Erinnerungen an verstorbenen Literaturkritiker

Hellmuth Karasek und ein Lob für Lauf

Ein angenehmer Gast: Karasek bei den Literaturtagen. Foto: PZ-Archiv2015/10/Karasek_Hellmuth_Lit_sign-e1445615727591.jpg

LAUF — „Lauf! Lauf! Lauf!“ schrieb er der Stadtbücherei ins Gästebuch: Hellmuth Karasek, der jetzt im Alter von 81 Jahren gestorben ist, war gleich zweimal zu Gast in der Kreisstadt, nämlich 1993 und 2008. Gerne erinnert sich Büchereileiterin Beate Hafer-Drescher an den Literaturkritiker. „Er war den Menschen um ihn herum sehr zugetan“, sagt sie.

Als er 1993 zum ersten Mal nach Lauf kam, war Hellmuth Karasek zwar schon Teil des legendären „Literarischen Quartetts“, aber trotzdem galt sein Auftritt in der Stadtbücherei, die damals noch im Salvatorweg untergebracht war, eher als Insidertipp. Karasek stellte ein Buch über den Regisseur Billy Wilder vor. Er sei „nicht die Spur abgehoben, locker und interessiert, und angetan vom fränkischen Rotwein“, schwärmte die Pegnitz-Zeitung. Die Sache mit dem Rotwein war eine Anspielung auf das, was auf die Lesung folgte – ein legendärer Abend im „Schwarzen Bären“, einer Weinstube am Marktplatz, erinnert sich Hafer-Drescher. Für den Literaturkritiker war es das Ende seiner Lesereise. Vergnügt dichtete er darum folgende Verse: „Hier im schönen Lauf/hörte meine Reise auf/besser als in Lauf/hörte keine Reise auf.“

Karasek, sagt die Büchereileiterin, „war im Mittelpunkt, und er wollte gerne im Mittelpunkt sein“. Er genoss auch seinen zweiten Lauf-Besuch bei den Literaturtagen 2008, plauderte ganz entspannt vor rund 650 Zuhörern. „Er war ein sehr angenehmer Gast“, so Hafer Drescher. Sein Versprechen kann Karasek allerdings nicht mehr einlösen: Er strebe danach, „sich in 15 Jahren wieder (in Lauf) einzustellen“, schrieb er. Das ist jetzt sieben Jahre her. Am Dienstag starb der Literaturkritiker.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel