Partys in Altdorfer Kneipen und Gaststätten

Zydeco Annie heizt den Gästen in der Nagelschmiede mit ihrem Akkordeon kräftig ein. Foto: Schönweiß2007/10/20071007_musiknacht2_big.jpg

ALTDORF — Sag noch einer die Altdorfer könnten nicht feiern – die inzwischen fünfte Altdorfer Musiknacht bewies einmal mehr das Gegenteil. Berstend volle Kneipen, Musik unterschiedlichster Couleur und ein rundum begeistertes Publikum bescherten der Veranstaltung auch in diesem Jahr einen beachtlichen Erfolg. Eine für die Jahreszeit fast „laue“ Herbstnacht brachte viele Altdorfer dazu den Abend nicht zu Hause auf dem Sofa zu verbringen sondern in hellen Scharen auszuschwärmen um nicht nur Augen- und Ohrenfreuden sondern auch kühlen Gerstensaft zu genießen. Christopher Dietz vom Werk b zählte 3.200 Besucher, immerhin 200 mehr als im letzten Jahr.

Am Start waren diesmal insgesamt 21 Bands und Einzelkünstler, ein Mammutprogramm das an einem Abend kaum zu schaffen ist. Die Bandbreite reichte von Oldies aus den 60er Jahren über Latin, Soul, Rock´n Roll, Pop-Klassiker, bis hin zu fetzigen Hardrock-Stücken, es war praktisch für jeden Geschmack etwas geboten, dementsprechend bunt gemischt das Publikum. Das Gedränge ist teilweise derart groß dass selbst für den Verfasser ein Durchkommen schier unmöglich scheint. Einige Lokale müssen wegen Überfüllung einen kurzfristigen Einlass-Stop verhängen, sehr zum Verdruss der draußen Wartenden, der Stimmung im Inneren tut dies keinerlei Abbruch.

Männlein drängt sich dicht an dicht mit Weiblein, was einigen offensichtlich gar nicht so zuwider ist: Es wird nach Kräften geflirtet und gelacht, auch im zwischenmenschlichen Bereich dürfte die Musiknacht also recht erfolgreich gewesen sein.

Was der Feierlaune der Altdorfer allerdings einen spürbaren Dämpfer versetzte, war die deutlich früher als gewohnt verordnete Sperrstunde. Schuld daran waren nicht die Wirte sondern Anwohner, die offenbar mit Feiern nichts am Hut hatten. Bereits eine Woche vor der Veranstaltung waren einige beim Ordnungsamt der Stadt Altdorf vorstellig geworden um gegen die bei einem solchen Event zwangsläufig unvermeidbare Lärmbelästigung zu Felde zu ziehen Folge: In den Kneipen war schon um ein Uhr morgens Feierabend, was für deutlichen Unmut bei Veranstalter und vielen Besuchern sorgte. Gleiches Drama in der Stadthalle: Die „Rockaholixs“, die mit Klassikern wie „Highway to Hell“ für eine bombastische Stimmung sorgen, müssen um 3.45 Uhr den Stecker ziehen, aus der Traum.

Der Alkoholkonsum vieler jugendlicher Besucher sprengt alle Grenzen. Eine erst 14-jährige Besucherin der Altdorfer Musiknacht berichtet dem Verfasser freudestrahlend: „Ey, gerade habe ich einen halben Liter Wodka-Red Bull für sechs Euro gekauft, geil!“. Gesellschaftliches Problem hin oder her, auch in Altdorf scheint es für Minderjährige absolut kein Problem zu sein, sich Alkohol in unbegrenzter Menge zu besorgen, selbst für Hochprozentiges gibt es offenbar keine Schranken.

Die Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten: Bereits kurz nach Mitternacht torkeln Jugendliche stockbesoffen durch die Straßen, in der Stadthalle entlädt sich die durch den Alkohol angeheizte Aggressivität in Schlägereien, Polizeieinsätze sind die Folge, unflätige Beleidigungen werden ausgetauscht und wie immer Klagen über Securities. Unschöne Szenen die an diesem Abend niemand wirklich braucht. Die Szenen vor der Stadthalle noch in frischer Erinnerung, geraten auf der Heimfahrt im Nightliner zu allem Überfluss auch noch betrunkene Jugendliche mit ebenso betrunkenen Erwachsenen aneinander, nur das beherzte Eingreifen einiger Besonnener verhindert Schlimmeres.

Fazit: Trotz aller positiven Stimmung auf der Altdorfer Musiknacht hinterlassen diese Eindrücke einen bitteren Beigeschmack.

Helmuth Schönweiß

N-Land Der Bote
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