Farbenfrohe Flucht aus manchmal tristem Alltag

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HERSBRUCK (kp)— Im Alltag sind sie gewöhnlich Einzelkämpfer, doch einmal im Monat werden sie zu einer verschworenen Gemeinschaft: ,Maopaki“ (für ,Mama oder Papa + Kinder“). Die Selbsthilfegruppe für allein Erziehende aus Hersbruck und Umgebung ist auch im vierten Jahr ihres Bestehens für eine ganze Reihe Frauen und Männer nicht mehr wegzudenken. Immer am letzten Mittwoch eines Monats treffen sie sich im Selneckerhaus, um sich über die alltäglichen Sorgen allein erziehender Mütter und Väter auszutauschen – Einsamkeit, juristische Auseinandersetzungen mit dem Ex-Partner, knappes Budget, die passende Wohnung…

Leidensgenossen mit eben diesen Sorgen wollte Treffpunkt-Leiterin Roswitha Weindl-Farnsworth eine Hand reichen, als sie im Frühjahr 2005 gemeinsam mit der inzwischen ausgeschiedenen Marion Bachert-Hirsch die Selbsthilfegruppe gründete. Seit damals trifft sich ein zwar stets wechselnder, in seiner Zahl aber beachtlich beständiger ,harter Kern“ von acht bis zehn Frauen und Männern.

Unterstützt von Diplom-Sozialpädagogin Cornelie Fritz vom Diakonischen Werk, ist die Gruppe inzwischen fest etabliert. ,Maopaki“ stehen für die Treffen die Jugendräume im Selneckerhaus zur Verfügung: ,Die sind absolut perfekt, weil unsere Kinder dort genügend Platz zum Spielen haben“, spricht Weindl-Farnsworth der Diakonie ein dickes Lob aus. Während Mama oder Papa nebenan mit den anderen Gruppenmitgliedern sprechen, sind die Kleinen bei vier jungen Betreuerinnen bestens aufgehoben.

Während früher neben gemeinsamen Gesprächen und der Flucht vor der oft erdrückenden Einsamkeit auch Vorträge von Referenten – beispielsweise über die Düsseldorfer Tabelle oder Auswirkungen von Hartz IV – auf der Tagesordnung standen, sind nun immer öfter auch private ,Vergnügen“ angesagt. ,Je nachdem, was uns gerade Spaß macht“, sagt die Leiterin. Vorschläge der Teilnehmer sind stets willkommen.

So fertigten sie in den vergangenen Wochen kunterbunte Tiffanylampen. Die hatte Co-Leiterin Sonja Rupprecht im Atelier von Roswitha Farnsworth entdeckt und die Künstlerin gebeten, diese doch auch mit der Gruppe zu basteln. Gesagt, getan: In zwei regulären und zwei Extra-Treffen (sowie in vielen Stunden zu Hause) beklebten die ,Maopakis“ ihre im Möbelhaus gekauften Lichtkugeln phantasievoll mit kleinen Mosaikstückchen aus Glas. ,Wenn Roswitha Geduld mit uns hat, können wir vielleicht bald wieder einmal so etwas machen“, hofft Sonja Rupprecht auf eine Wiederholung der ,Kunst-Stunden“.

Als nächstes steht aber erst einmal eine große Frühjahrswanderung auf dem Programm. Am Sonntag, 22. März, soll es gegen 10 Uhr von Weiher zur Edelweißhütte und weiter nach Ellenbach gehen. Zum Mitlaufen eingeladen ist jeder Interessierte, ,egal ob allein erziehend oder nicht“, sagt Weindl-Farnsworth. Auch Kinder sind bei dem Ausflug willkommen, allerdings erst ab fünf oder sechs Jahren.

Knapp einen Monat später, am Sonntag, 19. April, um 11.30 Uhr lädt die offene Selbsthilfegruppe Neugierige zum Brunch im großen Saal des Selneckerhauses ein. Dabei möchten sich die Mitglieder Interessierten vorstellen – am besten beim zwanglosen Kennenlern-Gespräch bei Kaffee, belegten Brötchen, Müsli und warmen Speisen.

Nächstes Treffen: Mittwoch, 25. Februar, 15.30 Uhr, im Selneckerhaus.

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