Rotes Kreuz gründet Reiterstaffel

Der Sanitäter kommt auf dem Pferd

Laufer Sanitäter und ihre Pferde trainieren in schwierigem Gelände auf dem „Extreme Trail“ des Gutshofs Hammerberg.2013/09/70031_reiterstaffelBRK_New_1379687764.jpg

LAUF — Man stelle sich vor: Ein Sanitäter wird zu einem Unfall gerufen und kommt nicht im Auto, sondern auf dem Pferd. Was im ersten Moment seltsam klingen mag, ist bei näherem Hinsehen eine gute Möglichkeit, schnell zu Verletzten in unwegsamem Gelände zu kommen. Eine solche „Reiterstaffel“ gibt es seit Januar auch im Nürnberger Land. Doch bevor die Sanitäter 2014 zu den ersten Einsätzen reiten können, steht noch jede Menge Training nach dem Vorbild der Polizeipferdeausbildung an.

Die Satteltaschen sind gefüllt mit Medizin, Mullbinden, Desinfektionsmittel und Wasser. Bis zu 15 Kilo Sanitätsmaterialien tragen die Pferde für ihre Einsätze, die erstmals im nächsten Jahr geplant sind, auf ihrem Rücken. Für den Ernstfall trainiert wird natürlich bereits jetzt.

„Zuerst müssen die Tiere mit den Materialien vertraut gemacht werden“, erklärt die 18-jährige Bianka Assmann, die seit zwei Jahren beim BRK ist und die Reiterstaffel leitet. Denn das Pferd ist von Natur aus ein Fluchttier und hat vor ungewohnten Geräuschen und Dingen Angst. Dem knisternden Verbandspäckchen und der glitzernden und raschelnden Rettungsdecke beispielsweise. „Wir trainieren mit Luftballons, Fahnen, Planen und allem möglichen Schmarrn“, sagt Assmann. Die Pferde lernen, sich von den furchteinflößenden Sachen berühren zu lassen, darüber zu steigen oder sie zu tragen.

Zur Schreckhaftigkeit des Pferdes kommt seine natürliche Neugier. Das Tier muss gleich zu Beginn lernen, nicht auf einen am Boden liegenden Menschen zuzulaufen, sondern stehen zubleiben, um ihn nicht zu verletzen. Um fit für längere Einsätze zu sein, wird die Ausdauer der Vierbeiner durch längere Ausritte trainiert.

Entstanden ist die Idee eine Reiterstaffel zu gründen vor ein paar Jahren auf dem Kunigundenfest. „Eigentlich aus Blödsinn“, erzählt Thomas Pircher, der stellvertretende Leiter. „Erst haben wir nur gescherzt, dass man für den Sanidienst und die Festzugsbetreuung ja eine Reiterstaffel gründen könnte.“ Doch die Idee gefiel den Sanitätern so gut und so setzten sie ihre Pläne im Januar in die Tat um. In Norddeutschland haben sich Reiterstaffeln bereits bewährt.

Was sind die Voraussetzungen, um bei der Staffel des Roten Kreuzes mitzumachen? Die Reiter müssen mindestens die Sanitätsausbildung abschließen. Ein eigenes Pferd zu besitzen ist von Vorteil, eine Reitbeteiligung geht aber auch. Damit das Tier eingesetzt werden kann, muss es die Gelassenheitsprüfung (GHP) absolvieren, bei der es beweisen muss, dass es in heiklen Situationen ruhig bleibt.

Eingesetzt werden soll die Reiterstaffel zum Beispiel beim Landkreislauf im kommenden Jahr. Die Vorteile liegen auf der Hand: „Die Wege im Wald sind oft schmal, da kommt man mit dem Wagen nicht lang. Überall wo ein Mensch durch passt, schafft es normalerweise aber auch ein Pferd,“ erklärt Pircher, der seit acht Jahren beim BRK viele Rettungsdienste fährt und im Katastrophenschutz arbeitet.

Auch bei großflächigen Veranstaltungen wie „Rock im Park“ könnte die Reiterstaffel zum Einsatz kommen. Denn auf den Zeltplätzen sind die Wege oft lang. Mit Pferden könnten die Sanitäter über die Plätze reiten und sich um Teilnehmer mit typischen „Festival-Verletzungen“ wie Verbrennungen, Fuß- und Knöchelverletzungen oder Kreislaufproblemen kümmern.

Und auch Pferdeveranstaltungen wie Reitturniere, bei denen sie verunglückten Reitern helfen können, stehen auf dem Plan. Zum einen trauen sich diese speziellen Sanitäter an Unfälle mit den großen – und für viele angsteinflößenden – Tieren heran, zum anderen können sie sich als Reiter auch besser vorstellen, wie der Unfall passiert sein könnte, sagt Pircher.

Und auch für Hochwassereinsätze können die berittenen Sanitäter von besonderem Nutzen sein. „Das Pferd ist ein gutes Mittel, um die Deiche abzulaufen und zu kontrollieren“, erklärt er. Hubschrauber wären dafür auch geeignet, seien aber sehr teuer.

Zur Zeit besteht die neu ins Leben gerufene Reiterstaffel aus etwa 20 Sanitätern. Fünf sind schon länger beim BRK, 15 kamen neu dazu. „Das war auch eines unserer Ziele“, sagt Pircher. „Durch die Reiterstaffel wollten wir ein neues Klientel für das BRK dazu gewinnen. Der Grundgedanke ist, zwei Hobbys miteinander zu verbinden.“

Für die Zukunft wünschen sich die BRK-Leute, auch an anderen Standorten weitere Reiterstaffeln aufzubauen.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren