Modellprojekt für ganz Bayern

Gymnasium Lauf bewirbt sich um Mittelstufe Plus

Durch die Mittelstufe Plus sollen Gymnasiasten ein Jahr mehr Zeit zum Lernen bleiben. Das Gymnasium Lauf will den Versuch wagen und hat sich als Modellschule beworben. Foto: NN-Archiv2015/02/laufcjtthomasfreimanrektorcjt_New_1424267101.jpg

NÜRNBERGER LAND – Im nächsten Schuljahr möchte das Christoph-Jakob-Treu-Gymnasium (CJT) in Lauf als Pilotschule für die Mittelstufe Plus an den Start gehen. In dem Modellprojekt können die Schüler die Mittelstufe in vier statt bisher drei Jahren absolvieren. Der Kreisausschuss hat zu der Bewerbung einstimmig sein Ja-Wort gegeben.

Statt des neunstufigen Gymnasiums (G9) eine sogenannte Mittelstufe Plus, das ist der Plan von Bildungsminister Ludwig Spaenle. 30 bis 40 Einrichtungen sollen als Modellschulen in Bayern ausgewählt werden. Um diesen Status bewirbt sich auch das CJT in Lauf. Schulleiter Thomas Freiman bat die Kreisräte im Ausschuss für Schulen, Sport und Kultur um deren Zustimmung zum Vorhaben.

Von den vier Gymnasien im Landkreis ist das CJT das einzige, das sich um die Teilnahme am Pilotprojekt bemüht. Auch das Lehrerkollegium hat bereits sein Einverständnis bekundet und sei laut Freiman innovationswillig. Durch die Mittelstufe Plus sollen auch leistungsstarke Schüler mehr Zeit für musische und sportliche Hobbys erhalten, so die Hoffnung der Pädagogen.

G9 durch die Hintertür

Die Kreisräte befürworten das Vorhaben ebenfalls, erhoffen sie sich doch, dass das CJT Erfahrungen mit der Mittelstufe Plus sammeln kann, die den anderen drei Gymnasien im Nürnberger Land zugutekommen. Denn so ganz ausgereift ist das Konzept noch nicht.

Kritiker sprechen von einem G9 durch die Hintertür. Klar ist: In den Klassenstufen acht, neun und zehn soll nach der neunten Klasse eine Neun-plus-Stufe eingeführt werden. Der Lernstoff der Mittelstufe wird also statt auf drei, auf vier Jahre verteilt und damit entzerrt.

Konkret sollen einzelne Nebenfächer aus der achten, neunten und zehnten Klasse in die „9 plus“ verschoben werden. Für den Stoff in Hauptfächern wie Deutsch, Fremdsprachen und Mathematik soll dadurch mehr Zeit geschaffen werden. „Die Mittelstufe Plus des bayerischen Gymnasiums ist ein klares Fördermodell“, hatte Ludwig Spaenle im Bayerischen Landtag ausgeführt. Parallel dazu wird es weiterhin das G8 geben.

Die Mittelstufe Plus ist dabei nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Flexijahr, das bereits existiert und kaum angenommen wird. Schüler haben dabei die Möglichkeit, eine Jahrgangsstufe freiwillig zu wiederholen und in leistungsschwachen Fächern individuellen Förderunterricht zu erhalten.

Sollte das CJT eine Pilotschule werden, gibt es noch Klärungsbedarf. Landrat Armin Kroder sprach in der Sitzung von einem Projekt das „beim Machen entsteht“. Denn wie nun genau diese Mittelstufe Plus aussehen soll, die bereits für das nächste Schuljahr geplant ist, das ist noch nicht ganz geklärt. So gibt es beispielsweise noch keinen genauen Stundenplan vom Kultusministerium. Dem bayerischen Philologenverband schmeckt das Konzept nicht nur deswegen nicht. Die Mitglieder hatten immer wieder Kritik geübt. Zuletzt, weil die vier Plusstufen trotz der inhaltlichen Entzerrung nicht ohne Nachmittagsunterricht auskommen. Spaenle hatte in diesem Punkt eingelenkt: Nur in der zehnten Jahrgangsstufe werde es Nachmittagsunterricht geben.

Ungeklärt ist laut Philologenverband bislang auch, wann die Plus-Schüler ihren Abschluss der Mittleren Reife erhalten sollen, der üblicherweise nach zehn Schuljahren verliehen wird. Nicht geregelt ist bislang auch, wie Schüler von der Mittelstufe Plus wieder in G8-Klassen wechseln können und umgekehrt.

Zufriedenstellende Lösung

Einige schulorganisatorische Rahmenbedingungen gelte es noch zu klären, bestätigt auch Schulleiter Freiman. Er sei sich jedoch sicher, dass eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird. Das CJT will als Modellschule mit dabei sein, um bei der Umsetzung der Mittelstufe Plus mitwirken zu können. „Nur wenn man mitmacht, kann man was gestalten“, so Freiman. Er hofft, dass er Ende März die Zusage erhält. Dann erst kann die Schule mit Infoveranstaltungen starten. Wie viele Eltern ihre Kinder für die Mittelstufe Plus in diesem Fall anmelden werden, dahinter steht bislang ein großes Fragezeichen.

Landrat Armin Kroder hält die Bewerbung des CJT jedenfalls für „einen Versuch wert.“ Das G8 solle allerdings der Regelfall bleiben.

N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Kappes