Alte Gasttätte muss wohl abgerissen werden

Neues Hotel auf dem Kunigundenberg?

Ein Ensemble seit Jahrhunderten: die Kunigundenkapelle und die Gaststätte auf dem Berg. Letztere ist derzeit eine Asylunterkunft und so marode, dass sie abgerissen werden soll. Der Laufer Stadtrat diskutiert jetzt Zukunftspläne. | Foto: Fischer2016/11/gasthof-kunigundenberg-totale-4.jpg

LAUF — Mit nichts Geringerem als der „Zukunft des Kunigundenbergs“ – so der Arbeitstitel – befasste sich der Laufer Bauausschuss in seiner letzten Sitzung. Heute um 19.30 Uhr diskutiert der Laufer Stadtrat. Gemeint ist natürlich die Zukunft der Gaststätte auf dem Kunigundenberg, die nun schon seit Jahren eine Asylunterkunft ist. Im Ausschuss war die Meinung am Ende relativ klar: 1. Nur ein Abriss des 45 Jahre alten Gebäudes ist sinnvoll (wie von der Verwaltung vorgeschlagen). 2. Auch künftig sollte auf dem Laufer Hausberg ein Hotel mit Gastwirtschaft betrieben werden.

Bis es soweit ist, fließt vermutlich noch viel Wasser die Pegnitz hinunter. Bauamtsleiterin Annette Nürnberger jedenfalls beantwortete eine Frage nach einer möglichen Umsetzung einer Neubebauung mit „in fünf bis zehn Jahren“. Vor allem auch, weil ja derzeit noch gar nichts konkret sei, weil es keine Pläne und keine rechtliche Grundlage gebe. Vor einem Abriss jedenfalls, so Nürnberger, müsste das Neubaukonzept stehen, sonst könnte es passieren, dass auf dem Berg, im sogenannten Außenbereich, nicht mehr gebaut werden könnte. Wenn ein Neubau allerdings vorgesehen sei, dann liege das wieder komplett in der Planungshoheit der Stadt, eine Voranfrage an der Landratsamt, was denn überhaupt genehmigt würde, erübrige sich deshalb.

Eines wurde in der Bauausschusssitzung auch deutlich, die wenigsten Stadträte können und wollen sich vorstellen, dass die Stadt selbst, wie beim Neubau Anfang der 70er-Jahre, auch dieses Mal wieder als Bauherr auftritt und das Ensemble dann verpachtet. Viel Ärger nämlich haben diese unterschiedlichen Besitzverhältnisse in der Vergangenheit und die Rückübertragung des Erbbaurechtes erst vor drei Jahren der Stadt bereitet, wie die für die Liegenschaften der Stadt zuständige Referentin Elke Neidl die Räte erinnert.

Schon immer war die Gaststätte auf dem Kunigundenberg im Besitz der Kommune. 1971 errichtete die Stadt den aktuellen Bau komplett neu. Mit Kegelbahn, großem Saal und schöner Terrasse, mit Gastronomie und 15 Fremdenzimmern. Im Saal wurden in den Anfangsjahren große Bälle gefeiert, auch der Jahresempfang der Stadt fand hier statt und der Kunigundenwirt war immer auch für den Biergarten auf der anderen Seite der Kapelle zuständig.

Zunächst verpachtete die Stadt den Gasthof direkt an einen Betreiber, später veräußerte sie ihn in Erb­pacht. Am längsten, von 1988 bis 2003, hielt dieses Recht die Brauerei Simon/Kaiser, die den Gasthof selbst verpachtete. Dann übernahm der Sportler und Investor Josef Zinnbauer das Anwesen und machte daraus das K3, eine moderne Gastwirtschaft für junges Publikum statt des großen Saals und mit einer Disco im Keller. Letztere musste aus Brandschutzgründen bald das Aus melden, danach ging es mit der Gastwirtschaft selbst unter verschiedenen Pächtern immer weiter abwärts. Bis die Gaststätte schließlich geschlossen und vor einigen Jahren zur Unterkunft für Asylbewerber wurde.

