Hermann Gröhe besuchte Laufer Krankenhaus

Hausaufgaben aus Lauf für den Gesundheitsminister

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (5. v.l.) nahm sich im Laufer Krankenhaus Zeit für eine Diskussionsrunde mit (v.l.): Klinikumspressesprecherin Annette Tuffs, Klinikumsvorstand Alfred Estelmann, Landrat Armin Kroder, Bundestagsabgeordneter Marlene Mortler, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly, Michael Hitzschke, Geschäftsführer der Krankenhäuser Nürnberger Land, dem Laufer Chefarzt Werner Diekstall, Pflegedienstleiterin Esther Kozuschnik vom Laufer Krankenhaus und stellvertretendem Betriebsratsvorsitzenden der Krankenhäuser Nürnberger Land, Andreas Kröner. | Foto: Braun2016/08/pz-123025_groehebundesministerlauferkrankenhausgespraechsrunde-e1470407115811.jpg

LAUF — Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat am Freitag bei einer Stippvisite im Nürnberger Land das Laufer Krankenhaus und das Sigmund-Faber-Heim in Hersbruck besucht.

Eine knappe Stunde hatte der Minister nach Lauf mitgebracht, bevor die schwarze Limousine mit Berliner Kennzeichen unter Polizeibegleitung zum nächsten Termin in Roth weiterfuhr. Und weil man schließlich nicht aller Tage einen so hochrangigen Gesprächspartner hat, hatten die Verantwortlichen des Laufer Krankenhauses jede Menge Anregungen in dieses kurze Zeitfenster gepackt.

Der Geschäftsführer der Krankenhäuser Nürnberger Land, Michael Hitzschke, stellte zu Beginn einige Eckdaten vor. So gehören die drei Krankenhäuser im Nürnberger Land seit 2005 zum Klinikum Nürnberg, das mit über 7000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Region ist, der jährlich rund 115 000 stationäre und über 120 000 ambulante Patienten versorgt. Während im Nord- und Südklinikum eine Maximalversorgung möglich ist, wird in den Standorten in Lauf, Hersbruck und Altdorf eine Grundversorgung mit unterschiedlichen Spezialisierungen angeboten. Ein Modell, das sich nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus Ärzte- und Patientensicht bewährt habe, so Hitzschke.

Eine so gut funktionierende kommunale Zusammenarbeit sehe er gerne, betonte Gröhe. Viele andere der rund 2000 Kliniken in Deutschland hätten einen solchen Weg noch vor sich. „Schließlich können nicht alle Krankenhäuser alles in gleicher Qualität machen“, glaubt Gröhe.

Vor allem drei Themen brannten den Verantwortlichen des Klinikums in der anschließenden Diskussionsrunde auf der Seele: das derzeit im Parlament diskutierte Pflegeberufegesetz sowie die Patientendokumentation und die Qualitätssicherung.

Das Pflegeberufegesetz sieht eine generalistische Ausbildung vor, also einen einheitlichen Abschluss für die bisher getrennten Bereiche Krankenpflege, Kinderkranken- und Altenpflege. In der Theorie eine schöne Idee, so Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly, der in seiner Funktion als Verwaltungsvorsitzender des Klinikums vor Ort war, die sich im Praxistest aber nicht bewährt habe. Nach drei Jahren Ausbildung sei keiner der Absolventen in der Lage gewesen, im Krankenhaus-Nachtbetrieb mitzuarbeiten. Weitere Zusatzausbildungen seien nötig gewesen.

Genau das sei ja die Idee des neuen Berufsbilds des Pflegefachmanns/der Pflegefachfrau, antwortete Gröhe: eine allgemeine Ausbildung mit zusätzlichen Spezialisierungen. So sehe das neue Gesetz beispielsweise bis zu 1400 mögliche Ausbildungsstunden im Bereich Kinderkrankenpflege vor – eine Verdopplung zum aktuellen Stand. Ein Problem sei aber, dass von den 400 Kinderkliniken in Deutschland nur die Hälfte überhaupt ausbildet, spielte Gröhe den Ball zurück. Die Anregung von Ulrich Maly, ob man die Kliniken nicht per Gesetz zur Ausbildung verpflichten könne, wollte Gröhe „zumindest nicht ausschließen“.

Ausbildung statt Studium

Auch die geplante Akademisierung der Pflegeberufe sorgte für Kritik. So sagte Klinikumsvorstand Alfred Estelmann: „Wir geben den Pflegekräften die Illusion, dass sie mit einem Hochschulabschluss besser am Patientenbett eingesetzt werden.“ Tatsächlich sei der einzig sinnvolle Gang nach dem Studium aber der ins Pflegemanagement. Das medizinische Behandlungsmonopol liege in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – alleine bei den Ärzten. Dies müsse sich ändern, findet Estelmann.

Hier gab Gröhe ihm recht. Dem Druck zur Akademisierung aus Brüssel könne man aber nur durch eine starke Berufsausbildung entgegentreten, wie man sie in Deutschland auch durch das geplante Pflegegesetz hochhalten wolle. Dann sei es in Zukunft vielleicht auch möglich, gut ausgebildeten Pflegern mehr medizinische Aufgaben zu übertragen.

Den hohen bürokratischen Dokumentationsaufwand, der im Klinikalltag inzwischen betrieben werden muss, zeigte die Laufer Pflegedienstleiterin Esther Kozuschnik anhand des Beispiels einer 72-jährigen Patientin auf, die in Lauf eine Knieendoprothese bekommen hatte. 92 Blätter waren dazu demonstrativ an vier Aufstellwände gehängt worden, um zu demonstrieren, welchen Papierwust eine solche Behandlung vom Erstkontakt bis zur Entlassung verursacht.

Gröhe, der Kritik an zu viel Bürokratie wohl gewohnt ist, erklärte, dass man den Dokumentationsaufwand in der Altenhilfe um 40 Prozent reduziert habe. Ähnliches sei auch in der Krankenpflege möglich. Die zunehmende Digitalisierung werde die Aufzeichnungen in Zukunft zusätzlich erleichtern. Er bat darum, konkrete Kritikpunkte und Vorschläge direkt an das Ministerium zu senden, und bekam prompt gleich eine Arbeitsmappe mit auf den Weg.

Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler, die den Minister begleitete, musste schließlich zum Aufbruch drängen. Für den Gesundheitsminister, der eine Tante in Eschenbach hat, war es nicht der erste und auch sicher nicht der letzte Besuch in Lauf. Bereits am Donnrstag hatte er sich bei einem Gesprächsabend in Hersbruck ins „Goldene Buch“ der Stadt eingetragen und so manche Jugenderinnerung aufgefrischt.

Urologe Dr. Thomas Liedl sprach den Minister im Krankenhausfoyer an. Auf dem Plakat stand: „Freiheit und Verantwortung statt Regress und Überwachung.“
Urologe Dr. Thomas Liedl sprach den Minister im Krankenhausfoyer an. Auf dem Plakat stand: „Freiheit und Verantwortung statt Regress und Überwachung.“2016/08/pz-123027_ministergroehekhlaufarztprotestplakat.jpg
N-Land Tina Braun
Tina Braun