Westernreiterin Caro Behnke (37) aus Lauf im Portrait

Leidenschaft für Pferde

„Zip“ mag am liebsten Gummibärchen. Seine Besitzerin Caro Behnke aus Lauf hat mit dem Wallach die Europameisterschaft 2014 als „Novice Amateur“ gewonnen. Foto: Kirchmayer2015/09/105566_CaroBehnkeWesternreiterinZip1_New_1441359964.jpg

LAUF/BEHRINGERSDORF — Ihrer großen Leidenschaft ordnet sie alles unter: Rund vier Stunden täglich verbringt sie bei ihren zwei Pferden im Reitstall. Geld und Urlaubstage opfert sie für Turniere. „Ein Leben ohne Pferde kann ich mir nicht vorstellen“, sagt die Westernreiterin Caro Behnke aus Lauf, die derzeit im Amateurbereich europaweit erfolgreich ist.

„Best Zippin Hotrod“, das klingt nach einem umgebauten Auto, einem Getränk in einem amerikanischen Restaurant oder einer von Douglas Adams erfundenen Romanfigur.

Aber Zip, wie seine Besitzerin ihn nennt, ist ein Pferd. Genauer gesagt ein speziell für Turniere ausgebildeter American Quarter Horse Wallach, also ein kastrierter Hengst. Für dessen Preis hätte sich Caro Benhke aus Lauf auch einen Kleinwagen kaufen können. „Das war für meine Verhältnisse viel Geld, das ich da investiert habe“, sagt die Polizistin.

Vor allem, weil es nicht beim Kauf bleibt. „Zip“ ist neben „Rosi“ Behnkes zweites Pferd, beide sind im Reitstall Perl in Behringersdorf untergebracht. Natürlich nicht umsonst. Auch Futter, Zubehör, Reitkleidung, die Anmeldegebühren für Turniere, Übernachtungskosten muss Behnke einplanen.

Aber ihr ist anzumerken: Sie kann nicht anders. Behnke ist getrieben von einer Leidenschaft, für die sie jeden Tag brennt, der sie Geld, Zeit und Lebensenergie widmet und nahezu alles unterordnet.

„Die Pferde sind ein Teil von mir“, sagt die 37-Jährige. „Schuld“ an ihrer Leidenschaft, sagt Behnke, ist ihre große Schwester. „Egal was sie gemacht hat, das wollte ich auch machen“, erklärt sie. „Und als ich sieben war, durfte meine Schwester zum Reitunterricht.“

In der Pubertät war deren Interesse an Pferden erloschen. Behnke hingegen ist seitdem mit Leidenschaft dabei, gefesselt von der Faszination Pferd. „Ich habe mir seit dem achten Geburtstag jedes Jahr ein eigenes Pferd gewünscht.“ Der Traum wurde allerdings erst mit 19 wahr. Ihr Vater kaufte die Stute „Avignon“.

Während der Ausbildung zur Polizistin in Eichstätt kam Behnke zum ersten Mal in Kontakt mit dem Westernreiten. Das ist, wenn man es über Musikstile erklären möchte, optisch eine Mischung aus Country und Hip Hop: viel „Bling Bling“ an Pferd und Reiter, und der Cowboyhut darf natürlich nicht fehlen.

„Das hat mich einfach fasziniert“, sagt Caro Behnke. „Je länger man dabei ist, desto mehr legt man Wert auf die Outfits und desto mehr Glitzer kommt dazu.“

Jeden Tag im Stall

Die Wettkampfarten im Westernreiten heißen „Pleasure“, „Trail“ oder „Hunter“. Behnke tritt seit 2010 in insgesamt fünf verschiedenen Disziplinen an. „All Around“ nennt sich das.

Für Turniere braucht man schon ein besonderes Pferd. „Avignon“ hat Behnke 2007 verkauft, ihr zweites Pferd „Rosi“, wieder eine Stute, hatte „zu plumpe Bewegungen“ für die Prüfungen.

„Best Zippin Hotrod“ musste her. Der Turnierwallach ist „ein Pferd, das ausgebildet ist, von dem ich etwas lernen kann“, wie Behnke sagt.

Von Zip spricht sie wie von einem alten Kumpel, beschreibt seinen Dickschädel, seinen stürmischen Charakter und seine Vorliebe für Gummibärchen. „Wir sind beste Freunde.“

Zip ist aber auch ein Sportgerät. Täglich ist Behnke bei ihren Pferden Rosi und Zip, füttert sie, kümmert sich um sie, reitet. Und tritt mit Zip bei Turnieren an. „Die Erfolge kamen peu à peu“, von Jahr zu Jahr wurde Behnke im sogenannten „Novice Amateur Westernreiten“ besser.

Das Highlight war bisher die Europameisterschaft 2014, die wie jedes Jahr im oberbayerischen Kreuth stattfindet.

Erfolge in Europa

Behnke maß sich in fünf Disziplinen mit rund 25 Rivalen aus der ganzen Republik und anderen europäischen Ländern. Am Ende wurde die Lauferin tatsächlich die Beste im „All Around“, also nach Addition aller Teilergebnisse. Im Juli dieses Jahres ist Behnke mit vier anderen Deutschen beim „European Team Cup“ in Frankreich angetreten. Fünf Nationen maßen sich dort im Reiten, Deutschland gewann.

Finanziell rechnet sich der Erfolg im Amateurbereich nicht. 500 Euro hat Behnke im vergangenen Jahr bekommen, weil Zip zum „Bavaria‘s Best Quarter Horse“ gewählt wurde. Die Woche bei der EM in Kreuth hat etwa das Doppelte gekostet.

Caro Behnke hat noch lange nicht genug vom Reiten. „Solange man körperlich fit ist, kann man das machen. Und ich möchte noch einige Jahre dabei sein.“

Ob ihre große Leidenschaft wichtiger ist als ihr Freund, lässt Behnke offen. „Er unterstützt das, er muss es tolerieren.“ Vor die Wahl stellen sollte er sie wohl besser nicht.

Bei der Europameisterschaft, die vor kurzem wieder stattfand, war Caro Behnke nicht dabei. Es klappte zeitlich nicht. Sie absolviert gerade ein Polizei-internes FH-Studium in Sulzbach-Rosenberg. Bei aller Begeisterung für den Reitsport: Ihre Karriere verliert die Lauferin nicht aus den Augen. Zips Gummibärchen müssen schließlich bezahlt werden.

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