Viele sind im PokémonGo-Fieber

Fang‘ das Monster

Tobias Maul, Ioannis Sgouridis und Patrick Günsche (v. l.) zeigen, wie PokémonGo auf dem Handy aussieht. Foto: A. Pitsch2016/07/PokemonGo.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – „Früher liefen alle mit dem Gameboy vor der Nase herum, jetzt halt mit dem Handy“: Nicht nur weltweit, sondern auch in Hersbruck und Umgebung ist PokémonGo in aller Munde. Einer stürmt des Morgens in die Bäckerei einen Rattfratz zu fangen, woanders steht ein Duo suchend auf einem Parkplatz. Auch Patrick Günsche, Ioannis Sgouridis und Tobias Maul sind im Pokémon-Fieber und haben extra eine eigene Facebook-Gruppe für die Region gegründet.

„Das ist einfach unsere Kindheit“, erklärt Patrick Günsche. Er und seine beiden Kumpels haben früher, also in den 90ern, als Jungs bereits begeistert Pokémon am Gameboy gespielt. Jetzt ist das Fang- und Punktesammelspiel in neuer Form zurück: als kostenlose App fürs Smartphone, die von Amerika aus seit Anfang Juli die ganze Welt zu erobern scheint, seit 13. Juli auch Europa.

Wer damals schon fleißig gezockt hat, dem wird vieles bekannt vorkommen. Kein Wunder also, dass 40- und 30-Jährige die App ebenso auf dem Handy haben wie Kinder im Alter von 12 oder 13 Jahren. „Für die ist das was Neues, für uns lebt der Hype wieder auf“, meint das Trio und redet von einem „Generationensprung“, den das so genannte Augmented-Reality-Spiel gerade vollzieht.

Denn die Entwickler, eine Tochterfirma von Google, die laut Mutmaßungen der drei mindestens zwei Jahre fürs Programmieren und Designen der App gebraucht haben, haben bekannte Elemente aus Gameboy-Zeiten mit modernen Funktionen wie Kameraeinsatz oder eine Art Geocaching verbunden. Wer sich die derzeit meist benutzte App herunterlädt – sie hat nach einer Woche mehr Nutzer als Twitter, so das Trio -, kann sich erst einmal einen Charakter aus Geschlecht, Haar-, Haut und Mützenfarbe sowie Rucksack zusammenbasteln.

Während der ersten fünf Levels ist man als Einzelgänger unterwegs, dann kann man sich einem Team anschließen und bekommt eine Art Wappen an den Charakter. „Jetzt lassen sich Arenen ein- und übernehmen“, erklären sie. Grundvoraussetzung dafür ist, dass man mit einem Ball, den die Pokémons zurückwerfen können oder aus dem sie sich auch befreien können, möglichst viele der 150 verschiedenen Tierchen fängt. „Je nach Ort gibt es spezielle Pokémons und auch ganz seltene“, sagen sie. Für sie alle gibt es Punkte. Je mehr Zähler und Tierchen, desto einfacher lassen sich gegnerische Arenen erobern.

Und hier kommen nun die neuen Funktionen ins Spiel: Monster, Arenen, Sehenswürdigkeiten sind in wirklichen Städten und Dörfern, auf Wegen und Plätzen, in Läden und Wäldern verborgen. GoogleMaps als Basis macht sie sichtbar. Wer nach einem bestimmten Pokémon sucht, kann dies einstellen. Ist es in der Nähe, vibriert das Smartphone und Pfoten zeigen an, wie weit das Objekt der Begierde vom Spieler entfernt ist. Voraussetzung: Handy und App müssen immer an sein. „Der Akku ist extrem wichtig“, wissen die drei. Hat man ein Pokémon vor sich, kann man es über die Kamera in die reale Umgebung einblenden.

„Spiel und Realität vermischen sich nicht“, finden sie. Trotzdem sind ihnen einige Gefahren bewusst: Mit dem Handy vor den Augen durch die Gegend zu laufen, „sieht nicht nur doof aus“, es kann auch zu Unfällen führen. Wenn Leute über die Straße rennen, nachts allein unterwegs sind, fremde Grundstücke betreten oder mit dem Auto in Schrittgeschwindigkeit auf der Landstraße dahintuckern. Der Ladebildschirm warnt daher: „Achte auf deine Umgebung.“ Aber letztlich, sagen sie, ist jeder selbstverantwortlich.

Aber warum sind Auto oder Opas Elektrorollstuhl nötig? „Das Handy erkennt, wenn man läuft. Dadurch sammelt man Kilometer, die man braucht, um Eier auszubrüten“, klären die Jungs auf. Zusammen mit der Tatsache, dass sich die Pokémons in der Umgebung aufhalten, „ist man gezwungen rauszugehen“, finden Günsche, Sgouridis und Maul. Und noch einen positiven Aspekt haben sie ausgemacht: „Das ist ein soziales Spiel, das Menschen verbindet.“

Training mit Tierchen
Egal, ob man sich zum gemeinsamen Laufen trifft, ob 20 bis 30 Leute zwecks eines Pokémons plötzlich an einem Fleck auftauchen oder man auf der Straße angesprochen wird, man kommt rasch ins Gespräch. „Teilweise trifft man alte Klassenkameraden, die man ein Jahr nicht gesehen hat“, erzählt Sgouridis begeistert. Und auch Maul findet, dass es ein „netter Bonus“ ist, bei der Vorbereitung auf den Landkreislauf nebenher Pokémons zu fangen.

Um diesen sozialen Aspekt noch auszubauen, haben die drei Anfang Juli eine Facebook-Gruppe für Lauf und Hersbruck gegründet. „Nach zwei bis drei Tagen hatten wir die Hundertermarke geknackt, jetzt sind es schon über 200 Fans“, freuen sich die drei. Jetzt wollen sie Events starten: Wanderungen veranstalten, Preise für Arenen ausloben … „Da ist Kreativität nötig“, sagen Günsche, Sgouridis und Maul und fangen nebenbei schnell ein Pokémon direkt in der Geschäftsstelle der Hersbrucker Zeitung.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch