Bahn rodet 400 Meter Fläche

Kahlschlag am Bahndamm entsetzt Heuchlinger

An der B14 haben Bauarbeiter den Bahndamm zwischen dem Laufer Standort des Roten Kreuz und dem Lidl–Markt gerodet. Die ungewohnt weiträumige Aussicht von den Gleisen aus wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Statt Bäumen will die Bahn nach der Sanierung Blumen und Büsche anpflanzen. | Foto: Beck2019/04/Bahndamm-Rodung-Heuchling-Lidl-abe1.jpg

LAUF — Es ist eine leere Wüste, aus der einzelne Baumstümpfe ragen. Entlang der Gleise der Bahnstrecke Lauf rechts der Pegnitz nach Hersbruck, auf der Höhe von Heuchling, haben Arbeiter der Deutschen Bahn die bis zu 100 Jahre alten Bäume gefällt. Mit Sondergenehmigung des Landratsamtes Nürnberger Land. Laut der Bahn ist eine Komplettsanierung notwendig, um das Absinken des Bahndamms zu verhindern.

Die Heuchlinger Anwohner sind entsetzt. „Ich bin absolut platt. Vergangenen Montag stand ich am Bahndamm und habe zugesehen, wie sie einen Baum nach dem anderen gefällt haben. Man ist daran gewohnt, dass diese Bäume die letzten 30 Jahre immer weiter gewachsen sind“, erzählt eine Bewohnerin des Heuchlinger Blütenwegs.

Entlang dieses Wegs in Heuchling und auf der anderen Dammseite, entlang der B14 auf der Höhe des Lidl–Markts, lassen nur noch abgesägte Baumstümpfe erahnen, dass die Fläche bis vor Kurzem dicht bewachsen war mit Eichen und Birken, die teils bis zu 100 Jahre alt waren, also so alt wie der Bahndamm selbst, der dort 1899 errichtet wurde.

Die Heuchlingerin fühlt sich übergangen. „Uns hat vorher niemand etwas erzählt und wir wissen bis jetzt nicht genau, welchen Zweck die Rodung überhaupt hat. Ist es überhaupt notwendig, dass alle Bäume gefällt werden?“, fragt sie.

Rodung für ein Gutachten

Eine berechtige Frage, die ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) in München mit einem klaren Ja beantwortet. Nach seinen Angaben haben Messzüge der DB schon vor einigen Monaten eine Bewegung des Dammes zwischen den Unterführungen Neunkirchener Straße und Heuchlinger Hauptstraße festgestellt. Die letzte Messung im März zeigte, dass der Untergrund in kurzer Zeit um zwei Zentimeter gesunken war. Um eine Sperrung der Strecke zu vermeiden, ergriff die DB Sofortmaßnahmen.

Diese Eiche ist rund 80 Jahre auf dem Heuchlinger Bahndamm gewachsen. Ihre Fällung dauerte nur einige Minuten. Fotos: Beck2019/04/Bahndamm-Rodung-Heuchling-Lidl-abe2.jpg

Zunächst soll die 400 Meter lange Fläche von Ingenieuren der DB im April beurteilt werden. Für das Gutachten sei die Fällung aller Bäume notwendig. Anschließend wird im Juni ein Teil des Dammes an der Unterführung Neunkirchener Straße renoviert. An zwei Wochenenden werden Bauarbeiter die maroden Stellen ausbessern. Währenddessen übernehmen Busse den Schienenersatzverkehr. „Innerhalb der nächsten Jahre wird der gesamte Damm zwischen den beiden Brücken erneuert, also abgetragen und wieder aufgeschichtet. Wie lang das dauern wird, steht noch nicht fest“, erklärt der Sprecher der DB. Außerdem soll ein Entwässerungssystem in den Damm eingebaut werden. Die Gesamtkosten schätzt die Bahn zurzeit auf rund 1,6 Millionen Euro, die teils die Bahn und teils die Bundesrepublik tragen werden.

Die Erklärung für das Absinken soll das Gutachten liefern. Die DB-Experten vermuten eine Ausspülung des Dammes und einen Einfluss des trockenen Sommers 2018.

Blumen statt Bäume

Zum Schutz brütender Vögel im Frühjahr ist in Deutschland das Fällen von Bäumen vom 1. März bis zum 30. September eigentlich verboten. Jonas Raab, von der Unteren Naturschutzbehörde des Nürnberger Lands, begutachtete deswegen die Situation vor Ort und erteilte der DB München eine Sondergenehmigung, die Bäume noch im März fällen zu dürfen.
Die Auflage für die Bahn war, dass die Rodung und Räumung der Fläche innerhalb von zwei Wochen erledigt sein muss, also vom 18. März bis zum 1. April.

Nach der Sanierung übernimmt die DB die erneute Begrünung der Fläche. Sie plant jedoch, dort keine Bäume mehr zu pflanzen, sondern eine Blühwiese anzusäen.

„Mir blutet das Herz“

Laut Iris Bitzigeio, Sprecherin des Landratsamts, ist die Rodung des Bahndammes unumgänglich gewesen. „Mir blutet auch immer das Herz, wenn ich gefällte Bäume sehe, aber hier ist die Gefährdungslage einfach zu groß. Wenn wir die Genehmigung nicht erteilen und dann auf einmal der Damm wegrutscht, steigt man uns andersherum auch aufs Dach“, so Bitzigeio.

Für die Heuchlinger sorgten die Bäume für eine schöne Umgebung, da sie das graue Gleisbett und die ständig vorbeiziehenden Züge verdeckten. Einige Anwohner vermuten nun, dass gar nicht die Stabilität des Damms der Grund der Rodung ist, sondern die geplante Elektrifizierung der Strecke Nürnberg – Hersbruck. 

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck