Sonderausstellung im Laufer Industriemuseum

Herausforderung für alle Sinne

Gleichzeitig ein Gedicht ablesen und sich selbst dabei zuhören: Gar nicht so einfach, wie stellvertretende Museumsleiterin Doris Utzat hier demonstriert. | Foto: Buchner-Freiberger2016/04/tour-der-sinne-industriemuseum-utzat-horen1.jpg

LAUF — „Trau‘ deinen Sinnen nicht“: Diese Erkenntnis sollen Besucher aus der neuen Sonderausstellung des Laufer Industriemuseums mitnehmen, die am morgigen Sonntag offiziell eröffnet wird. „Tour der Sinne“ heißt sie und bietet 31 erstaunliche Experimente zum Sehen, Hören, Fühlen, Tasten und Schmecken.

Warum scheinen zwei Klötzchen zusammen leichter als eines allein? Wie kann es sein, dass zwei lila und gelbe Flächen auf einem bunten Würfel plötzlich dieselbe Farbe haben, sobald man sie isoliert betrachtet? Und die Linien auf dem Bild sind doch schief – oder etwa doch gerade? Wer sich auf die neue Sonderausstellung des Industriemuseums einlässt, die auf den ersten Blick unspektakulär erscheint, der wird an jeder Station aufs Neue überrascht. „Unsere Sinne täuschen uns oft, ohne dass wir es merken. Sie spiegeln etwas vor, was gar nicht ist“, sagt stellvertretende Museumsleiterin Doris Utzat. Zum einen liegt das an der Prägung, also daran, was das Gehirn über Jahre erlernt hat. Zum anderen an dem Kontext, in den eine Sinneserfahrung eingebettet ist. Zum Beispiel: Ist eine Farbe von anderen Farben umgeben, erscheint sie anders, als sie tatsächlich ist.

„Wahrnehmung ist nicht gleich Wahrheit. Eine Quintessenz, die man auf viele Bereiche des Lebens übertragen kann. Die Lösung muss lauten, Dinge zu hinterfragen“, meinen Doris Utzat und Ralf Mitschke, der die Schau betreut. Diese wurde vom Nürnberger „Turm der Sinne“ als Wanderausstellung konzipiert und war schon in ganz Deutschland und im deutschsprachigen, europäischen Ausland zu sehen. Jetzt kommt sie zum ersten Mal in die Region.

Sie ist für das Laufer Industriemuseum auch deshalb eine ideale Lösung, weil sie dem Team Luft lässt für die Vorbereitung der Jubiläumsausstellung, die 2017 anlässlich des 25. Geburtstags der Einrichtung an der Sichartstraße stattfinden soll, wie Leiterin Christiane Müller erzählt. Zudem seien die 31 Stationen „zum Anfassen und Mitmachen“ und bilden so eine gute Brücke zu einem „Fühl- und Experimentierpfad“ durchs Museum, der gerade in Planung ist.

Gehirn lernt dazu

Zwar könne man die Sinne nicht im eigentlichen Sinn „schärfen“, meint Ralf Mitschke, doch das Gehirn sei lern- und anpassungsfähig. Die verschiedenen Elemente der Ausstellung beschreibt der gelernte Sozialwissenschaftler als „eine Zaubershow im Inneren, bei der jeder sein eigener Zauberer ist“. Manchmal magisch, auf jeden Fall aber sehr unterhaltsam sind die größtenteils visuellen und akustischen Experimente. Wenn man für eine halbe Minute intensiv eine rotierende Scheibe betrachtet, so bewegt sich danach plötzlich das Gesicht des Gesprächspartners, fast wie in einem Animationsfilm. Töne, die in der Grundform eigentlich identisch sind, scheinen auf der „ewigen Tonleiter“ trotzdem immer höher zu werden. Und gleichzeitig sprechen und das Gesprochene durch ein Rohr hören, ohne zu stottern: schwierig.

Betrachtet man einen rotierenden Würfel mit einem Auge in einem Spiegel, so scheint sich jener plötzlich in beide Richtungen zu drehen. Das Museums-Team hat es ausprobiert.
Betrachtet man einen rotierenden Würfel mit einem Auge in einem Spiegel, so scheint sich jener plötzlich in beide Richtungen zu drehen. Das Museums-Team hat es ausprobiert. | Foto: Buchner-Freiberger2016/04/tour-der-sinne-industriemuseum-wurfel-team-hoch.jpg

Speziell zur Sonderausstellung wird auch wieder ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Schulklassen geboten, das sich diesmal an Kinder vom Grundschulalter bis zu Jugendlichen der Oberstufe des Gymnasiums richtet. Während für die Jüngeren das Erleben und Ausprobieren im Mittelpunkt steht, werden den Älteren die physikalischen Hintergründe näher gebracht. Wer möchte, darf im Anschluss an die Führung seinen eigenen schwebenden Würfel bauen.

Anmeldungen von Schulen, Horten, für Kindergeburtstage oder auch Erwachsenen-Führungen werden unter 09123/9903-14 oder per Email an [email protected] entgegengenommen.

Geöffnet ist die „Tour der Sinne“ bis 28. August. Als Sonderaktionen wird es am 12. Juni einen „Tag der Sinne“ geben sowie eine Abendführung am 27. Juli um 18.30 Uhr.

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