Vision: Outdoor- und Genussregion

Derzeit noch vielfältig gegliedert: die Teilregionen der Frankenalb. Das FremdenVerkehrskonzept sieht die Werbung nach außen unter einer Dachmarke vor.2012/03/tourismuskonzept_New_1332252003.jpg

NÜRNBERGER LAND – Der Ausschuss für Kreisentwicklung empfiehlt dem Kreistag einstimmig, die Verwaltung mit einer sukzessiven Umsetzung des vom Tourismus- und Freizeitinstitut inspektour erstellte Tourismuskonzept umzusetzen. Geschäftsführer Ralf Trimborn zeigte noch einmal ausführlich die Ergebnisse des Gutachtens (wir berichteten bereits ausführlich) auf. Vorrangig ist dabei eine Neuordnung bei der Organisation touristischer Aufgaben im Destinationsgebiet anzustreben.„Hierzu sind die im Tourismuskonzept aufgezeigten Schwächen gemeinsam mit örtlichen Tourismusvereinen und betroffenen Kommunen weiter zu beleuchten und auf Basis des Aufgabenverteilungskonzepts in der Verwaltung ein Vorschlag für eine Neuorganisation auszuarbeiten und dem Ausschuss für Kreisentwicklung zur Beschlussfassung vorzulegen“, heißt es im Beschluss. Weiter einigte man sich darauf, dass die Entscheidung über die Weiterführung einer touristischen Submarke unterhalb der Dachmarke Nürnberger Land dem Kreistag im Rahmen seiner Beschlussfassung zum Markenentwicklungsprozess vorbehalten bleibt.

Einleitend machte Landrat Armin Kroder deutlich, dass man in Sachen Fremdenverkehr mit den bisherigen Strukturen zwar einiges erreicht habe, „aber wenn wir mehr wollen, dann müssen wir Gas geben.“ Wichtig sei vor allem, das Nürnberger Land als „touristische Marke“ wahrnehmbar zu machen. Ralf Trimborn zeigte zunächst die Stärken auf: Landschaft und Natur, Ruhe und Ursprünglichkeit, das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Nähe zu Nürnberg, ein gutes Wanderwegenetz, Outdoorsportmöglichkeiten und regionale Kulinarik.

Stärken und Schwächen

Schonungslos benannte er aber auch die Schwächen: die fehlende gemeinsame Linie beim Außen- und Innenmarketing, die Potenziale werden nicht gesehen, im Vordergrund steht zu viel regionales Denken, Kapazitäten und eine Organisationsstruktur fehlen, keine Vernetzung der Angebote und ein zu geringer finanzieller Einsatz.

Trimborn sieht für den Raum durch Stärkung des Innenmarketings große Chancen, Stichworte waren Imageverbesserung, Tagestourismus (Kurz- und Wochenendreisen), Nutzung von vorhandenen Potenzialen (Outdoorsport), Modernisierung (Wirtschaftsfaktor), Naturtourismus, Nachhaltigkeit.

Große Risiken sieht er in unüberbrückbaren regionalen Egoismen (Kirchturmdenken), fehlenden finanziellen Mitteln, Scheu vor Investitionen, im verstärkten Wettbewerb und im Verlust des ursprünglichen Angebots (z. B. Rückgang der Familienbetriebe).

Seine Vision vom Nürnberger Land: „Die Outdoor- und Genussregion ist 2020 eine deutschlandweit bekannte und geschätzte Tourismusregion, in der die Zusammenarbeit zwischen den Teilregionen funktioniert, klare Organisationsstrukturen herrschen und ein ,Wir‘-Gefühl bei den Dienstleistern und in der Bevölkerung besteht. Das Nürnberger Land präsentiert sich als sympathisch, ansprechend und modern, hat sich mit einer hohen Qualität und einem vielfältigen Angebot für Young und Best Ager sowie für Familien und Aktivsportler etabliert, wird 2020 als ,grüner Garten‘ vor den Toren Nürnbergs wahrgenommen und handelt umweltbewusst und nachhaltig.“

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse sich das Nürnberger Land organisieren, nach innen stärken, nach außen vermarkten, sich entwickeln und attraktiver werden. Hauptthemen dabei: „Aktiv in der Natur“ (Wandern, Klettern, Radfahren), „Typisch Frankenalb“ (Regionale Spezialitäten und Sehenswürdigkeiten) und als Ergänzung „Bewusst vital“ (Gesundheitsregion).

Viele Maßnahmen

Als Maßnahmen wurde die verstärkte Nutzung von QR-Codes, die Auftstellung von Webcams an touristisch interessanten Punkten, der Ausbau der Elektromobilität (E-Bikes) und vor allem die Nutzung von Social Media und diversen Apps aufgezeigt. Trimborn nannte weiter die Verbindung von Aktivität und Kulinarik, die Schaffung von attraktiven Angeboten, die kontinuierliche Schulung und Weiterbildung für Servicekräfte (Mitarbeiter der Tourist-Informationen, touristischer Dienstleister), die Schaffung eines touristischen Herausstellungsmerkmals, interne Informationsplattform, Stärkung der Kooperation mit Nürnberg, Gästebefragung und Kennzahlensystem, neues einheitliches Erscheinungsbild, Messeteilnahme in Kooperation, Messebesuch als Fachbesucher und Zertifizierung als Qualitätswanderregion (Wanderbares Deutschland).

Eindringlich forderte er dazu auf, die externe Kommunikation ausschließlich auf die Tourist-Information Frankenalb auszurichten. „Die Tourist-Information Frankenalb muss erste Informationsstelle im Landkreis sein.“ Lokalen Tourist-Informationen wären nur mehr für die Gäste vor Ort da.

Eine weitere wichtige Forderung war die Bündelung der Tourismusbudgets: Zusammenlegung der Einzelbudgets der Region, Ausstattung der Tourist-Information Frankenalb mit mehr Budget (Umschichtung und zusätzlicher Bereitstellung) sowie der Einsatz von mehr professionellem Personal.

„Ihre Vorstellungen wären der Idealzustand“, brachte es Kreisrat Klaus Hähnlein (FW) auf den Punkt. Und wenn man dies erreichen wolle, dann müsse man Geld, viel Geld in die Hand nehmen. Betty Schmidt (CSU) bekräftigte, dass die Chance des Nürnberger Landes als Fremdenverkehrsregion bei den Tagesgästen und Kurzurlaubern liege. Als sehr wichtig erachtet sie eine gemeinsame Werbung für die „Marke“, wobei sie ihre Sympathien eindeutig für den Namen Nürnberger Land kundtat. „Unser Bestreben muss es sein, das Regionale zu fördern und zu erhalten.“ Gäste könne man nur anlocken, wenn man attraktiv sei.

Kreisrätin Helga Schiel (Grüne) verwies in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung im Landkreis-Süden, wo sich insgesamt neun Kommunen bezirksgrenzenübergreifend zu einem integrierten ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) entschlossen haben.

Grenzübergreifend

Wenn man dies im Zusammenhang mit dem Fremdenverkehrskonzept des Landkreises sehe, dann könne dies doch nur ein Zahnrad im Ganzen sein.

Dies unterstrich Landrat Armin Kroder, der keinen Zweifel daran ließ, dass er diese grenzübergreifende Zusammenarbeit begrüßt. Er nannte den Prozess „ausgezeichnet und gut“. Das Landratsamt sei von Anfang an mit eingebunden gewesen. „Wir arbeiten gut zusammen.“

Dies begrüßte auch Kurt Eckstein (CSU), der froh darüber war, dass sich im Hinblick auf Fremdenverkehrsaktivitäten im Landkreis-Süden wieder etwas bewegt. Und es sei gut, dass der Prozess in Abstimmung mit dem Landratsamt geschehe.

Dass sich in der Vergangenheit auf dem Fremdenverkehrssektor bereits einiges bewegt hat, zeigten dann Petra Hofmann vonder Touristinformation Frankenalb und Regionalmanagerin Christina Reinhardt auf. So habe man das Außenmarketing verbessert und arbeite an der Erstellung themenspezifischer Printprodukte.

Christine Reinhardt machte deutlich, dass man durch die Bündelung der Ressourcen neue Spielräume schaffe. Die Optimierung der Organisationsstrukturen sei aber ein kooperativer Prozess, der seine Zeit dauere. So würden derzeit Gespräche mit allen Beteiligten stattfinden.

Ernüchterndes Ergebnis

Ernüchternd war allerdings das Ergebnis der Befragung, wie es mit den touristischen Budgets in den Gemeinden steht: Neun Gemeinden im Landkreis haben dafür überhaupt nichts eingeplant, die anderen Kommunen gerade mal rund 200.000 Euro, die touristischen Vereine bringen den bescheidenen Betrag von rund 26.000 Euro auf.

Diese Ergebnisse und Erkenntnisse aus weiteren Gesprächen mit den Beteiligten zur Optimierung der touristischen Organisationsstruktur mit der örtlichen Ebene werden in die Beratungen des Kreisausschusses am 9. Juli und in die Beschlussfassung zur Annahme des Tourismuskonzepts im Kreistag am 30. Juli einfließen.

Kreisrätin Hofmann-Bisping (Grüne) nannte die Ergebnisse der Budgetbefragung „sehr ernüchternd“. Sie sprach sich dafür aus, alle Beteiligten ins Boot zu holen, mit dem Ziel, eine Anlaufstelle im Rahmen einer sauberen Organisationsstruktur zu schaffen.

Frisches Geld in Hand nehmen

Weiteren Beratungsbedarf in den Fraktionen sah Heidi Suttner (SPD), nachdem die Angelegenheit doch sehr umfangreich sei und eine weitreichende Entscheidung mit hohen Kosten anstehe.

Landrat Armin Kroder brachte es abschließend so auf den Punkt: „Im Hinblick auf ein gemeinsames Budget gibt es nicht viel zu bündeln, was heißt, dass wir frisches Geld in die Hand nehmen müssen.“

Andreas Kögel (CSU) gab zu bedenken, dass der Tourismus nur mit einer guten und attraktiven Gastronomie funktioniere. Gut fand er den Ansatz, die Dachmarke auch für den Tourismus zu etablieren und nach außen einheitlich aufzutreten.

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N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl