Asylbewerber im ehemaligen Altenheim in Lauf

Zuhause auf Zeit für 70 Flüchtlinge

Familie Mushensh aus Syrien bei ihrem zweiten Mittagessen in Lauf2014/04/81514_asylbewerberlaufgalbenbuehlmushenshsyrien_New_1398871864.jpg

LAUF — Nach Monaten des Wartens ging es am Ende ganz schnell: Erst am Montag kam die Nachricht der Regierung von Mittelfranken, dass nun Asylbewerber in das ehemalige Altenheim in der Laufer Galgenbühlstraße einziehen werden. Nur einen Tag später waren die 40 Erwachsenen und 30 Kinder bereits da.

„Dass es so schnell geht, hat alle überrascht, sagt Jutta Auernheimer, als sie die Asylbewerber am Mittwoch zum zweiten Mal besucht – nicht als Stadträtin, sondern als Privatperson, wie sie betont. Sie gehört zu einem Unterstützerkreis von rund 30 Laufern, die versuchen, den Neuankömmlingen, wo möglich, unter die Arme zu greifen.

Wie willkommen diese Hilfe ist, wird klar, als die 67-Jährige den Speisesaal betritt, in dem eine Cateringfirma gerade das Mittagessen verteilt. Sofort prasseln Anfragen auf sie ein: Eine junge Mutter fragt nach Milchpulver für ihr Baby, ein Familienvater nach einem Wasserkocher und ein 19-jähriger Kosovare wünscht sich nichts sehnlicher, als Fußball zu spielen. „Ich bin gut!“, sagt er in flüssigem Englisch und strahlt. Auernheimer, die der junge Mann lachend „Mama“ nennt, verspricht, Kontakt zu einem Sportverein herzustellen. Viele der Flüchtlinge sprechen weder Deutsch noch Englisch. „Dann verständigen wir uns mit Händen und Füßen“, sagt Auernheimer, „und manchmal reicht auch ein Lächeln.“

Diese unbürokratische Hilfe ist bitter nötig. Die beiden Asylsozialberater der Diakonie, die die Unterkünfte des Landkreises betreuen, sind schon jetzt voll eingespannt. „Wir überlegen, Stunden aufzustocken oder eine weitere Kraft einzusetzen“, sagt der Pressesprecher des Landrats­amts, Rolf List. Und auch der Hausmeister der Einrichtung, Helmut Buchberger aus Rückersdorf, war froh über die Unterstützung der Ehrenamtlichen bei den kurzfristigen Vorbereitungen. Innerhalb eines Tages mussten unter anderem Matratzen und Geschirr ausgepackt, Kühlschränke angeschlossen oder weitere Betten aufgestellt werden.

Elf Familien sind derzeit in Lauf untergebracht: zehn Erwachsene und zwei Kleinkinder aus Äthiopien, sechs Erwachsene und fünf Kinder aus Syrien sowie eine Familie mit zwei Kindern aus dem Kosovo. Andere kommen aus der Ukraine, Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien, Russland, Bosnien Herzegowina, Serbien und dem Iran. Weitere werden wohl folgen.

Nach nur sechs bis zehn Wochen werden die Asylbewerber erfahrungsgemäß auf andere Einrichtungen verteilt, schreibt die Pressestelle der Regierung von Mittelfranken auf Anfrage der PZ. Anders als bei den dezentralen Unterkünften, beispielsweise auf dem Kunigundenberg oder im Hotel Auer in Behringersdorf, handelt es sich beim Altenheim nämlich um eine direkte Außenstelle der überfüllten zentralen Aufnahmestelle in Zirndorf. Zuständig ist hier die Regierung – nicht wie sonst das Landratsamt. Letzteres zahlt lediglich das Taschengeld aus und verteilt Dinge des täglichen Bedarfs.

Eine Dauerlösung wird das Altenheim wohl nicht sein. Auf lange Sicht sollen auf dem Gelände Wohngebäude bestehen. Der Vertrag der Regierung Mittelfranken mit der Stadt Lauf, der das Gebäude gehört, läuft derzeit bis September, aber: „Angesichts der in diesem Jahr weiter stark ansteigenden Flüchtlingszahlen sind wir sehr an einer Verlängerung der Nutzungsdauer interessiert“, heißt es aus Ansbach.

Die Asylbewerber sind derweil einfach froh, in Lauf zu sein. Das Haus sei perfekt, sagt ein Äthiopier, vor allem der Garten und die Innenstadt haben es ihm angetan. Mit seiner Familie ist er bereits über den Marktplatz geschlendert. „Die Menschen sind sehr freundlich“, freut er sich. Nun will er unbedingt schnell Deutsch lernen.

Auch darum will sich Auernheimer kümmern. Weitere Mitstreiter für den Unterstützerkreis sind erwünscht. Unter anderem wird ein Dolmetscher für Russisch gesucht.

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