem Café auch zwei zu einem großen Saal kombinierbare Mehrzweckräume vor. Über 200 Quadratmeter Fläche stünden hier für Veranstaltungen zur Verfügung. In beiden Fällen bekommt das Gebäude von 1905 einen zusätzlichen Eingang an seiner Front, hin zum Ort. Auch eine Freifläche, die bestuhlt werden kann, hat Fischer eingeplant.

„Haushaltstechnisch war die Sanierung der Schule in den letzten Jahren nicht so einfach machbar“, sagt der Bürgermeister, der die Aufnahme eines Darlehens explizit nicht ausschließt. Auch Leinburg hatte mit sinkenden Steuereinnahmen zu kämpfen, musste seinen Haushalt umkrempeln. Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden, auch deshalb, weil für das Vorhaben im Augenblick noch Geld von der Städtebauförderung winkt. Bis zu 60 Prozent der Kosten bezahlen Bund und Land –vorausgesetzt, die Leinburger werden sich einig.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel