Abfallgebühren

Warum der Müll im Landkreis teurer ist

Einwohner der Hersbrucker Schweiz berappen für ihren Müll mehr als Neumarkter. Die Standardkombination aus Biomüll- (im Bild), Restmüll- und Papiertonne kostet 216 Euro. Foto: Th. Kohl2013/01/5_2_1_2_20130116_MUELL.jpg

NÜRNBERGER LAND / NEUMARKT (kap/mek/as) — Die Bürger im Landkreis Neumarkt freuen sich über gesunkene Abfallgebühren: Sie zahlen seit diesem Jahr nur noch 90 Euro im Jahr für die 120-Liter-Tonne. Die Preise für das Nürnberger Land bleiben zwar stabil, liegen mit 425,64 Euro – ohne Biomüll – jährlich allerdings gewaltig höher. Das liege an einem größeren Service und höheren Kosten, heißt es.

„In nächster Zeit ist keine Erhöhung der Abfallgebühren geplant“, sagt Horst Völkel, Mitarbeiter der Abfallwirtschaft im Laufer Landratsamt. 2011 hatte der Landkreis nach zwölf Jahren erstmals wieder an der Preisschraube gedreht. Bürger müssen seitdem für die 60-Liter-Tonne 18,15 Euro im Monat berappen, für das doppelte Volumen 43,56 Euro.

Nürnberg liegt mit 30,68 Euro pro Monat bei der 120-Liter-Tonne (60 Liter: 15,34 Euro) ein gutes Stück darunter, und Neumarkter zahlen bei dieser Größe nur ein Sechstel von dem, was Nutzer aus dem hiesigen Landkreis blechen. Allerdings lassen sich die Entsorgungssysteme nicht im Detail vergleichen: In Neumarkt fällt für die Biomülltonne eine extra Gebühr an, 140 Euro im Jahr. Dort gibt es alternativ aber auch kleine Biomüll sä cke für jeweils 48 Cent.

Nimmt man die Standard-Kombination, eine 60 Liter fassende Restmülltonne samt Papier- und Biomüll (240-Liter- und 120-Liter-Tonne), so kostet die Entsorgung den hiesigen Einwohner knapp 218 Euro im Jahr, den Neumarkter 200 Euro und den Nürnberger 184 Euro. Ohne Biomüll, also mit Kompost im eigenen Garten, beträgt die Gebühr in Neumarkt jährlich 60 Euro, in Lauf rund 177 Euro.

Eklatant ist der Preisunterschied bei einer 120-Liter-Tonne und zusätzlichen Papier- und Biomülltonnen: Knapp 523 Euro muss der Laufer ausgeben, der Nürnberger kommt mit 368 Euro davon, der Neumarkter fährt am günstigsten und bezahlt 230 Euro. Er kann zudem viermal im Jahr seinen Sperrmüll abholen lassen. Im Nürnberger Land geht das nur zweimal. Auch ein Giftmobil gibt es in Neumarkt.

Die Oberpfälzer konnten ihre Müllgebühren für dieses Jahr um satte 20 Prozent senken. Damit habe der Kreis nun bayernweit eine der günstigsten Müllgebühren, sagt der Neumarkter Landrat Albert Löhner.

Die Hinterlassenschaften der Neumarkter landen in der Schwandorfer Müllverbrennungsanlage, deren Bau damals vom Staat mit 50 Prozent bezuschusst wurde. Der Müll aus dem Landkreis Nürnberger Land wird hingegen nach Nürnberg gekarrt, der Vertrag darüber läuft noch bis 2018.

Keine Zuschüsse

Die dortige Anlage erhielt keine Zuschüsse – Summen, die auf die Gebühren umgelegt werden. Hinzu kommen Altlasten wie die Deponie in Neunkirchen am Sand, die zwar geschlossen ist, aber Unterhalt koste, erläutert Völkel von der Abfallwirtschaft. Außerdem gibt es nicht für jedes Dorf im Landkreis Neumarkt eine Biotonne. Erst ab einer gewissen Anzahl wird auch dieser Müll abgeholt.

„Bei uns bekommt jeder eine Biomülltonne“, sagt Völkel. Auch wenn die Müllabfuhr für eine Tonne in entlegenere Orte fahren muss – „das kostet.“ Der Landkreis Neumarkt konnte seine Gebühren auch deshalb zum dritten Mal in Folge senken, weil die Oberpfälzer nach eigener Aussage möglichst viele Rohstoffe aus ihrem Müll filtern und weiterverkaufen. Dank gestiegener Preise für Material wie Kupfer rechnet sich das Geschäft zunehmend.

Ein weiterer Clou: Neumarkt hatte die Restmüll- und Sperrmüllabfuhr europaweit neu ausgeschrieben. Statt drei Unternehmen, kümmert sich zukünftig nur eine Firma um den Abfall. Das brachte „Mengenrabatt“. Das Nürnberger Land hingegen hat noch bis 2014 feste Verträge mit Firmen, die sich um die Abholung des Mülls kümmern. Erst dann wollen die Kreisräte über ein neues Konzept nachdenken.

Fest steht: Egal ob in Neumarkt oder Lauf, hinter den Preisen für die Mülltonnen verbirgt sich mehr, als auf den ersten Blick zu ahnen ist. Geld für Personal, Fahrzeuge, Organisation und Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Wertstoffhöfe und Sperrmüllabfuhr. Allein das Giftmobil für das Nürnberger Land schlägt mit einer halben Million Euro jährlich zu Buche.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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