Spannende Touren durch die Zeidlergemeinde

FEUCHT — Rathaus, Zeidlerschloss, Zeidelgericht, katholische und evangelische Kirche – das sind ein paar der Stationen, die beim Drei-Schlösser-Rundweg in Feucht angelaufen werden. Mitte April wurde er offiziell eröffnet und stößt seitdem auf große Resonanz. Viele Gäste zeigen sich immer wieder erstaunt, welche schönen Winkel und wie viel historisch Interessantes es in der Marktgemeinde zu entdecken gibt. Schon beim Eröffnungsrundgang mit 1. Bürgermeister Konrad Rupprecht wurde der Wunsch nach Führungen laut – und den kann der Markt Feucht jetzt erfüllen. Drei Termine werden noch in diesem Jahr angeboten.

Daniela Semann wohnt seit 1987 in Feucht, ihr Mann ist hier aufgewachsen. Schon lange interessiert sie sich für Geschichte, speziell von Nürnberg und seinem Umland. Seit 2005 ist sie Stadtführerin beim Verein der Gästeführer in der fränkischen Großstadt und absolvierte zuvor eineinviertel Jahre lang eine Ausbildung dafür. „Wir lernten alles über die Kultur und die Kunstgeschichte Nürnbergs. Das half mir, viele Zusammenhänge zu verstehen“, erzählt sie. Dabei stieß Semann auch auf etliche Berührungspunkte zwischen Nürnberg und Feucht – nicht nur bei den Honiglieferungen für die berühmten Lebkuchen.

Vor diesem Hintergrund verfolgte sie die Berichte über den Drei-Schlösser-Rundweg in ihrem Wohnort natürlich besonders intensiv. Die große Resonanz bei der Eröffnung veranlasste Bürgermeister Rupprecht eine Wiederholung des historischen Spaziergangs durch den Ortskern anzukündigen – möglichst mit Unterstützung Ehrenamtlicher, die über die Geschichte der prägenden Gebäude informieren. Daniela Semann meldete sich im Rathaus und bot ihre Mithilfe an. Um Führungen kompetent und spannend gestalten zu können, beschäftigte sie sich monatelang mit der Feuchter Geschichte. Sie führte viele Gespräche mit zwei Mitgliedern des Arbeitskreises Feuchter Chronik, las sich sämtliche Bücher über die Marktgemeinde und Zeitzeugenberichte durch und bekam Bildmaterial von der Verwaltung zur Verfügung gestellt. „Ich war überrascht, wie spannend die Historie hier ist“, so ihr Fazit.

„Ich möchte keine rein kunsthistorischen Führungen machen, sondern aus allen Bereichen berichten“, sagt Semann. „Die jüngste Geschichte und die Gegenwart werde ich nicht auslassen.“ Den Gästen möchte sie ein Erlebnis bieten. „Sie sollen sich hier wohlfühlen“, beschreibt sie ihre Intention und hat dazu bei den Rundgängen auch immer ein paar Überraschungen parat.

„Ich schätze Feucht sehr: Es hat einen eigenen liebenswerten Charakter“, schwärmt die Mutter zweier erwachsener Töchter. „Wir leben sehr gern hier, und ich möchte der Gemeinde davon etwas zurückgeben“, begründet sie ihr Engagement.

Im Gespräch steckt Semann ihre Zuhörer schnell mit ihrer Begeisterung an. Beeindruckend ist ihr Wissen, das viele Neuigkeiten auch für langjährige Feuchter beinhaltet. Jahreszahlen nennt sie kaum, es sind die Geschichten hinter der Geschichte, die ihre Erläuterungen so interessant machen. So weiß sie, wie das Feuchter Wappen entstanden ist, und dass die katholische und die evangelische Kirche wahre Kunstschätze beherbergen. Sie erzählt, dass es ein in der Region sehr bekannter Architekt war, der St. Jakob nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut hat. „Der Führungsweg ist ja vorgegeben. Ich möchte ,Fleisch‘ drum herum geben“, beschreibt die 54-Jährige ihren Stil.

Etwa 35 Touren im Jahr übernimmt sie als Gästeführerin in Nürnberg. Ihre Schwerpunkte sind dabei Führungen zur Wirtschafts- und zur Frauengeschichte der Noris. Als passives Mitglied besucht sie Fortbildungen des Vereins „Geschichte für alle“ und verfasst auch historische Artikel für verschiedene Publikationen wie das Magazin der Industrie- und Handelskammer. All das macht sie quasi nebenbei, denn einen Vollzeitjob hat sie neben ihrer Familie auch noch. Dank ihrer guten Kontakte werden die Flyer zum Drei-Schlösser-Rundweg künftig auch bei der Nürnberger Tourist Information am Hauptmarkt und gegenüber dem Hauptbahnhof in der Königstraße ausliegen – und damit weitere Besucher nach Feucht locken.

Mit ihrer Begeisterung für Geschichte ist sie ein „Glücksgriff“, stellt 1. Bürgermeister Konrad Rupprecht fest, der selbst schon zwei Mal Gruppen auf dem Drei-Schlösser-Rundweg begleitete. Auch sein Amtsvorgänger Hannes Schönfelder übernimmt vereinzelt Führungen. Drei Termine mit Daniela Semann stehen in diesem Jahr fest: am Samstag, 23. Oktober, um 15 Uhr, außerdem an zwei Wochenenden des Weihnachtsmarktes, am 27. November und am 19. Dezember um 14 Uhr. Treffpunkt ist immer im Foyer des Rathauses 1 in der Hauptstraße 33. Die Führung wird eineinhalb bis zwei Stunden dauern und kostet pro Erwachsenen zwei Euro. Von innen werden dabei das Zeidlerschloss und das Rathaus samt Sitzungssaal besichtigt. 2011 will man weitere Termine anbieten. Die Premiere ist Semann schon geglückt: In der vergangenen Woche führte sie bereits eine Gruppe durch den Ortskern. „Das hat sehr gut geklappt“, erzählt sie selbst. Wie gut, beweist das Lob, das Bürgermeister Rupprecht hinterher von Teilnehmern zu hören bekam.

Wer Interesse an weiteren individuellen Führungen hat, kann mit dem Bürgerbüro Kontakt aufnehmen unter Telefon 09128/9167-0, E-Mail

[email protected] Der Flyer des Drei-Schlösser-Rundwegs liegt im Rathaus aus und kann unter www.feucht.de, Tourismus & Freizeit, Sehenswürdigkeiten, im Internet heruntergeladen werden.

N-Land Martina Rüsing
Martina Rüsing