Erstes Wochenende Dampfmodelltage Industriemuseum

Hier stehen Technikfans unter Dampf

LAUF (mz) — Es zischte, tuckerte und es qualmte auch ab und zu am ersten Wochenende der Dampfmodelltage im Laufer Industriemuseum. Die Sonderschau mit vielen Aktionen ist bei vielen Technikbegeisterten jedes Jahr fest im Terminkalender verankert. So war der Zuspruch auch diesmal ordentlich. Weiter geht es am kommenden Wochenende, Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr.

Zugegeben, am meisten wirklichen Dampf produzierte wieder die Marie Luise, das einzylindrige Fantasie-Dampfgefährt aus der Bayreuther Gegend, das als kleine Attraktion im Hof des Industriemuseums und davor seine Runden drehte und mit der weithin hörbaren Dampfpfeife munter auf sich und auf die Dampfmodelltage aufmerksam machte. Sie ist das ideale Maskottchen, tankt doch auch sie Wasser, das im Kessel erhitzt wird, durch dessen Dampfdruck sich die Räder in Bewegung setzen.

Dieses Prinzip fand sich an den Dampfmodelltagen überall. Allerdings durfte im Ausstellungsareal nicht befeuert werden, weshalb die kleinen und großen Modelle und Maschinen fast alle mit Druckluft liefen. So auch das kleine Sammelsurium des Engelthalers Jochen Müller. Er zeigte Karussells, Riesenräder, aus Kindersicht gut für Playmobil-Figuren geeignet, aber auch Modelle industrieller Art, Dampfhämmer oder Antriebsräder verschiedener Art.

Wie die meisten Dampfmodell-Aussteller hat der Engelthaler eine Geschichte zu erzählen. Schon mit einem Jahr schenkte ihm der Opa eine Dampfmaschine: den Klassiker, die Wilesco D20. „Ich durfte damit nur an Weihnachten spielen“, erinnert er sich. Das hieß: an Heilig Abend auspacken, am Dreikönigstag wieder einpacken. „So war das.“

Eine ältere Familientradition, denn auch der Opa war schon vorgeprägt. Denn dessen Vater Fritz Müller war Maschinist und betrieb in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ein echtes Dreschlokomobil, also eine Dreschmaschine, die nach dem Prinzip der Dampfmaschine funktionierte. „Sie wurde mit dem Pferd von Bauernhof zu Bauernhof gefahren“, weiß Jochen Müller. Im Beruf war für den Urgroßvater Dampf bald wieder passé, aber das Interesse an Modellen blieb bestehen.

Wie viele der Aussteller war Müller schon öfter dabei bei den Dampfmodelltagen. Wilhelm Scharrenbach aus Bad Neuenahr bei Bonn dagegen war zum ersten Mal in Lauf. Er hat schon einiges gesehen, aber das Industriemuseum hat es ihm angetan: „Das ist hervorragend organisiert hier, es hat eine gute Wirkung nach außen und man hat viel Kontakt mit den Besuchern“, schwärmte der 73-Jährige.

Der Kfz-Meister und Berufschullehrer in Ruhestand hatte aber auch etwas vorzuzeigen: eine selbst gebaute 1:6-Nachbildung eines Fowler-Dampftraktors von 1910. Drei Jahre lang hat er an dem 60 Kilo schweren Oldtimer gebastelt, der stark genug ist, zwei Erwachsene zu transportieren. „Wieviel PS er hat, kann ich jetzt nicht sagen, aber der Drehmoment ist hoch“, verriet er.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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