Lauf und Drama wollen Städtepartnerschaft ausbauen

In Kontakt bleiben

Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping und sein Kollege aus der griechischen Partnerstadt Drama, Christodoulus Mansakos (vorne rechts), unterzeichneten ein Protokoll mit Themen für die weitere Zusammenarbeit. | Foto: Fischer2016/07/drama-vertrag-lauf-1.jpg

LAUF — Die Zusammenarbeit der Stadt Lauf mit ihrer griechischen Partnerstadt Drama soll, acht Jahre nach dem offiziellen Beginn der Beziehung, intensiviert und konkretisiert werden. Dies ist der Inhalt einer Vereinbarung, die Bürgermeister Benedikt Bisping und sein Kollege aus Drama, Christodoulus Mamsakos, gestern in Lauf unterzeichneten. Eine zehnköpfige Delegation aus Drama hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein großes Programm bewältigt. Angefangen von Arbeitsbesprechungen und Treffen mit Feuerwehr und THW über eine Information in Laufer Flüchtlingsheimen bis zur Teilnahme am sonntäglichen Kunigundenfestzug.

Zum ersten Mal war Mamsakos als Bürgermeister (in Personalunion sozusagen auch der Landrat von West-Makedonien und Thrakien, in Lauf, vor Jahren schon hatte er die Stadt als Stadtrat besucht. Mit dabei waren unter anderem Vertreter aller Parteien im Stadtrat von Drama, der zweite Bürgermeister Dimitrios Karampatzakis und der Generalsekretär (oberster Beamter) Dramas, Evanggelos Arampatzis. Als Übersetzerin und Organisatorin (zusammen mit Roland Schriefer von Rathaus) fungierte Maria Vassiliadu. Von Laufer Seite aus wurde die Delegation auch vom griechisstämmigen Laufer Stadtrat Nikos Sopolidis begleitet.

Unterstützung erfährt die Städtepartnerschaft Lauf/Drama auch von der „Deutsch-griechische Versammlung. Einer bundesweiten Initiative, die sich angesichts der Griechenlandkrise die Förderung von lokalen Projekten auf die Fahnen geschrieben hat. Beispielsweise in der Zusammenarbeit und der Unterstützung von Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Der Bürgermeister von Drama spielt in der Deutsch-griechischen Versammlung eine wichtige Rolle.

Sowohl in der Kommunalpolitik in Drama, als auch in der Partnerschaft mit Lauf sollte es keine Parteipolitik geben, so Mamsakos im Rathaus, als er auch die große Gastfreundschaft Laufs lobte. Beide Partner glaubt er, können mit intensiveren Kontakten nur gewinnen. Was er damit meinte, als er davon sprach „Projekte schnell umsetzen“, konnte man noch bei seinem Besuch in Lauf erleben: Das Kunigundenfest mit Festzug und Reigenplatz, vor allem die Aufführungen der Kinden, haben ihn so sehr begeistert, dass er ankündigte, so ein Kinder- und Jugendfest auch in Drama einführen zu wollen. Am besten noch gleich zum Vor-Weihnachtsfest Anfang Dezember, zu dem er auch Bürgermeister Bisping einlud und zu dem in Drama jedes Jahr rund eine Million Besucher erwartet werden

Weitere konkrete Projekte finden sich auf dem von den beiden Bürgermeistern unterzeichnen Protokoll des Treffens. So eine echte Schulpartnerschaft. Bisping sagte schon zu, dass die Bertleinschule hier Partnerschule sein wird, dass die Schüler der sechsten Klassen zu einem Austausch eingeladen werden und, dass auch Gespräche mit dem Laufer CJT-Gymnasium geführt werden sollen. Außerdem plant die Stadt Lauf einen Schüleraustausch auch der Musikschule mit Drama, wo es auch eine ähnliche Einrichtung, nur wesentlich größer, gibt.

Weiter sollen griechische Jugendliche verstärkt zu Betriebspraktika und Ausbildungen nach Lauf kommen können, dafür sollen die Kontakte mit der IHK verstärkt werden. Ganz konkret ist auch die Idee, in Drama eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Sie wäre die erste Einrichtung dieser Art in Griechenland (hier gibt es nur Berufsfeuerwehren) und damit ein Pilotprojekt. Die Besuche und Gespräche mit der Laufer Feuerwehrführung und dem THW dienten vor allem dafür. Und schließlich wollen Lauf und Drama auch in Sachen Tourismus zusammenarbeiten. Hier könnte die nordgriechische Stadt mit ihrem naturnahen Tourismus in der waldreichen und gebirgigen Region sogar Vorbild für Lauf sein und Anregungen liefern, wie Bisping meinte.

Ein ganz wichtiger Programmpunkt des Besuchs aus Drama war die Flüchtlingsproblematik. Schließlich leben in Drama derzeit auch über 550 Flüchtlinge. Untergebracht in einer großen Unterkunft, die von der Stadt innerhalb nur eines Monats regelrecht aus dem Boden gestampft und zum allergrößten Teil auch von der Kommune bezahlt wurde. Nur durch den sehr großen Einsatz von freiwilligen Helfern, von Ärzten bis zu Lehrern, sei dies überhaupt zu stemmen. Allerdings, auch das mussten die Griechen zugeben, führe das Thema auch in Drama mit rund 6000 armen Menschen wie ein Delegationsmitglied sagte, auch zu Problemen und Missstimmungen. Aus humanitären Gründen musste die Unterbringung der Flüchtlinge aber einfach sein.

Griechenland oder Drama allein können das Problem niemals lösen, so der Verwaltungschef Arampatzis. Dies gehe nur mit allen Ländern Europas und der Welt zusammen. Und geschlossene Grenzen seien hier nicht der richtige Weg. Die Stimmung in Griechenland jedenfalls sei derzeit fast depressiv. Vor allem auf Grund der Wirtschaftlage mit vielen Arbeitslosen und Jugendlichen ohne Perspektiven. Eine Stimmung, die er für gefährlich für ganz Europa hält.

Sehr angetan jedenfalls war die Delegation beim Besuch von der Ausstattung und der Qualität der neuen fast fertigen Flüchtlingsunterkunft Man-Roland gegenüber des Landratsamtes. Hier sollen einmal 282 Flüchtlinge einziehen. Ungläubiges Staunen dann auch, als Wolfgang Röhl vom Landrat einige Kosten und Zahlen nannte. So, dass jeder Flüchtling 360 Euro im Monat erhält, sich aber dafür selbst verpflegen muss. Dass es einen Sicherheitsdienst, eine Putzfrau und einen Hausmeister gibt. Und dass der Staat alle Kosten – in diesem Jahr waren ursprünglich 24 Millionen im Nürnberger Land für Flüchtlinge eingeplant – übernimmt. Für Flüchtling sei das ein Paradies, so ein Besucher aus Drama, er verstehe, dass die Menschen vor allem nach Deutschland wollen.

Wolfgang Röhrl von Landratsamt führte die griechischen Gäste durch die fast fertige Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Manroland-Gebäude, in der einmal 282 Flüchtlinge unterkommen sollen.
Wolfgang Röhrl von Landratsamt führte die griechischen Gäste durch die fast fertige Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Manroland-Gebäude, in der einmal 282 Flüchtlinge unterkommen sollen. | Foto: Fischer2016/07/delegation-drama-asylheim-lauf.jpg

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer