Sonderausstellung im Industriemuseum in Lauf

Brückenschlag zwischen Frau Holle und Industrie

Historikerin und Museumsmitarbeiterin Julia Uehlein (links) im Märchen „Rumpelstilzchen“, wo sich auch Besucher ans Spinnrad setzen können. Das Foto rechts zeigt sogenannte Kulissen-Märchenbücher des tschechischen Illustrators Vojtech Kubasta aus den 60er Jahren2014/04/80076_maerchenpfadindustriemuseumuehleinspinnradwolle_New_1396535465.jpg

LAUF — „Auf dem Märchenpfad“ können Besucher des Laufer Industriemuseums ab Sonntag wandeln. Dann wird die gleichnamige Sonderausstellung eröffnet, die mit acht quer über das Museum verteilten Märchen-Stationen eine Brücke schlagen will zwischen den romantischen Erzählungen der Brüder Grimm oder eines Hans Christian Andersen und dem Alltag der Bevölkerung in der Zeit der Industriellen Revolution.

Märchen und Industriegeschichte – wie passt das zusammen? Zeitlich gesehen liegt der Zusammenhang auf der Hand, meinen Julia Uehlein und Peter Kraus vom Laufer Indus­triemuseum, die die neue Sonderausstellung konzipiert haben. Denn als Jacob und Wilhelm Grimm 1812 den ersten Band ihrer „Hausmärchen“ veröffentlichten, bahnte sich die Industrielle Revolution gerade ihren Weg von England und Frankreich aus Richtung Deutschland. Ziel der Schau ist es deshalb, einen historischen Zugang zu den Märchen zu finden, ihre sozialgeschichtlichen Aspekte herauszustellen. „Wir wollten keine Märchenszenerien wie in einem Freizeitpark nachbilden“, betonen die beiden Historiker Uehlein und Kraus, die einräumen, dass die Stationen gerade von Kindern einiges an „Transferleistungen“ abverlangen.

Ein Lebkuchen-Symbol leitet die Besucher über den Märchenpfad, von Rapunzel über Frau Holle und Schneewittchen bis hin zum „Mädchen mit den Schwefelhölzern“, quer durchs ganze Museum, denn die acht Stationen sind diesmal in die Dauerausstellung integriert und stellen immer wieder einen wechselseitigen Bezug her. So wartet bei „Rapunzel“ ein kleiner Kräutergarten auf die Besucher, wie er einst auch von Fabrikbesitzer Dietz angelegt worden war. Beim Rumpelstilzchen können sich die Besucher selbst im Spinnen versuchen und bei Frau Holle erfährt man, dass sich die meisten Menschen im 19. Jahrhundert überhaupt keine Daunenfedern für ihr Bettzeug leisten konnten. Auf dem edel eingedeckten Tisch der Fabrikanten-Familie Dietz finden sich die goldene Kugel und das goldene Tellerchen der Königstochter aus dem „Froschkönig“. Und natürlich kann man an jeder Station das jeweilige Märchen noch einmal nachlesen.

Die Beschaffung der Exponate für die mit kleinem Budget realisierte Ausstellung sei diesmal sehr schwierig gewesen, erzählt Julia Uehlein. Dennoch hat das Team in der Mühle einige Besonderheiten zusammengetragen, zum Beispiel ein Märchen-Sammelalbum, ähnlich den heutigen Fußball-Sammelalben, von 1939, Märchenbriefmarken aus der DDR oder Kulissen-Märchenbücher (heute würde man Pop-up-Bücher sagen) des tschechischen Illustrators Vojtech Kubasta aus den 60-er Jahren.

Damit trotz der Komplexität der Ausstellung auch Kinder auf ihre Kosten kommen, gibt es wieder zahlreiche Mitmachstationen, an denen die Kleinen zum Beispiel Frau Holles Daunen befühlen können. Außerdem wird wieder ein fantasievolles museumspädagogisches Begleitprogramm angeboten, das sich an Schulen und Kindergärten genauso richtet wie an Privatpersonen. Nach einer speziellen Führung können Kaiser-Kronen gebastelt und Scherenschnitte angefertigt werden. In Planung sind außerdem Märchenpapier-Schöpfen und Hirsebrei-Kochen. Dabei lernen die Kinder spielend, wie die Menschen zu Zeiten der Brüder Grimm gekocht und gegessen haben. Buchungen sind unter 09123/990314 möglich.

Die Ausstellung „Auf dem Märchenpfad“ im Laufer Industriemuseum wird am Sonntag, 6. April, eröffnet und ist bis zum 4. Januar 2015 zu sehen. Parallel dazu läuft im Museum die große Sonderausstellung über die Transsibirische Eisenbahn (die PZ berichtete bereits), diese ist ab 25. Mai zu sehen.

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