Diskussionen um Regelung am Altstadtfest

„Caipi“ im Plastikbecher

Weizenbier nur noch aus dem Plastikbecher? Diese Vorstellung mag weder den Besuchern, noch den Betreibern am Laufer Altstadtfest so recht schmecken. | Foto: PZ-Archiv2016/03/altstadtfest-weissbier-589x900.jpg

LAUF — Schon in drei Monaten, am 24. Juni, ist wieder Altstadtfest in Lauf. Statt für Vorfreude sorgte diese Veranstaltung gestern in einschlägigen Kreisen, bei Veranstaltern, Brauerein, Barbetreibern und der Stadt aber nicht für Vorfreude, sondern für gehörige Aufregung. Ab heuer nämlich dürfen mit Außnahme von Maßkrügen und Flaschen für alkoholfreie Getränke keine Glasgefäße mehr benutzt werden. Weizen, Bowle und vor allem die immer beliebteren Cocktails dürfen aus Sicherheitsgründen nur noch in Mehrwegbechern aus Hartplastik ausgeschenkt werden.

Über diese neue Regelung der Stadt Lauf hatte gestern der Veranstalter des Altstadtfdestes 2016, der SK-Heuchling, informiert. Bekannt gegeben worden war die Vorschrift bei der 1. sicherheitstechnischen Vorbesprechung des Altstadtfestes am Dienstagabend. Neben dem SKH waren hier unter anderem Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Bauhof, Stadtverwaltung und Bürgermeister mit dabei.

„Wir sind aus allen Wolken gefallen als wir das hörten“, so die erste Reaktion von Rudi Rab, dem Präsidenten des Lionsclubs der jedes Jahr den Spitalhof bewirtschaftet. Raab sieht insbesondere den Weißwurstfrühschoppen mit Weißbier am Sonntagvormittag in Gefahr, weil, wie er schon erfahren hat, die l Brauerei Wiethaler solche Plastikkrüge gar nicht besitzt. Zumindest das Vorgehen der Stadt, diese Informationen so kurzfristig herauszugeben, finde er daneben. Bestimmt könne man das Problem lösen, aber nicht kurzfristig, so Raab.

Der, der diese neue Vorschrift erlassen hatte, Ordnungsamtsleiter Benjamin Wallner, kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Zumal Lauf bei Plastikbechern hinter anderen Kommunen und Veranstaltern zurück sei. In allen Stadien, beim Public Viewing oder bei Konzerten sei der wiederverwertbare Kunststoffbecher längst Standard. Was den Zeitpunkt der Mitteilung angehe, so habe er schon in der Abschlussbesprechung des Altstadtfestes 2015 im September darauf hingewiesen, dass heuer nur noch Plastik erlaubt sei.

Sicherheitstechnische Gründe hätten zu der Regelung seiner Behörde geführt. Neben der Verletzungsgefahr durch Scherben hätten zuletzt Rettungsdienste oder Feuerwehr Probleme gehabt, mit ihren Fahrzeugen durch die Scherben zu fahren. „Und ein Platter am Rettungswagen geht nicht“. Vor allem die in den letzten Jahren stark aufgekommenen massiven Gläser für die Cocktails an den Bars und Ständen wie am Marktplatz, in der Spitalstraße oder der Johannisstraße haben zuletzt für riesige Scherbenberge gesorgt, denen man jetzt Herr werden müsse. Darunter waren nur relativ wenige Maßkrüge und Limoflaschen, sodass man hier eine Ausnahme mache.

Gar nicht nachvollziehen kann die Vorschrift Brautechniker und Juniorchef der Brauerei Wiehtaler in Neunhof, Andreas Wiethaler. Um Scherben zu vermeiden, hätte es auch andere Möglichkeiten, wie ein extrem hohes Flaschenpfand, gegeben, glaubt er. Becher seien auf Veranstaltungen wie dem Altstadtfest die große Ausnahme und am Oktoberfest habe man die Idee schnell wieder aufgeben. Nicht nur, dass die Becher viele Nachteile wie die problematische Reinigung mit Spezialmaschinen hätten („Gläser sind immer hygienischer“). Die Anschaffung für die kleinen Brauereien rechnet sich niemals.

Auch Brauerkollege Friedrich Weber von Simonbräu in Lauf ist „nicht gerade begeistert“ von der neuen Vorschrift. Die Plastikgefäße seien teurer als Gläser und schwierig im Handling wie in der Aufbewahrung. In seiner Brauerei habe er noch keine Becher im Einsatz. Aber natürlich müsse bis zum Fest eine Lösung her. Und wenn es eben dann ein halbvoller Maßkrug mit Weizen ist. „Schön ist das aber bestimmt nicht“. Ähnlich pragmatisch reagiert Markus Senft auf die Vorschrift. Senft ist Betreiber der Cocktailbar in der Johannisstraße kurz vor der Wasserbrücke und hat hier bisher auch voll auf Gläser gesetzt. „Jetzt muss ich mich natürlich umschauen, wie und wo ich Becher herbekommen, wie man diese reinigt.“ Dass aber auch Wein- oder Sektgläser unter die Regelung fallen sollen, das könne er nicht verstehen.

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