Austauschschüler berichten von ihren Erfahrungen

Ein Jahr lang das Abenteuer USA erleben

Lisa Hofmann (4. v. l. ), umrahmt von ihren neuen Freunden, Gastbruder Paul und Mama Sabine, hat ihren USA-Aufenthalt gerade hinter sich. Für Anna-Lea (2. v. r. ), neben Mama Uli, beginnt das Abenteuer im August. Marlene Mortler, vorne in der Mitte, engagiert sich im Deutschen Bundestag für das Austauschprogramm in ihrem Wahlkreis. Foto: Chemnitz2014/07/85468_austauschschuelermortlerlisaundanna-lea1_New_1405519565.jpg

LAUF — Für ein Schuljahr in den USA zu leben ist für viele Jugendliche ein Traum. Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) des Deutschen Bundestags macht‘s möglich. Seit 1983 bietet es einen Schüleraustausch zwischen beiden Ländern an. Die heimische Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler engagiert sich seit Jahren für das Programm und sucht die Bewerber aus ihrem Wahlkreis aus. Vergangenes Jahr war dies Lisa Hofmann aus Roth-Aurach, für Anna-Lea Seitz aus Osternohe startet die Reise im August.

Eine strahlende Lisa Hofmann betritt den Besprechungsraum der PZ. Sie ist nicht alleine gekommen, sondern hat eine ganze Entourage mitgebracht: Mama Sabine, Gastbruder Paul und neue Freunde aus den USA. Seit einer Woche ist sie zurück, viele neue Freunde sind nun gekommen, um mit ihr zu feiern: ihren 18. Geburtstag und den 50. von Mama Sabine.

Die ist froh, die Tochter endlich wieder in ihre Arme schließen zu können. „Anfangs war es schon schwer, sie gehen zu lassen“, erinnert sie sich. Doch über ein Blog, E-Mails und Soziale Netzwerke war es leicht, Kontakt zu halten und zu sehen, was die Tochter auf der anderen Seite des Atlantiks so treibt. Außerdem werden die Eltern gut von „Youth for Understanding“ (YfU), der Agentur, die den Austausch organisiert, betreut, erzählt Sabine Hofmann.

Wo sie am Ende in den USA landen, erfahren die Schüler erst wenige Wochen vor ihrer Abreise. Lisa führte ihr persönliches Abenteuer in die Fünf-Millionen-Metropole Saint Paul, die Hauptstadt des Bundesstaats Minnesota. Mit ihren Gasteltern und ihren drei neuen „Brüdern“ habe sie großes Glück gehabt, schwärmt die 18-Jährige. Der Kontakt werde sicher auch in Zukunft halten, sagt sie.

Typisch amerikanische Feste

In der Familie und in der High School lernte Lisa, was es heißt, ein amerikanischer Teenager zu sein. Und so waren die typisch amerikanischen Feste, wie Halloween oder der Abschlussball, für sie die Höhepunkte ihres Austausches. Ein besonderes Erlebnis werde ihr immer in Erinnerung bleiben. Beim Nobelpreisforum in Minneapolis durfte sie den Dalai Lama live erleben, der dort eine Rede hielt. „Das war fantastisch.“

Mit Marlene Mortler blieb die Realschülerin, die ab September die Fachoberschule besucht, stets in Kontakt, schickte E-Mails und Bilder. Für die Dehnbergerin ist dies Bestätigung und Ansporn, sich jedes Jahr aufs Neue dafür einzusetzen, dass der Bundestag und der amerikanische Kongress finanzielle Mittel für das Programm bereitstellen. „Gerade jetzt, da das Verhältnis zu den USA angespannt ist, ist es umso wichtiger, dass die jungen Leute als Botschafter ihres Landes auftreten und einander kennenlernen“, findet Mortler. „Bisher haben alle Austauschschüler, die ich betreut habe, am Ende gesagt: ,Das war das beste Jahr meines Lebens‘.“

Von all diesen positiven Erfahrungen zu hören, ist Balsam für Uli und Gerd Seitz, die Eltern der erst 15-jährigen Anna-Lea aus Osternohe-Haidling, die am 14. August ihren USA-Austausch angeht. Das tut gut und bestärkt in der Entscheidung, die Tochter ziehen zu lassen. „Es wird auf jeden Fall eine großartige Erfahrung für sie“, sagt Papa Gerd. Die Eltern unterstützen Anna-Lea, die ihre Bewerbung für das Stipendium selbst in die Hand genommen hatte. „Ich habe in der Pegnitz-Zeitung von einem Mädchen gelesen, die einen solchen Austausch mitgemacht hat, und mich gleich beworben“, erzählt sie. Den Eltern habe sie davon erst erzählt, als sie in die engere Auswahl gekommen war.

Es folgte ein persönliches Gespräch mit Marlene Mortler, die schnell feststellte, dass Anna-Lea eine gute Wahl ist: „Sie hat einen rundum guten Eindruck gemacht: gute Noten, sozial engagiert und auch das Familienumfeld passt.“ Als die Zusage kam, sei sie richtig überrascht gewesen, erinnert sich die 15-Jährige.

Es geht nach Michigan

Erst am vergangenen Wochenende hat sie erfahren, dass es für sie in die 7000-Einwohner-Stadt Marshall im Bundesstaat Michigan geht. Die Gastfamilie hat eine Tochter im selben Alter und der erste Kontakt über den Kommunikationsdienst „Skype“ sei sehr angenehm gewesen. Ein Höhepunkt erwartet Anna-Lea gleich zu Beginn. Sie wird direkt nach San Francisco fliegen und die Gastfamilie auf eine Hochzeit begleiten.

Klar sei sie ein bisschen aufgeregt, gibt die Schülerin des Laufer CJT-Gymnasiums zu, aber die Vorfreude überwiege. Konkrete Erwartungen habe sie nicht. „Ich hoffe einfach, dass meine Gastfamilie mich willkommen heißt. Ansonsten lasse ich mich überraschen und freue mich darauf, ganz viel Neues zu erleben.“

Eines ist klar: Die Anna-Lea, die in knapp einem Jahr zurückkommt, wird nicht dieselbe sein, die in einem Monat in Frankfurt in den Flieger steigt. Auch Lisa hat sich in den zehn Monaten sehr verändert, sagt ihre Mutter und fügt an „zum Positiven natürlich“. Erwachsener sei sie geworden und das Englisch natürlich viel flüssiger. „Als sie aus dem Flugzeug stieg, hatte sie diesen typischen Ami-Slang drauf“, lacht Sabine Hofmann.

Zum Schluss tauschen Lisa und Anna-Lea Adressen aus. Einen Tipp hat Lisa aber gleich parat: „Nimm alles mit, lass nichts aus und höre auf das, was dir deine Gasteltern raten.“

Wer sich für das PPP-Programm für das Schuljahr 2015/2016 bewerben möchte, kann dies noch bis 12. September tun. Alle Informationen gibt es unter www.bundestag.de/ppp oder www.yfu.de im Internet.

N-Land Tina Chemnitz
Tina Chemnitz