Auch ohne Burgblick ein Ereignis

Das Büffet sah nicht nur zum Anbeißen aus, sondern schmeckte auch ausgezeichnet2010/08/schlossfest_tausenschön_buffet.jpg

LAUF/SCHNAITTACH —Hält es, oder hält es nicht? Diese bange Frage hatte sich den Organisatoren des 3. Laufer Schlossfestes der Pegnitz-Zeitung am Freitag gestellt. Die schlechte Wetterprognose für das Wochenende machte die Entscheidung dann unumgänglich: Statt im Schlosshof, der vom vielen Regen völlig aufgeweicht war, fand das Schlossfest in diesem Jahr „wettersicher“ im Tausendschön in Schnaittach statt.

Dank Chefin Andrea Lipka, deren Team das Catering der Veranstaltung übernommen hatte, und der zuvor geschalteten Hotline, war der kurzfristige Umzug kein Problem. Die mehr als 130 Gäste erlebten im festlich dekorierten Kulturtreff einen luftig leichten Abend mit Musik, Theater und leckerem Essen.

Das Bedauern über den notwendigen Umzug war Organisatorin Gabi Kaiser und PZ-Verleger Lambert Herrmann schon deutlich anzumerken, zumal sich das Wetter am Samstag tagsüber recht schön präsentiert hatte und sogar die Sonne immer wieder herausspitzte. „Doch besser so, als wenn wir wegen Regens hätten abrechen müssen“, meinte Kaiser.

Bereits zum dritten Mal hatte die Pegnitz-Zeitung für ihr Fest die Theaterfirma Erfurt engagiert. Das 1999 gegründete Ensemble, das in seiner Heimatstadt dank ungewöhnlicher Theater-Spaziergänge und fantasievoller Kinderproduktionen schon Kultstatus hat, hatte in diesem Jahr nach „Ärger auf Walhall“ und „Don Quichotte“ erneut ein Historienspektakel im Gepäck: „Parzival“ (Regie: Harald Richter) nach der Vorlage von Wolfram von Eschenbach.

Doch wer dabei an Wagners Adaption für die Bayreuther Festspiele oder an das stundenlange Rezitieren mittelalterlicher Verse denkt, liegt weit daneben. Christiane Weidringer und Klaus Michael Tkacz verwandelten die mehr als 900 Jahre alten Verse in ein charmantes und poesievolles Epos, in dem die Suche des jungen Parzival nach dem heiligen Gral und dem immerwährenden Glück sich verwebt mit dem liebevollen Hickhack eines alten Ehepaares, das im Heute die Geschichte von damals erzählt.

Moderner Parzival mit Witz

(König) Artus und seine Gattin Ginova (Tkacz und Weidringer) moderieren die komplexe historische Handlung mit Witz und Verve und satirischer Distanz, locker und temporeich agieren die beiden auf der Bühne, wirbeln mit Dialogen und Dialekten, Versen, Puppen und Requisiten und verzaubern immer wieder mit wunderbaren Einfällen. Da wird die Tafelrunde – das Zentrum des Geschehens – mal zum Bett, mal zum Dampfbad umfunktioniert und dabei auch noch das Geheimnis ewiger Jugend gelüftet: „Gral in der Tube“ heißt das Wundermittel, das Schönheit und Fitness für immer verspricht. Die respektlosen Seitenhiebe auf Werbung und Showbusiness entstauben den Stoff endgültig und sorgen beim Publikum für große Heiterkeit.

Das fühlt sich im warmen und freundlichen Ausweichquartier ohnehin sehr wohl, der Blick auf die Bühne ist prima und aus den Töpfen und von den Platten des mediterranen Büffets duftet es verführerisch durch den ganzen Raum. In der Theater-Pause serviert das Team des Tausendschön dann noch ein üppiges Nachspeisenangebot, kleine Desserts, die, appetitlich angerichtet, den Blick auf die schlanke Linie vergessen und den Abend kulinarisch endgültig zum Genuss machen.

Musikalisch untermalt wird das Fest, zu dem Verleger Lambert Herrmann die Gäste zu Beginn begrüßt, vom Mandolinen- und Gitarrenorchester der Naturfreunde Lauf unter der Leitung von Elena Romanova-Nöller, das nach diesem Auftritt  „kein Geheimtipp“ (Herrmann) mehr sein dürfte: Mit wunderbaren russischen und spanischen Melodien zaubern die Musiker Urlaubsflair in den Saal, während draußen langsam aber sicher die angekündigte Regenfront mit Windböen und frischen Temperaturen aufzieht. Elvira Klibanova und Olga Dobubrovskaja geben sich mit Leidenschaft ihrem Lied „Katjuscha“ hin und Elena Romanova-Nöller greift zwischendrin statt zum Taktstock zur Gitarre und legt ein wunderbares Solo hin – ein rundum gelungener Abend, dem eigentlich nichts fehlt – außer der Blick auf die Burg.

Weitere Bilder vom Schlossfest finden Sie hier in Kürze.

N-Land Isabel Krieger
Isabell Krieger