Die Grünen fordern einen vorläufigen Planungsstopp

Braucht es den Straßenausbau nach Schönberg?

Ein Problem auf der rund 1,5 Kilometer langen Strecke ist diese Kuppe. Die Sichtverhältnisse dort seien schlecht, heißt es vom Landratsamt. | Foto: PZ-Archiv/Fischer2021/05/lau-7-strasse-lauf-schonberg-kuppe-lkw-eng.jpg

Schönberg/Lauf. „Umfangreiche Deckenschäden, Risse und Verdrückungen“, ein wohl „unzureichend tragfähiger Unterbau“ und obendrein schlechte Sichtverhältnisse wegen einer Kuppe mitten auf der Strecke: So lautet die bereits 2017 gestellte Diagnose. „Besser ist es seither nicht geworden“, so Rolf List, Sprecher des Landratsamts. Es geht um die knapp über eineinhalb Kilometer lange Kreisstraße vom Laufer Industriegebiet nach Schönberg. Der Grünen-Ortsverband fordert für ihren Ausbau, der seit über zwei Jahrzehnten in der Diskussion ist, trotz dieser Feststellungen ein „Projektmoratorium“. Der Landrat soll die Planungen auf Eis legen. Nötig sei eine „ergebnisoffene Diskussion“.


Lydia Hufmann-Bisping, Kreisrätin und Ortssprecherin der Grünen, begründet den Vorstoß unter anderem damit, dass der Straßenausbau „erhebliche Eingriffe“ in die Natur erforderlich mache. Betroffen wäre nicht nur der umliegende Bannwald, auch Biotope und ein Wasserschutzgebiet liegen in dem Forststück. Obendrein befürchtet die Partei, dass auf einer breiteren Straße schneller gefahren wird. Und überhaupt: „Eine weitere Priorisierung des motorisierten Individualverkehrs bei gleichzeitigem starken Eingriff in die Natur entspricht (…) nicht den Zielen einer umweltfreundlichen, nachhaltigen Entwicklung der Region.“


In der Bevölkerung sei das Bauvorhaben „bisher nahezu unbekannt“, stellen die Unterzeichner des Schreibens an das Landratsamt fest. Die Grünen wünschen sich deshalb ein Beteiligungsverfahren, etwa über eine Online-Plattform wie bei der Elektrifizierung der rechten Pegnitztal-Bahnstrecke.


„Dem kann nicht entsprochen werden“


Ein Moratorium wird es aber nicht geben. „Dem kann nicht entsprochen werden“, sagt Rolf List, Sprecher des Landratsamts. Denn schließlich existiert ein Beschluss. Ihn hat der Bauausschuss des Kreistags am 27. März 2017 gefasst – und damit die Planungen erst angestoßen. „An diesen Auftrag müssen wir uns halten“, so List. Ein Entwurf soll Anfang Juli vorliegen. Dann könnte auch eine definitive Entscheidung über den Ausbau fallen. Wollten die Grünen einen Stopp durchsetzen, ginge das nur über politische Mehrheiten.


Aus Sicht der Kreisverwaltung gibt es aber definitiv Handlungsbedarf: „Die Straße wurde in ihrer jetzigen Linienführung noch vor 1970 ausgebaut, also noch vom Altlandkreis Lauf.“ Sie sei in einem schlechten Zustand, so List. Die Sanierung könne auch Verbesserungen für die Umwelt mit sich bringen – der Sprecher verweist auf neue, strengere Richtlinien zum Bau von Straßen in Wasserschutzgebieten.


Bereits jetzt ist die Bevölkerung aus Sicht der Behörde eingebunden: „Die Sitzungen sind öffentlich, jeder kann sie besuchen. Das alles wird ja nicht zwischen Landrat und Bürgermeister ausgehandelt.“


Immerhin herrscht in einem Punkt Einigkeit: Beim Ausbau soll der Radweg neben der Straße asphaltiert werden. Dagegen, so Lydia Hufmann-Bisping, gebe es keine Einwände.

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