Schnaittacherin saniert denkmalgeschütztes Ensemble

Laufer Brunnenhof als Domizil

Das denkmalgeschützte Anwesen an der Briver Allee stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Das denkmalgeschützte Anwesen an der Briver Allee stammt aus dem 16. Jahrhundert. | Foto: Buchner-Freiberger2016/06/sanierung-brunnenhof-lauf-anwesen2.jpg

LAUF — Es ist ein wahres Kleinod an der viel befahrenen Kreuzung Briver Allee/Hersbrucker Straße und laut Bürgermeister Bisping ein Vorzeigeprojekt in Sachen Denkmalsanierung: Nur einen Steinwurf vom Laufer Marktplatz entfernt setzt Familie Dotzler aus Schnaittach zurzeit den Brunnenhof instand, ein Fachwerkensemble mit Scheune aus dem 16. Jahrhundert.

Direkt an der Hauptstraße liegt das Anwesen – und trotzdem fällt es im Vorbeifahren kaum auf. Das soll sich ändern, wenn es nach Martina Dotzler geht. Die Kunsttherapeutin hat die zwei Wohngebäude samt dazwischen liegender Scheune gekauft und lässt sie seit 2015 sanieren. Die letzten Bewohner waren schon 2004 ausgezogen, danach war hier noch eine Pilsbar untergebracht. Im Internet hatte Dotzler das Objekt entdeckt und Ende 2012 gekauft. Die gebürtige Schnaittacherin lebte zuletzt in Holland und wollte zurück in die fränkische Heimat – in ein Domizil, in dem sie Wohnen und Arbeiten unter einen Hut oder besser unter ein Dach bringen kann.

„Denkmalgeschützte Häuser sind eine Liebhaberei von mir. Obwohl mir viele abgeraten haben“, sagt sie schmunzelnd. Fachliche Unterstützung kommt auch aus der eigenen Familie: Die Dotzlers führen seit vielen Jahren ein Bauunternehmen in Schnait­tach, Schwester Lydia Dotzler-Herbst ist Bauingenieurin. Für Vater Otto Dotzler ist das Projekt trotzdem Neuland. „Eine Denkmalsanierung in Eigenregie habe ich noch nie gemacht. Ich werde gerade wieder zum Lehrling.“ Umso mehr schätzen sie deshalb die Zusammenarbeit mit dem Architekten, der Denkmalschutzbehörde und der Stadt Lauf.

Rathaus lobt Musterprojekt

Im Rathaus wiederum ist man hoch erfreut über die Arbeiten an einer solch prominenten Stelle. „Dass hier Wohnraum geschaffen wird, hätten wir nicht zu träumen gewagt“, sagt Bürgermeister Benedikt Bisping, der begeistert von einem „Musterprojekt“ und von einer „Renaissance des Wohnens im Zentrum“ spricht. In das linke, schmälere der Häuser wird die Bauherrin selbst einziehen, im rechten entstehen vier kleine Wohnungen, die Dotzler vermieten will. Die Scheune möchte sie für die Kunsttherapie nutzen und außerdem für Bewegungsangebote wie Yoga oder Tanz.

Zwar werden in Lauf sowohl in den Ortsteilen als auch in der Altstadt viele denkmalgeschützte Objekte saniert, die Größenordnung im Brunnenhof stelle jedoch schon etwas Besonderes dar, meint Monika Lorenz von der Abteilung Stadtplanung im Rathaus. Deshalb wird die Maßnahme mit 220 000 Euro aus Mitteln der Städtebauförderung unterstützt. Hier-
von übernimmt die Stadt Lauf einen Betrag von 88 000 Euro. Zusätzliche Gelder fließen aus einem Denkmalschutzfonds. „Aber der bei weitem größte Anteil verbleibt natürlich bei der Bauherrin“, betont Architekt Stefan Lerzer vom gleichnamigen Ingenieurbüro.

„Durchaus machbar“

„Wenn man eine gewisse Begeisterung mitbringt und sich im Vorfeld gut informiert, ist so ein Projekt für Privatleute durchaus machbar“, bricht Lerzer eine Lanze für die Sanierungen im Denkmalschutzbereich. Am Brunnenhof werde ein Stück Kultur erhalten. Einen langen Atem bräuchten die Bauherren aber schon. Der Gebäudekomplex wurde erst einmal komplett „zurückgebaut“, bevor die eigentliche Sanierung starten konnte. Dabei wurden unter anderem Holz-Kassettendecken aus dem 18. Jahrhundert, mittelalterliche Lehmschlagdecken und Schilfputz freigelegt. Immer wieder gilt es, die Wünsche der Bauherrin mit den Vorgaben des Denkmalschutzes abzustimmen und auch noch mit den Ansprüchen an modernes Wohnen in Einklang zu bringen.

Deshalb ist Dotzler stolz darauf, dass die beiden Häuser nach der Instandsetzung sogar den KfW-Standard für denkmalgeschützte Gebäude erfüllen werden. Auch eine Hackschnitzelheizung wird eingebaut. Sie selbst will bereits im September einziehen, denn die Arbeiten gehen zügig voran. Danach startet der zweite Bauabschnitt.

Das Anwesen stammt aus dem 16. Jahrhundert und war wohl, so haben es die bisherigen Recherchen ergeben, eines der ersten Laufer Fachwerkhäuser und eine der ersten Ansiedlungen außerhalb der Stadtmauer. Es diente möglicherweise als Herberge und Pferdestall an der Goldenen Straße. Seinen heutigen Namen Brunnenhof erhielt das Ensemble angeblich von einem Pumpbrunnen. Gefunden haben ihn die Dotzlers allerdings bisher nicht, „wir sind noch auf der Suche“.

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