Tagsüber im Wenzelschloss in Lauf Hochzeiten möglich

Durchgang wieder offen

Im Wappensaal des Wenzelschlosses unterzeichneten gestern Finanzminister Markus Söder (rechts) und Bürgermeister Benedikt Bisping die Vereinbarung, dass hier künftig Trauungen möglich sind und der Schlossdurchgang in die Lauer Altstadt für die Bevölkerung ab 1. Juli wieder täglich von acht bis 18 Uhr möglich ist2014/06/84407_wappensaalsoederbispingtotale1_New_1403544964.jpg

LAUF — Es ist eine gute Nachricht für Lauf, für die Laufer und alle Besucher: Nach 30 Jahren Sperrung ist der Durchgang durch das Wenzelschloss, über die beiden Stege und den Innenhof, wieder offen. Bürgermeister Bisping und Finanzminister Markus Söder , – der Freistaat ist Eigentümer der Immobilie – unterzeichneten gestern in der Kaiserburg eine entsprechende Vereinbarung. In der steht außerdem (die PZ berichtete), dass künftig auch Trauungen im historisch besonders wertvollen Wappensaal des Wenzelschlosses möglich sind. Eine Zustimmung des Laufer Stadtrates am Donnerstag gilt als sicher.

Erste kleine Schritte für künftig neues Leben im Schloss, nachdem die Akademie der Bildenden Künste vor genau einem Jahr ausgezogen ist? Auf jeden Fall, sind sich Bürgermeister Bisping und Heimatminister Söder einig. Vor Jahren hatte der Bürgermeister erstmals den Begriff „europäisches Begegnungszentrum“ öffentlich in den Raum gestellt, ohne damals konkret sagen zu können, wie eine solche Kulturstätte einmal aussehen könnte oder unter wessen Verantwortung die jetzt leerstehende Kaiserburg betrieben werden könnte. Heimatminister Söder, der für sich reklamiert, den Verkauf der Burg verhindert zu haben, sieht sich und die CSU als Initiatior einer schon konkreteren deutsch-tschechischen Begegnungstätte. Und sieht ganz klar den Freistaat in der Pflicht, hier finanziell einzusteigen, wie er gestern bei dem Pressetermin noch einmal betonte. Dabei hoffe er, auch die tschechische Regierung bei der weiteren Entwicklung mit ins Boot zu bekommen. Schon heute sollen bei einem Gespräch im Heimatministerium in Nürnberg konkrete Pläne für Lauf diskutiert werden. Mit dabei Vertreter der Stadtverwaltung Lauf, der Staatssekretär des Finanzministeriums und eine Vertreterin der tschechischen Regierung.

Diese politischen Diskussionen allerdings interessierten gestern in Lauf noch nicht so sehr: Aus Sicht der Laufer gehört die aus dem 14. Jahrhundert stammende Burg von Kaiser Karl IV. (Kaiser Wenzel) auf der Insel in der Pegnitz und an der Goldenen Straße von Prag nach Nürnberg gelegen, zur Stadt Lauf, auch wenn sie jetzt im Besitz des Freistaates ist. Und deshalb ist die Öffnung des Durchganges täglich von acht bis 18 Uhr die beste Nachricht des Tages, so gestern erste „Stimmen aus dem Volk“. Ein Wunsch, der nun ab 1. Juli nach fast 30 Jahren erfüllt wird. Als die Akademie der Bildenden Künste nämlich Mitte der 80er Jahre im Wenzelschloss einzog, wurden die Schlosstore zum Innenhof und der stadtseitige Steg über die Pegnitz für den Durchgang geschlossen.

Ab sofort (wenn der Stadtrat zugestimmt hat) kommt auch der Wappensaal, der historisch wertvollste Teil des Schlosses, zu neuen Ehren. Künftig sind hier, wie bisher auch schon im Industriemuseum, standesamtliche Trauungen möglich. 200 Euro wird die Nutzung wohl kosten, dabei dürfen maximal 25 Personen teilnehmen. Feiern im Schloss sind aus denkmalschützerischen Gründen im in den letzten Wochen für 40 000 Euro aufgefrischten Wappensaal natürlich nicht möglich. Söder jedenfalls gefiel die Idee mit den Hochzeiten im Schloss ganz besonders, wie er sagte. „Besondere Ereignisse brauchen besondere Orte, deshalb kann man sich auch in der Nürnberger Burg das Jawort geben.“

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer