Gewerbegebiet Lauf-Süd

Seit 13 Jahren bleibt die Wiese grün

Diese 26.000 Quadratmeter Wiese am Oskar-Sembach-Ring warten seit 20 Jahren auf ihre Bebauung. Das Bild zeigt die Vorbereitungen für das Sasha-Konzert im Rahmen der BR-Radltour 2019. | Foto: Foto: PZ-Archiv/Sichelstiel2021/05/dddd.jpg


LAUF — Das Gewerbegebiet Lauf-Süd besteht größtenteils aus 2,6 Hektar Freifläche, die der Firma Sembach gehört. Dass diese aktuell nicht baut, hat finanzielle Gründe.

Die Pläne zur Erweiterung des Laufer Unternehmens ABL Sursum haben in der vergangenen Woche unter Laufer Bürgern und ihren politischen Vertretern die Diskussionen um Städtewachstum und Flächenversiegelung wieder zum Leben erweckt. Und sie haben die Frage aufgeworfen, ob die Rodung von Bannwald notwendig ist, wenn wenige hundert Meter entfernt eine große Fläche seit Jahrzehnten brach liegt.

2,6 Hektar, also rund vier Fußballfelder grüne Wiese, warten am Oskar-Sembach-Ring im Gewerbegebiet Lauf-Süd auf ihre Bebauung. Dass diese Fläche brach liegt, war ein Vorteil für die Organisatoren der BR-Radltour 2019, die so für das Sasha-Konzert mit rund 10 000 Zuschauern viel Platz hatten.

Doch den Unternehmern, die gerne Lauf als Standort nutzen würden, und den Bürgern, denen eine Verdichtung der Stadt lieber wäre als die Versiegelung weiterer Grün­flächen, ist das fast leere Gewerbegebiet mit perfektem Anschluss an A9 und S-Bahn ein Dorn im Auge. Aber was ist eigentlich der Grund für diese Leere?

Am Anfang stand ein Wohngebiet

Die Geschichte beginnt im Jahr 1990, als der Laufer Stadtrat überlegte, die Fläche für den Wohnungsbau zu nutzen. Dieser Plan scheiterte an den Lärmschutzauflagen, also wurde Lauf-Süd zu einem Gewerbegebiet. Nach langem Feilschen um private Grundstücke, für das extra ein sogenannter Umlegungsaussschuss berufen wurde, war ein zusammenhängendes Areal in Besitz der Stadt Lauf entstanden, für das sich die Laufer Firma Sembach, Produzent technischer Keramik für die Automobilbranche, interessierte.

Noch unter Altbürgermeister Rüdiger Pompl beschloss der Laufer Stadtrat 2008, also vor 13 Jahren, den Verkauf des Gebiets an das Unternehmen und benannte später die dortige Ringstraße nach Oskar Sembach, der die Firma 1904 unter dem Namen „Speckstein Steatit GmbH“ in Lauf gegründet hatte. 2019 erweiterte die Sembach GmbH das Areal unter anderem durch den Kauf eines Parkplatzes.

Was fehlt, ist die Baupflicht

Doch der Kaufvertrag hatte aus heutiger Sicht für die Stadt Lauf einen Mangel, der sich nicht beheben lässt: Die Firma Sembach musste keine Bauverpflichtung unterzeichnen. „Warum das so verabschiedet wurde, lässt sich schwer nachvollziehen. Wahrscheinlich musste alles ganz schnell gehen“, sagt Laufs früherer Bürgermeister Benedikt Bisping. Er habe den nachträglichen Vertragszusatz einer Bauverpflichtung prüfen lassen, ohne Erfolg.

In Bispings Amtszeit von 2008 bis 2020 stellte die Firma Sembach mehrere Bauanträge. „Wir haben uns jedes Mal gefreut, jetzt geht es endlich los“, sagt Bisping, doch letztendlich wurden alle Verfahren von Sembach wieder gestoppt.

