Soko „Vorra“ auf über 30 Fachkräfte aufgestockt

Die Spurensicherung arbeitet auf Hochtouren

Mit diesen Plakaten bittet die Soko um Mithilfe. Foto: S. Fuchs2014/12/5_2_1_2_20141216_VORRA.jpg

VORRA – Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren: Nach den Bränden in drei unbewohnten Gebäuden Donnerstagnacht wurde die unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bei der Kriminalpolizei Nürnberg eingerichtete Sonderkommission „Vorra“ inzwischen auf über 30 Fachkräfte aufgestockt. Einer, der ganz besonders auf den Erfolg der Beamten hofft, ist Diplom-Ingenieur Rudolf Kaufmann, der Besitzer der Häuser.

„Ich vermute, dass der Schaden noch weitaus höher ist“, sagt Rudolf Kaufmann. Bislang geht die Polizei von einer Schadenshöhe um die 700.000 Euro aus. Doch das sind nur vorläufige Schätzungen. Erst wenn die Gebäude freigegeben sind, was derzeit noch nicht der Fall ist, dürfen Kaufmann und Vertreter seiner Versicherung die Immobilien betreten. Dann erst wird sich das ganze Ausmaß des Schadens zeigen.

Nach wie vor werden am Tatort akribisch Spuren gesichert. Ausgewertet werden diese von Beamten der Kriminalpolizei aus ganz Mittelfranken, also Brandermittler, Kriminaltechniker und Fahnder. Sie arbeiten mit Unterstützung des Bayerischen Landeskriminalamtes an der Aufklärung des Brandanschlags. Über das eigens eingerichtete Hinweistelefon gingen bisher rund 15 Hinweise ein, die derzeit abgeklärt werden. Die Polizei bittet in diesem Zusammenhang auch zunächst unwichtig erscheinende Beobachtungen unter der Hotline 0800/7766320 mitzuteilen.

Ob die Brände von einer oder mehreren Personen gelegt wurden, ist derzeit noch unklar. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Während die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf (Kreis Fürth) und ihre Dependancen in Lauf und Ammerndorf sowie die Notunterkünfte im ehemaligen Möbel Höffner in Fürth oder der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth bereits rund um die Uhr bewacht werden, werden die Gemeinschaftsunterkünfte nun „verstärkt bestreift“. Die Zahl der Polizisten wird jedoch nicht aufgestockt, sie werden aus anderen Bereichen, die derzeit keine Priorität haben, abgezogen, erklärte Elke Schönwald, Pressesprecherin am Nürnberger Polizeipräsidium.

Der rechtsextremistischen Szene, in der der/die Täter vermutet werden, rechnet das Landesamt für Verfassungschutz (LfV) allein in Mittelfranken rund 400 Personen zu, davon 140 Neonazis. In Nordbayern insgesamt (die drei fränkischen Regierungsbezirke und die Oberpfalz) gebe es aktuell knapp 1200 Rechtsextremisten, davon mehr als 400 Neonazi, teilte der Verfassungsschutz auf NZ-Anfrage mit. Im Juli hatte das bayerische Innenministerium das neonazistische Netzwerk „Freies Netz Süd“ verboten. Seitdem habe sich die Szene verstärkt der neuen rechtsextremistischen Partei „Der Dritte Weg“ zugewandt. Sechs von neun Stützpunkten der Partei befänden sich in Bayern, jeweils einer davon in Nürnberg/Fürth, Mainfranken und Hochfranken/Vogtland.

Der Verfassungsschutz stellt fest, dass vor dem Hintergrund steigender Asylbewerberzahlen Rechtsextremisten seit geraumer Zeit vermehrt gegen die Einrichtung von Asylbewerberunterkünften agitieren. „Sie versuchen, Ängste in der Bevölkerung wegen angeblicher Überfremdung und Steigerung der Kriminalität vor Ort zu schüren“, erklärt der Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Burkhard Körner. „Den Rechtsextremisten geht es nicht um eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort, sondern darum, pauschal gegen Asylbewerber Stimmung zu machen und die Bevölkerung für ihre verfassungsfeindlichen Ziele zu instrumentalisieren.“

Ob die Gefahr besteht, dass nach Vorra auch in anderen Orten Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte verübt werden, will Körner nicht konkret beantworten. Aber: „Durch die Hetzkampagnen können sich einzelne Rechtsextremisten dazu ermutigt fühlen, sich weiter zu radikalisieren oder gewalttätige Aktionen durchzuführen.“

Das Landesamt für Verfassungsschutz ist in die Ermittlungen zu den Brandstiftungen in Vorra eingebunden, so Körner. „Wir werden hier jede Unterstützung leisten, die uns aus unserem Erkenntnisaufkommen heraus möglich ist.“

Rudolf Kaufmann, der Eigentümer der Häuser in Vorra, kündigt bereits jetzt an, dass er die Gebäude wieder herrichten will. Und auch an der Nutzung der Immobilien als Asylunterkunft möchte der 88-Jährige festhalten. Bei den Bürgern aus Vorra habe er im Vorfeld eine große Offenheit Asylbewerbern gegenüber gespürt, sagt er: „Viele wollen helfen.“

Katja Bub, Christiane Fritz, Stephan Sohr

Der Ökumenische Verein für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migration setzt sich ein für eine gelungene Asylarbeit im Nürnberger Land. Durch die Mitgliedsbeiträge werden Flüchtlinge, Migranten und vor allem die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer unterstützt. Dabei ist der Verein auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen. Er freut sich über neue Mitglieder und Helfer, die sich in der Asylarbeit engagieren möchten. Infos sowie eine Beitrittserklärung finden Interessierte im Internet auf www.fluechtlings-verein.de. Gerne können sie sich auch an Sandra Härtl (09151/5160), [email protected] wenden.

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