Wanderung von Dehnberg über die Wolfshöhe nach Schnaittach und zurück

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Der Nabel der Welt ist Dehnberg noch nie gewesen – auch wenn dort eine Bundestagsabgeordnete wohnt, die sich seit Jahren für die Stärkung des ländlichen Raumes einsetzt:  Marlene Mortler. Einer ihrer Lieblingsplätze zum Kraft-Tanken ist der idyllische Talkessel gleich unterhalb ihres Bauernhofs. Noch ist diese grüne Oase eher ein Geheimtipp. Am 3. Oktober beim „Tag der Regionen“ wird es hier quirlig zugehen. Wir laden Sie ein: Entdecken Sie diese Gegend schon jetzt, auf einer ungefähr zwölf Kilometer langen Wanderung von Dehnberg (das seit 1977 zur Stadt Lauf gehört) nach Osten auf die Wolfshöhe und über Schnaittach zurück.

Eins vorab: Wer nach Dehnberg kommt, wollte entweder ganz bewusst hierher oder hat sich verfahren. Durchgangsverkehr gibt es nicht. Das 200-Einwohner-Dorf liegt abgeschieden auf einem unbewaldeten, aussichtsreichen Höhenrücken nördlich von Lauf. Überregional bekannt wurde es durch das Dehnberger Hof Theater (DHT). Dessen Besucher werden dringend gebeten, ihre Karossen auf einem großen Parkplatz am Ortsrand abzustellen, den sie am besten nicht durch das enge Dorf, sondern außenrum über den kleinen Ortsteil Ziegelhütte ansteuern. Das sollten Wanderer auch tun.

Von hier sind es nur ein paar Schritte zum Wahrzeichen Dehnbergs, der Nikolauskirche. Dieser Sandstein-Sakralbau mit seinem spitzen Turm ist ungewöhnlich für unsere Gegend. Wer genauer hinschaut merkt: Auch viele alte Bauernhäuser hier sind aus Sandstein. Stolze Zeugen vergangener Zeiten, als der Hopfenanbau Reichtum brachte. Das gilt auch für den Mortler-Hof gleich neben dem Gotteshaus.

Zwischen diesen eindrucksvollen Bauten hindurch laufen wir ein kurzes Stück nach Norden – direkt in die freie Natur. Nun, so frei ist sie eigentlich gar nicht. Der Mensch hat sie durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung geformt. Kulturlandschaft nennt man das. Zum „Tag der Regionen“ wird dieser Begriff doppeldeutig: Entlang des Weges, der kurz nach den letzten Gebäuden rechts abzweigt und am Hang entlang in den Talkessel hinab führt, werden Kunstwerke aufgestellt. Hölzerne Stelen, von Künstlern aus der Region mit Malerei und Schnitzwerk verziert.

Genießen wir als Wanderer diesen herrlichen Weg, egal ob mit oder ohne Kunst. Rechts drüben auf der Höhe erstreckt sich ein Häuserband mit vielen steilen alten Scheunendächern, aber auch neueren Wohnhäusern. Eine schöne Wohnlage, wenn man gerne naturverbunden lebt. Es sind übrigens zwei Ortschaften, Höflas und Dehnberg. Sie gehen nahtlos ineinander über.

Unser Weg führt neben einem eingezäunten Quellschutzgebiet in einen schummerigen Wald. Der Untergrund wird erdig, einige stört’s, dass man hier Spuren lesen kann: Traktor-, Fahrrad-, Wanderschuh-, Pferde- und andere Tierspuren. Andere finden gerade das schön. Das Trittgefühl mag für manche Städter etwas fremdartig sein, ganz anders als Pflaster und Asphalt. Ein natürliches Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne.

Der artenreiche Wald hier ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. Im Frühjahr leuchtet das Grün des jungen Laubes, im Herbst erlebt man einen Farbenrausch. Im Sommer genießt man die angenehme Kühle, die Frische zwischen den lebenden Sauerstoffspendern. Bald fällt der Blick rechts durch Bäume hindurch auf Weiher. Ein idyllischer Platz zum Rasten. Wer will, kann hier die Natur-Tour beenden und auf einem befestigten Weg (Albquerweg, Markierung rotes Andreaskreuz) hinauf nach Höflas alias Dehnberg gehen. Die Häuser sieht man von hier unten aus. Aber eigentlich wäre es schade, hier schon umzukehren.