Der jetzige Produktionsstandort der Sembach GmbH in der Oskar-Sembach-Straße in Lauf links ist in die Jahre gekommen. Das Gebäude steht seit 1904. | Foto: PZ-Archiv/Fischer2021/05/sembach-industrie-lauf-1.jpg

Laut Uwe Zwick, dem Fachbereichsleiter für Wirtschaftsförderung der Stadt Lauf, hakt die Stadt seit 20 Jahren regelmäßig bei Sembachs nach. „Das Gebiet ist sehr gut gelegen, auch gut aufteilbar. Bei uns stapeln sich die Anfragen von Gewerbetreibenden“, doch ohne Bauzwang sei die wiederholte Nachfrage das einzige Mittel, das bleibt.

Aber warum hat die Sembach GmbH bisher alle Pläne wieder verworfen? „Wir werden bauen, das neue Modell ist vom Architekten bis ins letzte Detail geplant. Ohne die Corona-Krise würde das erste Gebäude schon stehen“, sagt Firmenchef Martin Sembach am Freitag im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung.

Doch das Risiko, dass eine Firma wie die Sembach GmbH mit der Errichtung eines neuen Standorts eingeht, sei nicht zu unterschätzen. Martin Sembach führt das Unternehmen in vierter Generation, seit 2020 teilt er sich die Geschäftsführung mit seiner Tochter Anna Sembach, die in Zukunft als erste Frau an der Spitze des Familienunternehmens stehen soll. Auch sie betont die Gefahr, dass ein vorschneller Bau das Unternehmen gefährden kann: „Wir haben die Verantwortung für 230 Mitarbeiter.“

Unternehmen will das Ende der Krise abwarten

Durch die Corona-Krise verzeichne das Unternehmen, das 2019 noch 22 Millionen Euro Umsatz machte, Verluste von bis zu 20 Prozent im vergangenen Jahr. „Wir können bauen, wenn wir einige gute Jahre haben“, sagt Anna Sembach. Die Corona-Krise wollen Vater und Tochter in jedem Fall noch abwarten, wann der nächste Bauantrag eingereicht werde, sei noch nicht spruchreif.

Den bisherigen Bauplänen seien mehrere unerwartete Krisen im Weg gestanden. „Aber wir haben schon sehr viel Geld in die Planung investiert und die Platzkapazitäten des alten Standorts sind erschöpft“, sagt Martin Sembach. Aus diesem Grund sei auch ein Verkauf niemals in Frage gekommen. „Am jetzigen Gebäude sanieren wir nur noch das Nötigste. Das Haus steht immerhin seit 1904“, sagt der Firmenleiter.

Stück für Stück soll die Sembach GmbH nach Lauf-Süd wandern, aufgeteilt auf einzelne Bereiche wie Logistik, Produktion und Verwaltung. Am Ende steht ein Gebäudekomplex, der sich gut in die Umgebung fügen sollte und den Immissionsschutz-Auflagen genügen muss.

Doch je länger Sembach wartet, desto schwieriger wird es in Sachen Genehmigung. Laut Landratsamt Nürnberger Land können alte Baugenehmigungen verlängert werden – doch nur, wenn die neu geltenden Auflagen berücksichtigt werden. Gutachten, etwa in Sachen Lärmschutz, die Martin Sembach vor Jahren erstellen ließ, haben heute nur noch eingeschränkte Aussagekraft, das Immissionsschutzgesetz wird vom Bund regelmäßig verschärft.

Falls Sembachs jetzige Genehmigung nicht verlängert wird, müssen alle Gutachten neu in Auftrag gegeben werden. Für teures Geld.

Die alte Fläche wird verkauft

Auch die jährlich steigenden Baukosten werden wohl dafür gesorgt haben, dass sich die ursprüngliche Preisschätzung der Sembachs inzwischen pulverisiert hat. Wie viel die Firma für das neue Gebäude ausgeben will, sagen die Firmenchefs nicht. „Wir werden bauen und die jetzige Fläche nach dem vollständigen Umzug verkaufen. Sie könnte dann etwa für den Wohnungsbau genutzt werden“, sagt Anna Sembach.

Die Stadt Lauf hat aus der Misere des Oskar-Sembach-Rings jedenfalls gelernt: Seit dem Verkauf an Sembach enthält jeder Kaufvertrag für Gewerbeflächen der Stadt Lauf eine befristete Bauverpflichtung für den Käufer.

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