Spurensuche zum heutigen Valentinstag

Für Verliebte vom alten Rom bis Amerika

Lass Blumen sprechen. Oder ein Herz. Oder ein Herz mit Blumen. | Foto: Cichon2017/02/Valentinstag-Herz-Gesteck-Ruckersdorf-ci.jpg

LAUF — Der heutige Valentinstag hat es wahrlich in sich: Wer jetzt noch auf der Suche nach Blumen, einem passenden Geschenk für die Angebetete oder den Prinz des Herzens ist, der wird kaum Zeit haben, sich Gedanken darüber machen, warum man gerade an diesem Tag so viel Wirbel um dieses fantastische Gefühl des Verliebtseins, diesen Tanz der Hormone macht. Und doch hat der Valentinstag eine Geschichte, die ein genaues Hinsehen lohnt.

Befragt, wo denn dieser bonbonrosa eingefärbte Tag seinen Ursprung hat, wird der Fragende ganz überwiegend als Reaktion erfahren: „Aus Amerika wahrscheinlich!“ Nun, diese Antwort mag auf der Vermutung gründen, dass eine große Zahl aller möglichen Neuerungen dort seinen Ursprung genommen hat, aber vollständig richtig ist die Antwort nicht.

Versuchen wir es halbwegs der historischen Reihe nach, beginnend mit dem Namen selbst: Valentin, das ist der Kräftige, der Robuste. So lässt sich schon in den Namen die Hoffnung hineininterpretieren, dass die angestrebte oder gar schon geschlossene Zweierbeziehung von langem, robustem Bestand sein möge. Für die Erklärung des Hypes um diesen Tag aber reicht diese Bedeutung lange nicht aus.

Die Spur führt zurück ins Römische Reich. Weil Mitte Februar die Vögel sich zu paaren beginnen, wurde der Göttin Juno just dazu ein Festtag eingerichtet, zu der man ihr Blumen opferte. Juno war nämlich die Beschützerin von Ehe und Familie, sozusagen die „Familienministerin“ unter den römischen Göttern. Deswegen wurden an diesem Tag schon vor 2000 Jahren den Frauen Blumen verehrt. Dazu gab es noch das Fest der Wölfin, das ein symbolisches Reinigungsfest nach der ersten Blutung war, also für die Geschlechts- und damit Hochzeitsreife eines Mädchens stand. Dieses Reinigungsfest – im Lateinischen mensis februaris – gab dem Monat Februar seinen Namen.

Der christliche Ursprung, der nun auch mit dem Namen verknüpft ist, geht auf einen frühen Priester, möglicherweise auch Bischof von Rom, zurück. Dieser Valentin traute sich doch tatsächlich, Liebespaare auf christliche Weise zu verheiraten, obwohl Kaiser Claudius II. das verboten hatte. Nicht nur das: Er soll den frisch Vermählten auch noch Blumen aus seinem Garten geschenkt haben, und als Wichtigste: Der Überlieferung nach waren die von ihm geschlossenen Ehen besonders haltbar (da wären wir wieder bei der Namensbedeutung). Dieser Valentinus wurde, weil er keine Einsicht zeigte, auf Befehl des Kaisers an einem 14. Februar – möglicherweise im Jahr 269 – enthauptet.

Vom Glauben zum Aberglauben: Im Volk gab es früher eine größere Anzahl von Lostagen, welche für bestimmte Lebensumstände prägend sein sollten. Der 14. Februar war so ein Lostag, galt allerdings nur in eine Richtung – der junge Bursche, den ein Mädchen an diesem Tag zuerst erblickte, würde einen großen Einfluss auf ihr künftiges Leben haben, im Guten wie im Schlechten. Früher wie heute versuchten die Menschen allerdings dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen – Verliebte richteten es also schon so ein, dass sie sich an diesem Tag zuerst erblickten.

Und damals wie heute konnte es vorkommen, dass zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts auch recht unterschiedliche Meinungen dazu hatten, wer nun in wen verliebt ist. Auf was denn sonst soll die damals übliche Bezeichnung „Vielliebchentag“ für den 14. Februar hindeuten?

Im Mittelalter kam auch der Brauch auf, an diesem Tag – eben ein Lostag – Männer und Frauen einander „zuzulosen“. Die Namen wurden auf Zettelchen geschrieben und dann als Los gezogen. Wer sich so gefunden hatte, tauschte Geschenke aus und lebte bis zu einem Jahr als Verlobte zusammen. Dann hieß es hopp oder topp – heiraten oder trennen. Was wohl mit den zwischenzeitlich vielleicht geborenen gemeinsamen Kindern geschah …?

Schließlich gibt es da noch das Gedicht „Parlament der Vögel“ von Geoffrey Chaucer aus dem Jahr 1383, welches das Urthema, den Paarungsbeginn der Vögel auf dem Feld um diese Zeit herum, wieder aufgriff. Zur Zeit der Königin Victoria wurde der Brauch der Paarauslosung noch darum ergänzt, dass sich die hoffentlich Liebenden gegenseitig putzige Kärtchen übermittelten.

Interessanterweise gibt es zu diesem Tag auch in China eine Geschichte, ein ziemlich verwickeltes Märchen, das damit endet, dass der Himmelskaiser (anders als der römische Kaiser) ein Einsehen mit dem Schicksal der Liebenden hat und sie sich einmal im Jahr treffen dürfen, am siebten Tag des siebten Monats im chinesischen Jahr, welches just der 14. Februar unseres Kalenders ist.

So, und jetzt sind wir bei der Erklärung, wie diese Valentinsgeschichte nach Deutschland kam. Es war tatsächlich über die USA. Englische und irische Auswanderer, die den Brauch mit in die neue Welt genommen hatten, brachten ihn wieder mit zurück über den „großen Teich“. Der Anlass war weniger erfreulich; es waren die amerikanischen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg nach Europa kamen und als eine Konsequenz daraus den deutschen „Frauleins“ den Hof machten. Wo sie mangels heimischen Männern recht häufig auf gesteigertes Interesse stießen. Möglicherweise spielten auch Versorgungsengpässe mit lebensnotwendigen Gütern eine gewisse Rolle. Okay, die emotionale Seite soll schon auch als möglicher Grund zugelassen sein. Schon war der Valentinstag in Deutschland angekommen; der erste Valentinsball datiert auf den 14. Februar 1950 in Nürnberg.

Natürlich erkannten Einzelhandel und Industrie das Potential, das dieser Tag in sich trägt – wer verliebt ist und seiner Partnerin, seinem Partner ein Geschenk machen will, der schaut nicht so sehr auf die Kosten – und nutzten die dem Valentinstag innewohnende Kraft weidlich aus. Heute zählen die Tage bis Valentin zu den umsatzstärkeren in vielen Sparten des Einzelhandels.

Wer den Valentinstag würdig begehen will, der kann sich aber auch heutzutage vornehmen, ihn als Symboltag zu deuten, nämlich das Seine dafür zu tun, dass eine Partnerschaft kräftig, robust, dauerhaft und auf Respekt und Rücksichtnahme gegründet ist, keine Valentinstags-Eintagsfliege.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn