Ortsverbände befürchten kein Ausbluten

Für die FDP geht das Leben weiter

Da war die Welt noch in Ordnung: Vertreter der FDP mit Landtagsvizepräsident Jörg Rohde während der „Sommertour“ am Marktplatz. „Jetzt wird es noch schwerer“, meint Stadtrat Karl-Heinz Herrmann. Foto: PZ-Archiv2013/09/70271_fdpsommertourinfomobilmarktplatz_New_1380036064.jpg

LAUF — Die FDP ist raus aus Land- und Bundestag. Doch was bedeutet das für die Arbeit an der Parteibasis in Lauf und Umgebung? Müssen die ohnehin schon kleinen Ortsvereine nun fürchten, komplett auszubluten?

Drei Ortsverbände hat die FDP im Nürnberger Land: in Feucht, Hersbruck und in Lauf, wo man sich mit den Liberalen aus Rückersdorf zusammengeschlossen hat. Rund 25 Mitglieder zählt der Laufer Ortsverband, „und ich gehe davon aus, dass die Leute am Ball bleiben“, meint Vorsitzender Markus Lüling. Natürlich sei er über das katastrophale Abschneiden seiner Partei in Bund und Land „nicht glücklich“, doch immerhin habe man vor Ort mit 8,19 Prozent der Zweitstimmen in Rückersdorf und 5,29 Prozent in Lauf ein respektables Ergebnis eingefahren.

Markus Lüling, der selbst seit fünf Jahren bei der FDP ist, will sich im Hinblick auf die Kommunalwahlen im März noch mehr als bisher schon auf lokale Themen konzentrieren. Auf welche konkret? „Wir fordern mehr Transparenz in öffentlichen Gremien wie zum Beispiel dem Laufer Stadtrat oder eine solide Finanzplanung, zu der es gehört, in guten Zeiten nicht das ganze Geld auszugeben.“

Organisatorische Schwierigkeiten befürchtet Lüling nicht, jetzt, wo das Führungspersonal quasi über Nacht abgesetzt wurde. „Die Ortsverbände waren bisher schon sehr selbstständig, Verflechtungen gab es so gut wie nicht.“

Diese Meinung teilt Karl-Heinz Herrmann, Laufer Stadt- und Kreisrat und damit einer von nur drei FDP-Gemeinderäten im Landkreis. „Natürlich war es schön, mit Staatssekretärin Katja Hessel und Bundestagsabgeordneter Marina Schuster in den letzten Jahren zwei direkte Ansprechpartnerinnen zu haben. Doch diese Situation war für uns ohnehin eine Ausnahme“, sagt Herrmann, der seit über 40 Jahren Mitglied der Freien Demokraten ist und in dieser Zeit viele Höhen und Tiefen miterlebt hat. Nur ungern erinnert er sich an die Phase nach der sozial-liberalen Koalition im Bundestag, als FDP-Urgestein Hans-Dietrich Genscher in Nürnberg regelrecht „niedergeschrien“ wurde.

Deshalb fürchtet er jetzt auch keine Austrittswelle. Die Mitgliederzahl in Lauf sei über die letzten Jahre relativ konstant geblieben. „Für mich geht die Arbeit weiter wie bisher. Wir werden verstärkt dafür kämpfen, dass liberale Positionen Gehör finden“, betont Herrmann. Schließlich sei es auch seinem guten Abschneiden in Lauf zu verdanken, dass die FDP mit einem Abgeordneten im Bezirkstag vertreten ist. „Aber eines ist klar: Wir werden es noch schwerer haben als bisher.“

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger