Kunst-Additum ludt zur Ausstellung ins CJT-Gymnasium

Realität ist nicht Reiz genug

Bei der Ausstellungseröffnung durften auch die Besucher selbst einmal „Action Painting“ ausprobieren (links). Rechts der Kunst-Kurs des CJT mit Lehrerin Christina Trummer (Mitte)Fotos : Beck2014/04/80538_kunstausstellungcjtactionpainting-abe_New_1397238968.jpg

LAUF — „I‘m not crazy, my reality is just different than yours.“ Dieses Zitat der Grinsekatze aus dem Film „Alice im Wunderland“ spricht eine oft geführte Diskussion um das menschliche Zusammenleben an. Denn die Frage nach den verschwimmenden Grenzen der Realität und ab wann Dinge aufhören, „normal“ zu sein, wird wohl nie beantwortet werden. Dieses Dilemma haben die Schüler des diesjährigen Q12-Kunst-Additums am CJT-Gymnasium Lauf als Grundlage für ihre Arbeiten benutzt. Sie haben die Ausstellung ihrer gesammelten Werke unter dem Motto der Grinsekatze vereint.

„Heute wollen wir für Sie neue Türen öffnen und Sie ermuntern, fremde Realitäten kennenzulernen.“ Mit diesen Worten begrüßten die Schüler des Kunst-Additums am Donnerstagabend die rund 250 Gäste in der gut gefüllten Aula des CJT-Gymnasiums. Sie luden ihre Besucher ein, sich eine Auswahl des Werkes aller 19 Kursteilnehmer aus den vergangenen zwei Jahren anzusehen. Diese hatten sie in der letzten Woche eingerahmt und im ganzen Schulgebäude verteilt.

Als die Kunst-Schülerinnen Carolin Reitzner und Jolane Schaffner dann um 21 Uhr zur Führung baten, zeigten sie interessierten Schülern und begeisterten Eltern die Ergebnisse des künstlerischen Schaffens. Außerdem erfuhren die Zuhörer Näheres über die Hintergründe der Bilder, wie etwa Machart und Aufgabenstellung. Von den übergroßen kreativen Portraits aus bunter Kreide über die Kaltnadelradierung bis zur Arbeit mit Wachsplatten waren fast alle Varianten der Kunst vertreten.

„Seit dem Kindergarten hat man mich nicht vom Malen abhalten können. Das Kunst-Additum ist eine Möglichkeit, sich in dieser Richtung weiterzubilden und sich auszuprobieren“, erzählte die 18-jährige Jolane Schaffner, die mit ihrer Kurs–Kollegin Carolin Reitzner eine interessante Führung durch das Haus auf die Beine stellte.

Die Leiterin des Kunst-Additums, Christina Trummer, ging in ihrer Begrüßungsrede auf das vielfältige Werk ihrer Schüler ein. Aus Semester-Themen wie „Körper“, „Architektur“ und „Kommunikation“ schufen ihre Zöglinge die unterschiedlichsten Bilder. Besonders stolz sei sie auch auf die Preise, die einige der jungen Künstler beim Wettbewerb auf Schloss Habelsee gewonnen hatten. Dort findet alle zwei Jahre ein Kunst-Wettbewerb zum Thema „Denkmalschutz“ statt, für den die jungen Künstler ein Denkmal zeichnen und ein Logo zum Thema entwerfen sollten. Was dabei herausgekommen ist, haben die Mitglieder des Additums in den Treppenhäusern von zwei Gebäudetrakten auf Staffeleien verteilt oder an den Wänden aufgehängt. So präsentierten sie ihren staunenden Gästen quietschbunte Logos auf Leinwand und originalgetreue Zeichnungen, wie etwa vom Brandenburger Tor.

„Der Kurs war super. Es herrschten immer gute Laune und ein entspanntes Klima“, erzählte Trummer später und ergänzte: „In der Gruppe hatten alle Schüler einen sehr individuellen Stil und fühlten sich von der Miniaturzeichnung bis zur riesigen Fläche auf ihren bestimmten Gebieten wohl.“

Die Ideen für die jeweiligen Aufgabenstellungen kämen Trummer zu Folge spontan und im Zuge der eigenen Beschäftigung mit Kunst. Allerdings ist vor allem bei so freien Stilen wie dem „Action Painting“, bei dem die Schüler nach Lust und Laune und mit Spachtel, Rolle und riesigen Pinseln Farbe auf Papier verteilen, die Bewertung besonders schwierig. Trummer versucht deswegen, die Bewertungs-Kategorien möglichst eng zu halten. „Es geht um die Erfüllung der Aufgabenstellung, die Originalität des Bildes – also ob es sich verkaufen würde – und den Wiedererkennungswert. Auch wichtig ist natürlich der Gesamteindruck und die Plastik, wie auch das Zusammenspiel von Licht und Schatten.“

Ein Bild im Stile dieses „Actions Paintings“ überreichten die 13 Mädchen und sechs Jungs des Kurses ihrer Lehrerin zum Dank für den zweijährigen Unterricht. Am Ende ihrer Eröffnungsrede durfte Trummer das bunte Gemeinschaftswerk und einen Blumenstrauß entgegen nehmen.

Ganz unter dem Motto des „Actions Paintings“ kamen an diesem Abend auch die Gäste zum Zug. In der Aula hatte das Additum eine große Leinwand aufgestellt und lud interessierte Besucher ein, sich mit Hilfe von langen Pinseln und Streichrollen auf dieser zu verewigen. Auch die großen Skizzenbücher der jungen Künstler waren in der Aula einzusehen.

Das Ganze wurde von einem Musik-Trio mit lockerem Jazz begleitet. Christoph Olwärther an der Gitarre, Caspar Geer am Klavier und Matthias Hartmann am Schlagzeug erhielten für ihr musikalisches Schaffen viel Applaus.

Besucher, die durch die Gänge wanderten und ihr Lob mittels vieler „Wows“ und „Ohs“ ausdrückten und insbesondere die Eltern, die mit leuchtenden Augen viel Zeit vor den Bildern ihres Nachwuchses verbrachten, bekamen die unterschiedlichsten Kunstwerke zu sehen: Egal ob die Ergebnisse einer Klausur, in der die jungen Künstler eine Banane auf dem Blatt zum Möbelstück machen sollten, oder die dreidimensionalen Bilder, für die die Schüler Material mit auf ihre Leinwand einbauen mussten – der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Unter anderem in Form von Aktbildern der Kunstgeschichte, wie Michelangelos David, die in eine neue Umgebung eingesetzt wurden, zeigten die Teilnehmer des Additums, dass sie diese offenen Grenzen auch nutzen konnten.

„Immer kreativ zu sein, ist manchmal schwierig“ erzählte der 18-jährige Laurin Ohr, „dennoch war es der Kurs eine Herausforderung, die sich gelohnt hat.“ Die Meinung von Lehrerin Christina Trummer dazu war: „Sie können es ja alle – im Additum bekommen sie die Chance, ihr Können auch zu verwirklichen.“

Andrea Beck

Mit Ausnahme der Osterferien ist die Ausstellung im Gymnasium noch bis zum 9. Mai zu betrachten.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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