Etliche Fehlalarme in Laufer Hochhaus

Wenn die Brandmeldeanlage zur Gefahr wird

Regelmäßig rückt die Laufer Feuerwehr in die Christoph-Treu-Straße zum dortigen Hochhaus aus – meist handelt es sich aber um einen Fehlalarm. | Foto: Beck2021/10/hochhauser-lauf-beck-scaled.jpg

Lauf – Normalerweise schrecken Bewohner eines Hauses sofort auf, wenn plötzlich die Sirene der Brandmeldeanlage heult. Sie stehen vom Esstisch auf oder verlassen nachts ihr Bett, um schnell ins Freie zu kommen. Denn im schlimmsten Fall geht es um Leben und Tod. Doch im Hochhaus in der Laufer Christoph-Treu-Straße ist es anders. Wenn hier die Brandmelder klingeln, reagieren nur wenige. Die Anwohner treten kurz auf ihren Balkon und beobachten die Feuerwehr oder sie ziehen sich nachts die Decke über den Kopf, um weiterzuschlafen.


Denn seit 17 Jahren löst die Brandmeldeanlage immer wieder aus, obwohl nirgendwo im Haus Rauch aufsteigt. In manchen Monaten waren es schon vier Fehlalarme. Dann kommt stets die Laufer Feuerwehr, schaltet die Anlage aus, prüft die Gänge und bricht wieder auf. Einsatzkräfte wie Bewohner schildern, dass nur noch ein Bruchteil der über hundert Menschen, die in dem Hochhaus leben, dazu zu bewegen ist, das Gebäude zu verlassen, wie es eigentlich Vorschrift wäre.


Stattdessen prasseln auf die Feuerwehrmänner Beleidigungen von Bewohnern nieder, die der Feuerwehr teilweise die Schuld an den Fehlalarmen geben. Florian Wagner, der seit 2015 im Hochhaus wohnt, weiß, dass damit nichts gewonnen ist. „Ich habe erst bei meinem Vermieter nachgefragt, dann bei der Verwaltung, aber niemand hat mir gesagt, was gegen die Fehlalarme getan wird“, so Wagner.


Eine unhaltbare Situation


Die Gefahr, die diese unhaltbare Situation seit Jahren in sich trägt, liegt auf der Hand: Falls die Anlage beim nächsten Mal auslöst, weil im vierten Stock eine Küche in Flammen steht, haben die – oft älteren – Bewohner des 13-stöckigen Gebäudes nur wenig Zeit, um über die Treppen und Notausgänge das Haus zu verlassen. Die Aufzüge sind dann gesperrt und die Drehleitern der Feuerwehren reichen nur bis in den achten Stock.


Doch was ist eigentlich die Ursache der Fehlalarme und warum unternimmt niemand etwas dagegen? Prokurist Dominik Herger ist im Auftrag der BJW-Hausverwaltung, die das Gebäude 2017 übernommen hat, für das Haus zuständig. Laut ihm begann alles 2004 mit einer Forderung des Landratsamts Nürnberger Land. „Im Rahmen eines Brandschutzgutachtens wurde die damalige Verwaltung angewiesen, die Laubengänge zu öffnen und Brandmelder zu installieren“, sagt Herger.

Diese Laubengänge führen von den Aufzügen zu den Wohnungstüren und waren früher mit Glasfenstern versehen. Mit der Entfernung der Fenster und dem Einsatz der Brandmelder begannen die Fehlalarme. Gutachten ergaben laut Herger im Nachhinein, dass die Melder für die zugigen Laubengänge ungeeignet sind. „Sie lösen ab einer Windstärke von acht bis zwölf Stundenkilometern aus.“ Auch die Ablagerung von Pollenstaub könnte die Fehlalarme begünstigen.

Streit zwischen Verwaltung, Landratsamt und Feuerwehr


Doch statt eine Lösung zu finden, verstrickte sich die ehemalige Verwaltung in einen Streit mit Landratsamt und Feuerwehr, der bis heute anhält. Auf das Hochhaus ging in diesen Jahren ein Regen aus Gutachten nieder, aber das eigentliche Problem wurde nicht behoben.


Stattdessen schlagen die Kosten der Einsätze in den Nebenkostenabrechnungen der Mieter zu Buche. „Eine Unverschämtheit“, sagt Kreisbrandrat Norbert Thiel, der das Sorgenkind Christoph-Treu-Hochhaus seit Jahren begleitet. Und die Kosten sind nicht zu unterschätzen: Wenn der Alarm des Hochhauses in der Meldezentrale eingeht, rückt in kurzer Zeit mindestens eine Einsatzgruppe, also mindestens neun Personen, im Löschfahrzeug aus. Da es sich um ein Hochhaus handelt, muss die Drehleiter mitgefahren werden. Durch die Fahrzeuge, die Arbeitszeit der Einsatzkräfte von einer Stunde und den Fahrtweg sind nach der Satzung der Stadt Lauf jedes Mal rund 600 Euro fällig.

Kreisbrandrat Thiel kritisiert Hausverwaltung


Thiel sieht die Hausverwaltung in der Pflicht. „Die Anlage muss gewartet und gepflegt werden, aber sie ist schmutzig.“ Das sei der Grund für die Fehlalarme. Er fordert strengere Konsequenzen vonseiten des Landratsamts: „Die Lage ist hochgefährlich. Es ist ein großes Glück,dass bisher nichts passiert ist“, sagt Thiel.


Dominik Herger empfindet hingegen die Vorwürfe von Amt und Feuerwehr als Zumutung. „Als wir das Haus 2017 übernommen haben, war uns klar, dass zahlreiche Sanierungen notwendig sind.“ Neben den Brandmeldern seien unter anderem die Aufzüge für rund 600 000 Euro zu erneuern. „Wir machen ja, was verlangt wird, aber bei so großen Ausgaben geht es eben nicht von heute auf morgen.“


Neues System als Lösung?


Immerhin scheint nun die Behebung des Problems in Gang zu kommen:„Auf der Suche nach Lösungen sind wir auf ein gekoppeltes Meldesystem mit Rauchmeldern und Wärmesensoren gestoßen. Erst wenn beide Melder auslösen, geht der Alarm raus.“ Die Ergänzung zur alten Anlage würde die Wohnungseigentümer des Christoph-Treu-Hochhauses rund 25 000 Euro kosten.


Das Angebot liegt der BJW laut Herger bereits seit Sommer 2020 vor, aber noch konnte er den Auftrag nicht vergeben. Grund dafür sind die Corona-Maßnahmen. „Der Auftrag muss von den Eigentümern abgesegnet werden, aber seit Frühjahr 2020 fand keine Versammlung mehr statt.“


Diese Zwangspause hat nun ein Ende. Am 16. Oktober werden sich die Eigentümer des Christoph-Treu-Hochhauses versammeln und über das gekoppelte Warnsystem entscheiden. Herger ist zuversichtlich, dass damit das jahrzehntealte Problem der falschen Alarme behoben werden kann. Bewohner wie Florian Wagner können es kaum erwarten.

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