Folgen wir lieber dem Albquerweg nach links, Richtung Schnaittach! Der breite Forstweg ist bequem zu begehen und auch gut für Radler geeignet. Der Wald wird lichter, Föhren dominieren. Ein Vorgeschmack auf den Nürnberger Spitalwald, den wir bald erreichen. Apropos Geschmack: Beim  Anblick der vielen Fischweiher, denen wir auf dieser Tour begegnen, kann einem schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die Karpfensaison hat begonnen. Viele der leckeren Flossentiere, die nun in den Gasthäusern der Region serviert werden, sind hier in diesem schönen Gebiet aufgewachsen.

Wir folgen weiter dem roten Andreaskreuz und könnten uns fernab der Zivilisation wähnen, wäre da nicht dieses Rauschen und Brummen: Wir nähern uns der Autobahn A 9. Kurz nach dem Spitalwald-Wanderparkplatz müssen wir uns entscheiden: Wir können unmittelbar hinter der breiten Holzbohlenbrücke nach links abbiegen. Der Albquerweg führt hier an Weihern entlang zur Röttenbach-Klamm, wo sich ein kleiner Bach ein beeindruckendes Bett  in den weichen Sandboden gegraben hat. Auf diesem Weg geht es direkt nach Schnaittach.

Wir können aber auch geradeaus weiter die Autobahn unterqueren. Nach ein paar Minuten sind wir dann auf der Wolfshöhe. Links sehen wir die traditionsreiche  Privatbrauerei, deren bekannteste Bierspezialität wohl das „Wolfshöher Vollmond Bier“ ist. Wie es zu Karpfen, aber auch anderen Gerichten schmeckt, können Sie gleich vor Ort testen.

Aber bewahren Sie sich einen klaren Blick! Von der Wolfshöhe aus führt die Wanderung weiter nach Rollhofen, das durch seine Tonwerke bekannt wurde. Sie gehen am Rand der Kreisstraße, sollten dabei Obacht geben und sich nicht allzu sehr von dem herrlichen Frankenalb-Panorama ablenken lassen! In Rollhofen unterqueren Sie die Schnaittachtal-Bahnstrecke und biegen dann nach links in den Schnaittacher Weg ab. Ein befestigter Flurweg, mit Ziffer 4 markiert, führt Sie in das Zentrum der Marktgemeinde.

Wer schon länger nicht mehr in Schnaittach war, wird überrascht sein, wie schön der sanierte Marktplatz geworden ist. Die Schnaittacher Gastronomie wartet mit vielerlei Spezialitäten auf. Sehenswert ist die Pfarrkirche St. Kunigund aus dem 13. Jahrhundert. In der ehemaligen Synagoge befinden sich das Jüdische Museum Franken (zweiter Standort ist in Fürth) und das Heimatmuseum Schnaittach. Eine weitere Attraktion ist der Rothenberg mit seiner imposanten Barockfestung. 22 Meter hohe Wälle und Bastionen, begehbare, unterirdische Kasematten sowie die Architektur der Gesamtanlage sind beeindruckend.

Wir verlassen Schnaittach am Bürgerweiher vorbei auf dem Albquerweg, dessen Andreaskreuz-Markierung uns ja schon vertraut ist. Er führt durch die wildromantische Röttenbach-Klamm zum Spitalwald-Wanderparkplatz und von dort auf der bekannten Trasse zurück nach Dehnberg. (Wer beim Hinweg auf dem Albquerweg direkt nach Schnaittach gegangen ist, geht vom Zentrum der Marktgemeinde am Bürgerweiher vorbei mit Ziffer 4 nach Rollhofen, von dort zur Wolfshöhe und unter der Autobahn hindurch zum Wanderparkplatz.)

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N-Land Thomas Kohl
Thomas Kohl