Weil die Stadt dieser Entwicklung nicht weiter zusehen wollte, weil auch jedes Jahr der Bergbetrieb zum Kunigundenfest ein Hin und Her war und weil es Streit um die Kosten für Sanierungen gab, beschloss der Stadtrat, die Gastwirtschaft zurückzuholen. Seit 1. Januar 2014 ist Lauf wieder im Besitz des gesamten Areals auf dem Berg außerhalb der Kapelle. Der Gasthof ist weiter Flüchtlingsunterkunft, die an den Landkreis vermietet ist. Aktuell sind hier 22 Asylbewerber untergebracht. Der Biergarten wird seit vier Jahren in den Sommermonaten separat von Jürgen Eichenmüller betrieben, die Pacht wurde aktuell bis 2019 verlängert.

Jetzt geht es also um die Zukunft auf dem Berg. Aufgrund erheblicher baulicher Mängel am gesamten Gebäude, unter anderem ist ein Teil der Terrasse abgerutscht, sieht das Bauamt keine andere Möglichkeit mehr, als das Gebäude abzureißen und das Areal neu zu bebauen.

Wieder mit einer Gaststätte und einem Hotel? Um Grundlagen zur Beantwortung dieser Fragen zu bekommen, gab die Verwaltung 2015 eine Untersuchung bei der unabhängigen Hotel- und Gaststätten-Beratungsgesellschaft (Hoga) in Auftrag und sprach auch mit einem Laufer Hotelier. Das Ergebnis der Untersuchung soll nun Grundlage für künftige Entscheidungen (möglicherweise einer Arbeitsgruppe aus Stadträten) oder  für die Suche nach einem Investor und Betreibern sein.

Die Hoga kommt zu dem Ergebnis, dass sich vor dem Hintergrund von Konkurrenz, Lage und Nachfrage ein Hotel mittlerer Größe und mittleren Standards mit etwa 30 Zimmern auf dem Kunigundenberg durchaus rechnen würde; zusammen mit einer Vollgastronomie und als Familienbetrieb. Im Vergleich mit anderen Orten würde Lauf weitere Hotelbetten sehr gut vertragen und eine Gastronomie könnte mit einer Mischung aus Hotelgästen (Geschäfts- und Privatkunden), Veranstaltungen wie Hochzeiten und mit Terrassen- und Biergartenbetrieb wirtschaftlich arbeiten. Das Gebäude müsste allerdings schlüsselfertig übergeben werden, die Pacht sollte dann die Investitionskosten refinanzieren.

Als Bauherr allerdings, so äußerten sich die meisten Räte in der anschließenden kurzen Diskussion, sollte die Stadt nicht auftreten. „Ich sehe nicht, dass die Stadt hier ein Hotel baut“, sagte beispielsweise Bürgermeister Bisping. Ähnlich Stadtrat Pohl, der „das Rad nicht zurückdrehen“ und nur privat bauen will oder Stadtrat Tiedtke (beide FW), der meinte, dass die Stadt kein Investor sei. Auf seine Frage, ob denn Investoren überhaupt schon angefragt hätten, bekam er allerdings keine konkrete Auskunft von der Verwaltung.

Räte aller Fraktionen, von Hans Kern (Grüne) über Karlheinz Herrmann (FDP) bis Georg Schweikert (SPD) und Norbert Maschler (CSU), betonten allerdings die besondere Verantwortung, die man für „den Kunigundenberg“, den Laufer Hausberg, habe.

Auf der seit Jahren gesperrten Terrasse des Gasthofes Kunigundenberg wachsen inzwischen Bäume und Büsche. Das Gebäude hat keine Zukunft mehr.
Auf der seit Jahren gesperrten Terrasse des Gasthofes Kunigundenberg wachsen inzwischen Bäume und Büsche. Das Gebäude hat keine Zukunft mehr. | Foto: Fischer2016/11/gasthof-kunigundenberg-terrasse.jpg
Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren