Filme im DHT

Winterkino-Reihe erspielt sich ihr Publikum

Bernd Weller gibt zu jedem Film eine kurze Einführung, hier zu „Ein Tick anders“. Foto: A. Müller2013/01/56545_winterkinoarteschockdehnberg_New_1357311364.jpg

DEHNBERG — Kleine deutsche Filmkunstwerke, die in großen Kinos oft untergehen, sind beim Winterkino im Dehnberger Hof Theater zu sehen. Schon zum dritten Mal organisiert der Laufer Kulturverein Arteschock die Reihe, die am heutigen Samstag zu Ende geht.

Dass in diesem Jahr – bis auf eine deutsch-holländische Ko-Produktion – nur deutsche Filme zu sehen sind, erklärt Bernd Weller, der „Kinoleiter“ von Arteschock, so: „Ich habe vier Filme ausgewählt, die rein zufällig deutsche Filme waren. Und dann habe ich gezielt nach weiteren deutschen Produktionen gesucht.“ Das Ergebnis: Vorwiegend Komödien aus der Bundesrepublik sind zu sehen, allerdings „mit Geschichte und Hintergrund“, denn darauf legt Weller Wert. Alle im Dehnberger Hof Theater gezeigten Filme nähern sich ernsten Themen oder gesellschaftlichen Problemen mit einem Augenzwinkern.

Der Auftaktfilm „Evet – Ich will!“ etwa schilderte am Mittwoch dieser Woche humorvoll die Probleme um deutsch-türkische, homo- und heterosexuelle Paare. Auch der Freitagsfilm widmete sich dem Thema Türken in Deutschland: „Almanya“ erzählte die Geschichte einer Multikulti-Familie. Deren Zusammenhalt wird einer Zerreißprobe unterzogen, als das Familienoberhaupt beschließt, zurück in die Türkei zu gehen. Am Donnerstag zeigte das Winterkino mit „Ein Tick anders“ einen Film über ein vom Tourette-Syndrom betroffenes Mädchen: Als ihre Eltern aus der geliebten Heimat nach Berlin ziehen wollen, muss sie ihre Scheu vor der Öffentlichkeit überwinden, um den Umzug zu verhindern.

Um das Kinoerlebnis abzurunden, lockt die Reihe mit einem besonderen Angebot: Der ambitionierte Hobbykoch Ralph Bolanz kreiert an drei Abenden ein auf den jeweiligen Film abgestimmtes Gericht. Zu der Komödie „Almanya“ gab es gefüllte Auberginen – wahlweise auch in der „fränkischen Variante“ mit Bratwürsten. Zum Abschlussfilm am heutigen Samstag (Beginn: 18 Uhr) wird es, klassisch fränkisch, Bratwürste mit Sauerkraut und Brot geben. Denn gezeigt wird der Film „Die Meister – Als unser Club noch ruhmreich war“, eine Dokumentation über drei ehemalige Meisterspieler des 1. FC Nürnberg, die sich auf einen Stadionbesuch vorbereiten und dabei ihre Höhepunkte mit dem Club Revue passieren lassen.

An drei Nachmittagen laufen im Winterkino zusätzlich Kinderfilme. Für die Eltern besteht bei diesen Filmen die Möglichkeit, den Kinosessel mit einem Café-Stuhl zu tauschen und im Theater Kaffee und Kuchen zu genießen. So auch heute: „Schatzritter“ (Beginn: 15 Uhr) ist eine „tolle deutsche Produktion, eine Art Indiana Jones für Kinder“, sagt Weller. Vier Freunde machen sich darin auf die Suche nach einem legendären Schatz. Am Donnerstagnachmittag wurde mit „Pommes Essen“ eine Komödie über den Streit zwischen Pommesbude und Fast-Food-Restaurant gezeigt, am Freitagnachmittag behandelte „Die Farbe der Milch“ die Sorgen einer zwölfjährigen Jugendlichen.

Die Idee für das Winterkino entstand aus dem Mangel an Kinoangeboten in Lauf gerade im Winter, der doch eine typische Kino-Zeit ist. Organisator Bernd Weller ist mit der Entwicklung hoch zufrieden: „Man kann das sehr gut an den Zuschauerzahlen bei der Premierenvorstellung ablesen: Im ersten Jahr waren es nur 25 Leute, im zweiten 50, und in diesem Jahr hatten wir 80 Zuschauer bei der ersten Vorstellung.“

Auch Theaterleiter Ralf Weiß freut sich über den Zuspruch. „Seit dem Erfolg vom Winterkino haben wir ja auch ein Frühstückskino im Programm.“ Und es wird zukünftig noch mehr Kino in Dehnberg geben, verrät er: „Wir planen mit Bernd Weller zusammen ein ganzjähriges Projekt, bei dem an einem festen Termin ein- oder zweimal im Monat im Hof Theater Filme gezeigt werden sollen.“ Welche, da sind sich die beiden noch nicht einig, nur eines steht fest: „Ein moderner ‚James Bond‘ zum Beispiel wird hier nicht zu sehen sein. Es gibt so viele Filmperlen, die in den großen Kinos nur kurz laufen, und denen wollen wir uns – wie auch beim Winterkino – widmen.“

N-Land Alisa Müller
Alisa Müller