Friedensgebet der Religionen in Lauf

Fester Glaube an brüderliche Menschheit

Mit Lichtern liefen die Gläubigen von der christlichen Kirche zur Moschee und betonten damit das Verbindende: den Glauben an Menschlichkeit und Frieden. | Foto: Foto: Brinek2015/11/Friedensgebet-Lauf-Marsch-bri.jpg

LAUF — Am Tag nach den Mordanschlägen von Paris beteiligten sich in diesem Jahr zahlreiche Menschen, darunter auffallend viele Jüngere, am Laufer Friedensgebet in der Johanniskirche. Eine Syrerin sprach dabei den Satz: „Die Leute, vor denen wir geflohen sind, sind in Europa angekommen – unglaublich!“ Die Gläubigen bekundeten in einer beeindruckenden Feier ihre Solidarität mit den Opfern und mit allen Menschen, die besonders unter Kriegen, Not und Elend in der Welt leiden müssen.

Bereits zum achten Mal trafen sich evangelische, katholische und griechisch-orthodoxe Christen, Juden und Muslime, um für den Frieden in der Welt und das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen zu beten. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“, wobei die Terrorakte von Paris einen weiteren Schwerpunkt setzten. Nach dem Gedenken in der Johanniskirche zogen die Gläubigen wie jedes Jahr mit Kerzen und Lichtern in die Moschee, wo Muslime den Gebetsteil gestalteten.

Das gemeinsame Gebet wurde musikalisch vom Vokalensemble St. Otto unter der Leitung von Pastoralreferentin Gabriele Netal-Backöfer umrahmt, wobei die Referentin auch den katholischen Teil des Gebets zu Beginn leitete. Den evangelischen Part übernahm die zuständige Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici, die Gedanken der griechisch-orthodoxen Gemeinde übermittelte Stadtrat Nikos Sopolidis und Imam Semsettin Arslan predigte in der Moschee. Besonders beeindruckend war der Bericht einer syrischen Frau, die die momentanen Zustände in ihrer Heimat eindrucksvoll schilderte. Ihr Bericht gipfelte in dem bereits zitierten Satz.

„Wir können viel tun“

Auch über die Ängste der Deutschen wegen der anhaltenden Flüchtlingswelle wurde geredet. Alle Sprecher glaubten, dass das Problem in den Griff zu bekommen sei, man dürfe darüber aber die eigenen Armen nicht vergessen. Sie verwiesen auf die Milliardenzahlungen an Banken, um einen Crash zu verhindern. Dagegen fielen die Kosten für die Flüchtlinge vergleichsweise gering aus. Für seinen Schlusssatz „Es gibt viel, was wir tun können – im Kleinen wie im Großen“ erhielt Sopolidis spontanen Applaus.

Man spürte deutlich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen in der Kirche über die Konfessionsgrenzen hinweg und wie wichtig gerade der gemeinsame Weg aller Religionen ist, um diesen „größten Sturm seit Jahrzehnten“ – wie die evangelische Pfarrerin es ausdrückte – durchzustehen. Sie beendete ihre Predigt mit den Worten: „Zeigen wir Lauf, dass Muslime und Christen gemeinsam gehen.“ Daraufhin erhoben sich alle von ihren Plätzen, gingen aufeinander zu, reichten sich die Hände und wünschten: „Friede sei mit Dir!“

Mit einem Lichterzug zog man dann in die Moschee. Dort ließen sich die Gläubigen nieder, ehe ein Syrer, dem die Flucht mit seiner Familie nach Deutschland gelang, sich artig für die Aufnahme bedankte. In gebrochenem Deutsch stammelte er: „Danke schön für Deutschland.“ Die Gebete aus dem Koran hatte Imam Arslan den aktuellen Ereignissen gemäß ausgesucht. Er las vor, dass da geschrieben steht: „Wer einen Menschen tötet, der hat die Menschheit getötet, wer einen Menschen rettet, der hat die ganze Menschheit gerettet.“ Er verurteilte ausdrücklich jede Art von Terror, Gewalt oder Extremismus.

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek