Laufer Märchentage noch bis Sonntag

Die Zeiten ändern sich, die Geschichten bleiben

Elke Fischer-Wagemann und Barbara Raile (von links) erzählten und spielten „Des Kaisers neue Kleider“2013/09/Ma__rchentage_2013_RaileFischer2_1_.jpg

LAUF — Das Wunderbare am Erzählen: Wer sich darauf einlässt, kann auch in Zeiten der Multimedialität profitieren. Das hat die Auftaktveranstaltung der 21. Laufer Märchentage bewiesen, die in diesem Jahr unter dem Motto „Kleider machen Leute“ stehen. Noch bis Sonntag sind große und kleine Erzählfans eingeladen, den Geschichten der Erzähler aus ganz Deutschland an verschiedenen Spielorten in Lauf zu lauschen.

Die neue Vorsitzende des Märchenzentrums DornRosen, Ulla Böhm, stimmte die Zuhörer im Sparkassensaal auf das diesjährige Motto ein. Seit Januar verantwortet die 63-jährige Nürnbergerin die Geschicke des Märchenzentrums und bewies zum Auftakt gleich einmal Fachkenntnisse, als sie mit der Geschichte von der „Unternehmungslustigen Kröte“ – einer modernen Parabel auf das Beziehungsleben und menschliche Eitelkeiten – ihren gelungenen Einstand gab.

Zwei Jahrzehnte hat Böhm, die den Vorsitz von Petra Hasengier übernommen hat, in der Modebranche gearbeitet und vor zehn Jahren die Ausbildung zur Märchenerzählerin absolviert. Wie ihre Vorgängerinnen will die Nürnbergerin beweisen, dass Geschichtenerzählen auch heute noch zu einem besseren Verständnis der Welt beitragen kann. Laufs Kulturbürgermeister Georg Schweikert bekräftigte in diesem Zusammenhang den Wert, den die Märchentage auch im 21. Jahr für Lauf hätten.

Mit dem Fachvortrag von Holger Trautmann rund um das Thema Kunstmärchen erhielten die Zuhörer zum Auftakt einen umfassenden „Unterbau“. Der versierte Erzähler, der seit Jahren Gast der Laufer Märchentage ist, zeigte anhand von vielen Beispielen, wie sich Erzählstoffe über die Jahrhunderte hinweg entwickelt und immer wieder an neue Gegebenheiten angepasst haben. So haben viele Film- und Musicalstoffe ihren Ursprung in Kunstmärchen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, als die Frage des Mystischen und fantastischen in der Welt bereits die Dichter und Denker beschäftige. Moral und Wertvorstellungen änderten sich, doch der Kern der Geschichten blieb, so das Fazit Trautmanns.

Das bewiesen im Anschluss auch Barbara Raile und Elke Fischer-Wagemann mit der Erzählung „Des Kaisers neue Kleider“. Wenn der Staatschef in körperlicher Blöße zum großen Bankett schreitet, nur weil seine Entourage aus Ministern und Kammerdienern ihm aus Angst vor Nachteilen verschweigt, dass er Betrügern aufgesessen ist, kann man das auch als Sinnbild für so manchen politischen Skandal der letzten Jahre sehen. Für sich sprechend auch die Tatsache, dass es schließlich das Volk ist, das die Wahrheit ausspricht – und nicht die, die sie eigentlich kennen.

Mit der langen Nacht der Märchen am heutigen Abend im Sparkassensaal werden die Veranstalter an das Motto „Kleider machen Leute“ anknüpfen. Das Märchenfest im Eckertschen Kindergarten heute und morgen steht im Zeichen der Mode. Unter anderem dürfen Kinder selbst im Nähstübchen Hand an Stoffe anlegen.

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