Diskussionen um Neubaugebiet oder Kernsanierung

Eine Zukunft in Neunhof

Fast 200 Neunhofer waren zur Sonderbürgerversammlung zur Baulandentwicklung im Ort gekommen2013/09/69508_innenentwicklungneuhofversammlung_New_1379090464.jpg

NEUNHOF — Bauwillige Bürger im Laufer Ortsteil Neunhof stecken, wie auch das Bauamt und die Politik der Stadt, in einem Dilemma: Die einen finden in ihrem Dorf keinen Bauplatz, obwohl die Stadt noch 16 freie und bebaubare Flächen im Ort ausgemacht hat. Wohl deshalb, weil die Eigentümer nicht verkaufen. Einfach ein neues Baugebiet ausweisen geht aber nicht, sagt die Stadt. Weil man erstens gar nicht wisse, wo dies kurzfristig möglich sein sollte. Weil zweitens die sogenannte Innenentwicklung Neunhofs mit seinen vielen erhaltenswerten historischen Gebäuden schon von Gesetzes wegen Vorrang vor einem Neubaugebiet habe. Und weil drittens die demographische Entwicklung zeige, dass schon in zehn Jahren viele Häuser im Ort leerstehen werden.

Vor allem um diese Problematik drehte sich die Diskussion in einer Sonderbürgerversammlung in Neunhof, zu der fast 200 interessierte Bürger gekommen waren. Dabei wollten eine Reihe von Neunhofern der Rechnung nicht glauben, dass der Bedarf an neuen Häusern ab 2020 einfach nicht gegeben sei. Beziehungsweise fragten die Neunhofer nach, was denn bis dahin passieren solle. Ob dann weiter, wie in den letzten zehn Jahren schon, bauwillige Kinder von Neuhofer Bürgern, sich anderswo nach Baugrundstücken umtun müssen. Oder, wie es ein anderer ausdrückte, eine ganze Generation aus dem Ort verbannt wird. Was dann natürlich dazu führe, dass es in Neunhof immer weniger Menschen werden und sich so die Prognose der Demographen auf fatale Weise bewahrheite, wie ein Kritiker meinte.

Bürgermeister Bisping und die Vertreterinnen des Bauamtes, Annette Nürnberger und Monika Lorenz, wurde indes nicht müde zu erklären, dass man mit dieser Bürgerinformation ja ganz am Anfang des Projektes „Zukunft in Neunhof“ stehe und in den Diskussionen Wege und Lösungen gesucht und gefunden werden sollen. Die Innenentwicklung, so warb Bürgermeister Bisping, sei eben gerade eine Chance, einen Ort wie Neunhof auch in Zukunft lebendig und damit attraktiv für junge Familien zu erhalten. Umgekehrt gehe das Problem des Flächenverbrauchs natürlich auch wieder alle an.

Bisping ruderte allerdings noch in der Versammlung wieder ein Stück zurück, als die Kritik an der Baulandpolitik der Stadt und des Bürgermeisters nicht aufhören wollte und der Ruf nach freien Bauflächen „vielleicht auch als Baulandmodell für Einheimische“ nicht verhallte. Bisping, der sich zwar grundsätzlich gegen staatliche Planwirtschaft aussprach, sagte wörtlich: „Ich versperre mich keinem Weg, wenn mir jemand sagt, wo es denn im Außenbereich Neubauflächen geben soll.“

Vor dem Hintergund, Neunhof als attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort zu sichern, habe ja der Bauausschuss den Auftrag erteilt, Untersuchungen über die Entwicklungspotentiale im Ortsteil anzustellen, eräuterte Monika Lorenz. Und stellte kurz die Analyse eines externen Büros für Städtebau vor. Diese beginnt bei der aktuellen und künftigen Leerstandsproblematik, mit schon 20 Wohnungen zuviel im Jahr 2025. Die Analyse geht dann über den Erhalt des charakteristischen Ortsbildes mit seinen vielen Denkmälern und den aktuell vorhandenen Bauflächen und Baulücken und reicht schließlich bis zur Bevölkerungsentwicklung. Bis 2020 bleibe danach die Bevölkerung im Ort mit aktuell rund 790 Einwohnern gleich, danach sinke sie bis 2030 auf nur noch 670 Einwohner.

Daraus folge, so Lorenz, „dass durch die Innenentwicklung, durch die Aktivierung von Wohnraum in leerstehenden Gebäuden oder Nebengebäuden, der Wohnraumbedarf für Kinder gesichert werden und gleichzeitig der Ortskern erhalten bleiben kann.“ Es gebe Potential im Ort, da ist sich Lorenz sicher. „Wir müssen miteinander reden“. Und Kollegin Nürnberger sprang ihr zur Seite und meinte, dass es jetzt schon erste positive Signale in Sachen Baulandverkauf gebe.

Um nun zügig weiter zu kommen, will die Stadt jetzt bei den Neunhofern nachfragen, wer denn konkret in den nächsten Jahren bauen möchte. Umgekehrt wurden auch alle Grundeigner aufgerufen, sich auch bei noch entfernten Verkaufsabsichten im Bauamt zu melden. „Die Stadt“, so Bisping, „sieht sich als Mittler“.

Dorferneuerung

Ein ganz konkretes Instrument zur Weiterentwicklung eines Ortes bietet die Dorferneuerung, wie sie beispielsweise in Simonshofen am Laufen ist. Deshalb hatte die Stadt zur Bürgerversammlung gleich noch einen Spezialisten zu diesem Thema, Baudirektor Alexander Zwickler vom Amt für ländliche Entwicklung in Ansbach eingeladen. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Bürgern die Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zukunftsgerecht zu gestalten“, sagte dieser unter anderem in seinem Referat. Allerdings gehe der Weg normalerweise anders herum: zuerst komme die Dorfentwicklung, dann die Innenentwicklung als Detail eines Projektes.

Grundsätzlich, so der Fachmann, sei die Dorfentwicklung eine Chance, kein Muss. Eine Chance, Hilfe bei grundsätzlichen Planungen zu erhalten. Eine Chance, dass Bürger mit Hilfe eines Amtes ihre Ideen selbst voranringen und schließlich eine Chance, beim Um- An- und Ausbau von alten Häusern an Fördertöpfe, an staatliche Zuschüsse, zu kommen.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer