Bauern, Eisverkäufer und Badegäste leiden besonders unter dem Regen

Nicht nur die Heuernte fällt ins Wasser

Schirme sind bisher das wichtigste Mode-Accessoire des Sommers, wie hier am Laufer Friedensplatz. | Foto: Kirchmayer2016/06/pz-120564_RegenschirmeDamenLauf.jpg

NÜRNBERGER LAND (kir) — Schirm statt Badehose, Pulli statt
 T-Shirt: Der Sommer ist im PZ-Land noch nicht angekommen. Veranstaltungen fallen regelrecht ins Wasser, Regen und niedrige Temperaturen trüben die Laune ganzer Berufsgruppen.

Die Sonnwendfeier des TSV Lauf, die eigentlich am heutigen Samstagabend stattfinden sollte, ist abgesagt. Wegen der schlechten Wetterprognose hissen die Veranstalter die weiße Fahne. Auch mehrere für gestern geplante Relegationsspiele der unteren Fußballklassen fielen aus. Bergbeats, das bei jungen Laufern beliebte Technofestival auf dem Kunigundenberg, wurde Anfang des Monats um eine Woche verschoben.

Doch was den einen nur die Feierlaune verdirbt, hat auf andere spürbare wirtschaftliche Folgen. „Alle Extreme sind problematisch für die Landwirtschaft“, sagt Werner Wolf, Direktor des Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth/Hersbruck. Im vergangenen Jahr litten die Bauern noch unter extremer Trockenheit, heuer machen die Niederschläge der vergangenen Wochen Sorge. Denn die Heuernte ist längst überfällig. „Eigentlich beginnt sie Anfang Juni“, sagt Wolf, „aber das Gras ist zu nass und konnte deshalb noch nicht geerntet werden. Dafür brauchen wir eine stabile Hochdrucklage, mindestens drei schöne Tage mit über 25 Grad“. Steht das Gras zu lange, sind Qualitätseinbußen nicht zu vermeiden.

Schlecht fürs Wachstum

Aus Sicht der Bauern ist das nicht das einzige Problem. „Auch notwendige Pflanzenschutzbehandlungen können aktuell nicht durchgeführt werden. Dadurch steigt die Gefahr durch Krankheiten für die Ernte“, sagt Wolf. Und grundsätzlich sei zu viel Niederschlag schlecht fürs Pflanzenwachstum.

Auch fern der fränkischen Felder macht das Wetter mancher Berufsgruppe zu schaffen: Eisverkäufer können dem bisher kühlen und verregneten Sommer selbstredend wenig abgewinnen. „Dieses Jahr ist es ganz extrem. An manchen Tagen kommen die Leute von überall, am nächsten Tag läuft gar nichts“, sagt Giorgio Campo von der gleichnamigen Laufer Eisdiele. Er spricht von Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent allein diesen Monat im Vergleich zum Vorjahr. „Der Juni wird hart, wir hoffen jetzt auf gutes Wetter beim Altstadtfest.“

Auch im Einzelhandel bleibt das Wetter nicht ohne Folgen. „Man merkt, dass die Stimmung fehlt, dass den Kunden das Wetter aufs Gemüt schlägt“, sagt Dagmar Steinbauer, Verkäuferin im Bekleidungsgeschäft Engelhardt und Walter in Lauf. Kurze Hosen, T-Shirts und Kurzarmhemden verkauften sich heuer weniger. „Die Lust zum Shoppen ist aber trotzdem da“, so Steinbauer. Die Kunden kauften nun einfach mehr Pullover.

Im Dauerregen bleiben in den Freiädern selbstredend die Gäste aus. „Die Triathleten und die Stammgäste sind da“, sagt Stefan Schenk, Schwimmmeister im Laufer Freibad. Sonst ist aktuell nicht viel los. Im Juni vergangenen Jahres verzeichnet das Laufer Bad rund 20 000 Gäste, in den bisherigen Junitagen kamen erst etwa 4000, zeigt die Statistik ein deutliches Bild.

Und von heute auf morgen ist ein Umschwung auch nicht möglich: „Wir brauchen zwei Tage schönes Wetter, damit am dritten Tag das Bad voll ist“, erklärt Schenk seine Faustregel. Der Mensch sei schließlich ein Gewohnheitstier und müsse erst in Sommerstimmung kommen, ehe er ins Schwimmbad geht. Schenk ist dennoch zuversichtlich. „Wir wissen, dass der Hochbetrieb noch kommt. In den vergangenen 20 Jahren kamen nie weniger als 95 000 Besucher pro Jahr in die Einrichtung in der Schützenstraße. Oft
beginnt der Sommer bei uns eben erst im Juli“, sagt er.

Anders als in anderen Regionen droht derzeit trotz Dauerregen im PZ-Land oder der ganzen Region kein Hochwasser. Einzig an der Schwabach bei Forth wurde gestern kurzzeitig die Meldestufe I erreicht. An der Pegnitz verdoppelte sich zwar die Abflussmenge gestern im Laufe des Tages auf 25 000 Liter pro Sekunde, selbst von der niedrigsten Hochwasserwarnstufe war man damit aber immer noch weit entfernt.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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