Mit Trommeln und Trompeten in allen Tonlagen

Riesenbeifall im Kirchenrund: Die TSV Marchingband, Choral total und das Jugendorchester des Turnverbandes beim gemeinsamen Konzert in der Johanniskirche. Foto: Vacca2009/03/20090309_querbeetkonzertlauf_big.jpg

LAUF – Ungewöhliche Klänge und ungewöhnliche Musikmischung in der Laufer Stadtkirche: Die erfolgreiche Marchingband des TSV Lauf, der Schönberger Chor Choral total und das Landesjugendorchester des Bayerischen Turnverbandes traten gemeinsam in der Johanniskirche auf und überzeugten auf ganzer Linie mit ihrem Konzert «Querbeet».

Das Repertoire, das, ganz dem Titel entsprechend, von Böhmischer Polka über Oldies, Balladen, Filmmusik und Kirchenlieder reichte, begeisterte das Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm und einer interessanten Mischung aus Gesang, Orchesterklängen und Bühnen-Show. Moderiert wurde der Abend von Georg (Schorsch) Winter, dem Leiter der Marchingband. Dem Wunsch der Mitwirkenden nach einem Live-Mitschnitt kam der Produzent Gerhard Pölloth nach und nahm das Konzert auf CD auf.

«Pfarrer Beck hatte mich immer wieder angesprochen, dass wir doch mal wieder was in der Kirche spielen sollen», erzählte Schorsch Winter, Leiter der Marchingband, und das Landesjugendorchester habe nach einer Möglichkeit für ein Konzert gesucht. Die Leiterin des «Choral total» Sieglinde Mörtel kennt Winter schon lange persönlich. Da sei eins zum anderen gekommen.

Vor fünf Jahren habe man schon einmal ein gemeinsames Konzert gegeben, erinnerte sich Mörtel, aber dieses Mal ist das Programm sehr viel facettenreicher. Es sei «fast schon schockierend wie quer Beet“ sich die Liederauswahl gestaltet, gestand die Chorleiterin lachend.

Bereits zu Einlassbeginn war der Andrang riesig: Die Besucher strömten in Massen in die Kirche, um die besten Plätze zu ergattern und verteilten sich in den Sitzreihen und auf den Emporen. «Sie können sich denken, dass ich es genieße, wenn die Kirche bis unter das Dach gefüllt ist», begrüßte Laufs erster Stadtpfarrer Friedhelm Beck strahlend die zahlreich erschienenen Gäste. Einige standen sogar hinter den letzten Sitzreihen.

Gespannt wartete das Publikum auf den Beginn des Konzerts, als das Landesorchester die musikalische Reise mit dem Militär-Marsch «Blaze away» imposant eröffnete und die Akustik der alten Gemäuer voll ausschöpfte. Dass das Bayerische Orchester nur dreimal im Jahr probt, war wie zu erwarten nicht ansatzweise zu hören, verblüffte aber dennoch mit einer erstaunlichen Routine.

Der tschechische Pianist und Dirigent Vlastimil Jarunek, der das Orchester seit dem Tod des einstigen Dirigenten Reinhold Büttner vor zwei Jahren kommissarisch leitet, war extra für «querBeet» aus seiner Wahlheimat England eingeflogen. Mit seinen 70 Jahren dirigierte der sympathische Tscheche das rund 40-köpfige Orchester voller Elan. In Erinnerung an den verstorbenen Dirigenten spielten sie das Stück «Rote Rosen», das aus der Feder von Reinhold Büttner stammt und rührten damit das Publikum.

Der stetige Wechsel zwischen dem Orchester und dem «Choral total» machte das Konzert nicht nur unterhaltsam, sondern verdeutlichte den Kontrast zwischen dem zarten «a cappella» Gesang und dem kraftvollen Klang der Blasmusik. Anfangs wirkten die Lieder des Chores im Vergleich sehr sanft und leise, wurden im Verlauf des Konzerts aber immer stärker und schafften es mehr und mehr sich gegen die gewaltigen Instrumente zu behaupten.

Diese Gegensätzlichkeit zu zeigen war natürlich beabsichtigt, erzählte Winter, der das Konzert mitten aus den Reihen des Landesjugendorchesters charmant moderierte. Wie einige andere aus der Marchingband ist auch er Mitglied im Orchester und spielte an diesem Abend in doppelter Besetzung.

Da die Bühne für das rund 40 Mann starke Orchester gerade so ausreichte, rückten die Musiker stets so weit es ging nach hinten, um den Sängerinnen des Chores Platz zu machen. Dicht gedrängt sangen sie Lieder wie «Have a nice day» und «Lollipop“. «Pata Pata» von der erst im letzten Jahr verstorbenen Mama Afrika (Miriam Makeba) zauberte einigen Zuhörern ein breites Lächeln auf das Gesicht. Und «Lord of the dance», zu dem die Sängerinnen rhythmisch tanzten, regte das Publikum dann auch zum Mitklatschen an und erhielt neben langem Applaus, zahlreiche Jubelrufe.

Jarunek gab das Dirigentenpult für ein Lied an den 24-jährigen Dirigenten Sebastian Pröger ab. Da schon seit längerem ein neuer Dirigent gesucht wird, nahm Winter das Konzert zum Anlass, zu erwähnen, dass sich die Orchestermitglieder Pröger wünschen würden, der dem Vorstand bisher noch zu jung erschien.

Zur Halbzeit tauschte das Orchester mit der Marchingband die Plätze, für die der Abend obendrein eine kleine Bewährungsprobe darstellte. Mit ruhigeren Tönen betraten sie erstmals fremdes Terrain. Ob und wie die langsamen Songs im neuen Programm der diesjährigen Saison ankommen würden, wusste vorher niemand so recht, man gab sich aber zuversichtlich. Es ist zwar nicht typisch für eine Marchingband Balladen wie «You’ll be in my heart» von Phil Collins oder «Can you feel the love tonight» von Elton John zu spielen. Aber der Konzerttitel «querBeet» erlaubte schließlich alles.

Wegen der CD-Aufnahme musste Winter die Marchingband ohnehin ein wenig abbremsen, da die Lautstärke der Instrumente durch die Akustik in der Kirche verstärkt wird. «Auf der Straße soll man uns natürlich von weitem hören, aber in der Kirche ist die Resonanz zu gigantisch», erklärte Winter, der die Marchingband bereits seit 39 Jahren leitet. Sie würden einfach mit «halber Kraft» spielen, so der 55-Jährige vor dem Konzert.

Das Publikum war sowohl von den langsamen, als auch von den schnelleren Liedern begeistert. Besonders die Filmmusik von «Fluch der Karibik“ oder «Hakuna Matata“ aus «Der König der Löwen“ brachte mit den militärischen Gesten und Tanzeinlagen der Musiker Bewegung auf die Bühne, die die Zuschauer schnell mitriss.

Beim abschließenden Lied wurden alle Mitwirkenden auf die Bühne geholt. Sie sangen und musizierten «Hang on Sloopy“ und wurden mit stehenden Ovationen und tosendem Beifall für ihre Darbietungen belohnt. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder fünf Jahre bis zum nächsten Gemeinschaftskonzert dauert.

Julia Vacca

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